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| 17:39 Uhr

Bahnverkehr
Schock in Lübben über neue RE 2-Pläne

Immer mehr parkende Pendler am Bahnhof Lübben: Aus der Not heraus wird derzeit eine Freifläche gegenüber dem Bahnhof genutzt.  Foto: Ingvil Schirling
Immer mehr parkende Pendler am Bahnhof Lübben: Aus der Not heraus wird derzeit eine Freifläche gegenüber dem Bahnhof genutzt. Foto: Ingvil Schirling FOTO: Ingvil Schirling / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus/Lübben. Der Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises Stephan Loge (SPD) und Lübbens Bürgermeister Lars Kohlan (SPD) reagieren entsetzt auf den Vorschlag, künftig Schnellläufer-Zug nach Berlin an der Spreewald-Kreistadtstadt vorbeirauschen zu lassen. Von Christian Taubert

„Wir sind verwundert, irritiert und auch entsetzt.“ Diese Reaktion des Bürgermeisters von Lübben kommt nicht von ungefähr. Lars Kolan hat am Freitag aus der RUNDSCHAU von einem Konzeptentwurf zum Regionalexpress (RE) 2 zwischen Cottbus und Berlin erfahren, wonach Lübben nicht mehr zu den Haltpunkten gehören soll. Schon jetzt kündigt der SPD-Politiker an: „Unseren RE 2-Bahnhalt werden wir nie kampflos aufgeben.“

Das neue Konzept für den RE 2 ist gerade auf einer Dialogveranstaltung in Kolkwitz (Spree-Neiße) vorgestellt worden. Die Bürgerinitiativen Raddusch (das zur Stadt Vetschau gehört), Kunersdorf und Kolkwitz hatten Einwohner, Politiker und Experten geladen, um einen Weg aufzuzeigen, die drei seit zwei Jahren tagsüber nicht mehr angefahrenen Orte wieder an die Bahn anzukoppeln. Bahnexperte Dieter Doege hatte mit seinen Spezialisten von „ÖPNV intakt“ die Strecke erneut unter die Lupe genommen und kam zu dem Ergebnis:

Erstens: Ein zusätzlicher Pendelzug soll zwischen Cottbus und Lübbenau verkehren. Er würde als „Zubringer“ der Reisenden aus Kolkwitz, Kunersdorf, Vetschau und Raddusch fungieren – und stets vor dem RE 2 verkehren.

Zweitens: Die auf diesem Abschnitt „eingesammelten“ Reisenden könnten in Lübbenau in den RE 2 umsteigen, der von hier ohne Halt nach Berlin fahren soll.

Drittens: In Lübbenau könnten die mit der Regionalbahn 24 (die nach 2022 zum RE 7 werden soll) aus Richtung Senftenberg kommenden Reisenden in den Direktzug nach Berlin umsteigen.

Wenngleich es sich um einen Vorschlag handelt und in Kolkwitz ein Runder Tisch auf Expertenebene zur Prüfung des Konzeptes vereinbart wurde – das Ärgernis für die bisher vom RE 2 angefahrenen Lübben und Brand mit Tropical Islands blöeibt: Sie würden nur noch einmal pro Stunde angefahren, statt bisher von zwei Zügen. „Und das von einem Bummelzug“, zeigt sich der Landrat von Dahme-Spreewald Stephan Loge (SPD) erschüttert. So ein Konzept vorzulegen, zeuge von schlechter Nachbarschaft. Tropical Islands wolle gerade wieder 300 Millionen Euro in die Hand nehmen, um das Tropenparadies noch attraktiver zu machen. Und dafür soll im Gegenzug die Erreichbarkeit eingeschränkt werden? „Das lehne ich kategorisch ab“, betont der Landrat und verweist zugleich auf den Kreissitz Lübben als Mittelzentrum und Erholungsstandort.

Der Lübbener Bürgermeister macht zugleich deutlich, dass Zukunftsplanungen für die Spreewaldstadt mit einem gekappten Bahnhalt für den RE 2 über den Haufen geworfen würden. Lübben sei nach Definition des Landes eine Stadt der zweiten Reihe um Berlin. Die Stadt wachse und platze heute schon aus allen Nähten. Die Nachfrage von Zuzüglern aus Berlin nehme zu. Deshalb arbeite die Stadt an einem neuen Flächennutzungsplan. „Das Wohnungsangebot muss sich deutlich verbessern“, erklärt Lars Kolan. Und auch das Angebot von Kita-, Hort- und Schulplätzen reiche längst nicht mehr aus.

Von heute knapp über 14 000 Einwohnern will die Metropole zwischen Unter- und Oberspreewald bis 2030 auf über 15 000 Einwohner wachsen. „Damit wir dieses Wachstum erreichen, werben wir mit der günstigen Verkehrsanbindung“, verweist Kolan auf Bundesstraßen, Autobahn und die Bahnanschlüsse. Wenn die Stadt bis Anfang Dezember ihre Stellungnahme zum neuen Nahverkehrsplan an das Land abgeben müsse, „dann werden wir gegen dieses Vorhaben protestieren“. Für Kolan sei dies falsch verstandene Solidarität, wenn der Anschuss von drei Bahnhalten an den RE 2 im Süden zulasten der Kreisstadt Lübben gehe – und zwar Richtung Berlin wie nach Cottbus.

Die Planer von „ÖPNV intakt“ sind von der rigorosen Ablehnung ihres Konzeptes in Dahme-Spreewald überrascht. Cottbus habe als zweitgrößte Stadt Brandenburgs eine „unzumutbar lange Fahrzeit mit der Bahn bis Berlin“. Ein Schnellläufer wie der RE 2 mit einem Halt in Lübbenau komme den vielen Pendlern – auch aus Sachsen – entgegen, sagt Sprecher Dieter Doege. Den Reisenden aus dem gesamten Süden die Möglichkeit zu geben, in Lübbenau einen Schnellläufer nach Berlin zu erreichen, „wäre ein großer Gewinn“.

Und die Reisenden zwischen Lübbenau, Lübben und Brand macht Doege darauf aufmerksam, dass nach den Planungen von Land und Bahn nach 2022 „aus dem Bummelzug RB 24 ein Regionalexpress RE 7 werden soll“. Damit seien die Lübbener genauso schnell in Berlin. Für Landrat Loge bleibt es dabei: Eine Verschlechterung der Verkehrsanbindungen werde er nicht akzeptieren.