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| 01:32 Uhr

Wie der Rote Nil in den Spreewald kam

Die Frankfurter Straße überquert den Roten Nil in Lübben. Foto: Elsner
Die Frankfurter Straße überquert den Roten Nil in Lübben. Foto: Elsner FOTO: Elsner
Lübben. Einem Fremden zu erklären, dass Lübben an der Spree liegt, würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Auch dass die Berste durch die Spreewaldstadt fließt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Ulrike Elsner

Wer Gästen aber erklärt, dass Lübben am Nil, genauer am Roten Nil, liegt, erntet ungläubiges Staunen. Es sei denn, die Besucher haben das Hinweisschild mit dieser Aufschrift am Rande der Frankfurter Straße selbst schon entdeckt und dabei nicht minder gestaunt.

Da drängt sich sofort die Frage auf: Wie kommt der Rote Nil in den Spreewald? “Früher hieß der Rote Nil Alte Spree„, sagt die Lübbener Museumsleiterin Christina Orphal. Der Fantasie der Menschen und wohl auch ihrem Fernweh sei im 19. Jahrhundert schließlich der Fließname Roter Nil entsprungen.

Die rote Farbe bekomme das Fließ vom Raseneisenstein, der in diesem Gebiet dicht unter der Grasnarbe liege. “Es sieht aus, als habe jemand Asche ins Wasser geschüttet„, sagt Christina Orphal. Früher hätten die Menschen das rötliche Wasser allerdings auch mit dem Blut Christi in Verbindung. “Es sollte eine heilende Wirkung haben, wenn man darin badete„, so die Museumsleiterin. Zu DDR-Zeiten seien die alten volkstümlichen Bezeichnungen zumindest im offiziellen Sprachgebrauch durch die prosaische Bezeichnung A-Graben ersetzt worden.

Als Mitte der 90er-Jahre die Lübbener Gewässer beschildert werden sollten, habe Christina Orphal, damals Mitarbeiterin des Amtes für Umwelt- und Naturschutz, auch eine Recherche zu Gewässernamen vorgenommen. Die heutige Museumsleiterin erinnert sich: “Den Namen Roter Nil gab es nur im Volksmund. Er war nicht amtlich, aber allen geläufig und sehr originell.„

Deshalb habe sie sich seinerzeit stark dafür eingesetzt, den Namen ins Gewässerkataster aufzunehmen.

Für Originalität und Fantasie der Lübbener sprechen übrigens auch andere Fließnamen. So ist es nur folgerichtig, dass es in der Spreewaldstadt neben dem Roten Nil auch einen Suez-Kanal gibt.