ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:09 Uhr

Wie ein Abenteurer Kämmerer in Lübben wurde

Im Botanischen Garten Sydney. Im Hintergrund die markanten Wolkenkratzer der Stadt. Sydney, im Jahre 2000 Gastgeber der Olympischen Sommerspiele, war der Landungsplatz für den Lübbener Julius Otto Bleicher.
Im Botanischen Garten Sydney. Im Hintergrund die markanten Wolkenkratzer der Stadt. Sydney, im Jahre 2000 Gastgeber der Olympischen Sommerspiele, war der Landungsplatz für den Lübbener Julius Otto Bleicher. FOTO: Foto: B. Marx
Boblitz/Lübben.. Das Boblitzer Leichhardt-Team „Event 2013“ lud Ende vergangenen Jahres Australienfreunde, Abenteurer und Interessierte zum Vortrag „Der Reisebericht des Julius Otto Bleicher von Lübben nach Australien“ ein. Dieser basierte auf dem abenteuerlichen Reisebericht des am 2. Foto: B. Marx

Juni 1828 in Lübben Geborenen. Am 17. Oktober 1852 verließ der damals 24-jährige Junggeselle aus Liebeskummer mit dem Segelschiff „Helene“ Hamburg. Erst nach 152 Reisetagen über drei Weltmeere hatte der Globetrotter am 18. März 1853 in Circular Quay, dem Hafen von Sydney, wieder festen Boden unter den Füßen. Eingegrenzt wird dieser Hafenbereich heute von der Sydney Harbour Bridge und dem berühmten Opernhaus mit seiner eigenwilligen Dachkonstruktion.
Damit war der junge Spreewälder zwei Wochen länger auf See als der aus Sabrodt bei Trebatsch stammende Australienforscher Ludwig Leichhardt neun Jahre zuvor. In seinem kurzweiligen Reisebericht schildert der Lübbener die großen und kleinen Abenteuer sowie die zahlreichen Episoden auf dem 40 Meter langen und acht Meter breiten Segler.
Aus seiner Proviantliste wird erkennbar, dass er ein ganz „Süßer“ gewesen sein muss: Immerhin nahm er 13 Pfund Zucker, drei Pfund Bonbons, einen Sack mit Backpflaumen und eine Scheibe Mus aus dem Spreewald mit in das Land der Koalas und Kängurus.
Mit 220 Mitreisenden und zwölf Besatzungsmitgliedern begann die abenteuerliche Fahrt durch die schäumenden Wellen. Sechs Reisemitglieder erreichten ihr Ziel nicht, während fünf neue Erdenbürger geboren werden.
Für den Tauschhandel war der Lübbener gerne zu haben. So wollte er die „älteren“ Damen von seinem Schiff gegen ein paar junge „Backfische“ bei einer Begegnung mit einem anderen Schiff eintauschen. Bei der Reise sahen sie die Kreidefelsen von Calais (Frankreich), Cap Finistère und die Kapverdischen Inseln. Zum Weihnachtsfest 1852 erhielten die Mitreisenden bei viel Spaß und Heiterkeit die lustige Äquator-Taufe. Am 6. März 1853 sahen sie zum ersten Mal den fünften Kontinent in Höhe von Melbourne.
Später suchte Julius sein Glück auf den Goldfeldern um Melbourne - und wurde fündig. Er sah gefährliche Buschbrände und verheerende Überflutungen, wilde Schießereien und schlimme Erkrankungen, wüste Schlägereien und dreiste Diebstähle. Der Liebeskummer war bald vergessen, und die Sehnsucht nach der schönen Spreewaldstadt Lübben wurde immer stärker. Nach 15 Monaten in der „rauen“ Fremde hielt es Julius nicht mehr unter dem Stern des Südens bei den Goldgräbern aus.
Am 9. Juni 1854 verließ er Australien und trat voller Vorfreude und mit ein paar Klumpen Gold im Gepäck die Rückreise nach Richtung Europa an.
Später wurde Julius Otto Bleicher der Kämmerer in Lübben. Immer wenn er die vielen goldenen Münzen für die Stadtkasse zählte, träumte er von seinen Abenteuern auf dem fernen fünften Kontinent. Ob das jetzige Münzengold einst als gesuchte goldene Körner und große Nuggets in den Claims von Australien lag? (bdm)