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"Wenn sich in Brandenburg was bewegt, dann hier"

Gerhard Janßen, Geschäftsführer Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald.
Gerhard Janßen, Geschäftsführer Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald. FOTO: Jan Siegel
Gerhard Janßen (54) ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald (WFG). Am Donnerstag, 23. April, wird er den Themenabend "Investitions- und Innovationsförderung im Land Brandenburg" moderieren. Jan Siegel

Nehmen wir mal an, ich bin der jungdynamische Chef einer mittelgroßen Hightech-Firma in Dahme-Spreewald und ich hasse Papierkram: Ist die finanzielle Förderung für mich interessant?
Es stimmt, Sie müssen schon einiges an Papierkram erledigen. Aber dafür können Sie zwischen zehn und 30 Prozent einer Investition als nicht rückzahlbaren Zuschuss, also cash, bekommen. Der Preis ist ein wenig Tempoverlust und natürlich ein nicht zu unterschätzender Verwaltungsaufwand. Nehmen Sie zum Beispiel das Zentrum für Luft- und Raumfahrt III hier in Wildau: Das hat 21 Millionen Euro gekostet und ist zu 30 Prozent gefördert worden. Der Antrag und die Abrechnung dafür umfassen aber 15 Meter Akten.

Kleine Firmen haben doch gar nicht die Kapazitäten für solch einen Aufwand.
Man bemüht sich, die bürokratischen Hürden gerade für kleine Unternehmen überschaubar zu gestalten. Die Grenze, ab der gefördert wird, liegt bei 60 000 Euro. Für eine Firma mit zehn Mitarbeitern kann die Förderung schon interessant sein. Am Anfang muss aber trotzdem die Frage stehen, ob sich eine Investition auch unternehmerisch rechnet: Entspricht das Produkt den Wünschen unserer Kunden? Lässt es sich am Markt absetzen? Kann ich es zu einem bestimmten Preis verkaufen? Erst dann sollte man überhaupt über eine Förderung nachdenken.

Wofür können Firmen Förderung beantragen?
Der Klassiker sind Investitionen in Gebäude, Maschinen oder Anlagen. Da sind zwischen 2009 und 2014 im gesamten Landkreis Dahme-Spreewald fast 57 Millionen Euro geflossen bei einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro. Das Land hat also mehr als ein Viertel aller Investitionen übernommen.

Und wie läuft die Förderung konkret ab?
Als Erstes brauchen Sie jemanden, der Sie über Förderprogramme berät. Es gibt kommerzielle Vermittler, die manchmal aber mehr versprechen, als sie halten können, und die sich ihre Dienste ordentlich bezahlen lassen. Sie können sich aber auch direkt an die Wirtschaftsförderung wenden. Bei uns in der WFG gibt es zum Beispiel eine erfahrene Beraterin, die das seit 25 Jahren macht, und die Tücken der Förderprogramme aus dem Effeff kennt. Und wir bieten das kostenlos an. Zwischen drei und sechs Monaten dauert dann das Prozedere.

Lassen sich die Effekte der Förderung in Zahlen fassen, etwa in Arbeitsplätzen oder Patenten?
Zwischen 2009 und 2014 können wir knapp 3000 gesicherte und neue Arbeitsplätze verbuchen. Über angemeldete Patente haben wir keine konkreten Zahlen. Grundsätzlich schwimmen wir hier im Industriegürtel am südlichen Berliner Ring aber ganz vorne mit. Wenn sich in Brandenburg etwas bewegt, dann hier. Das Maß aller Dinge sind für uns aber Bayern und Baden-Württemberg.

Da kann die Region nicht mithalten?
In Sachen Arbeitsmarkt sind wir mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent auf dem besten Weg. Aber ich sehe weiterhin auch bei uns zwei Schwachstellen: Innovation und Internationalisierung. Als guter Richtwert für Innovationsstärke gilt ein Anteil von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes, der in Forschung und Entwicklung investiert wird. In Brandenburg liegen wir insgesamt erst bei 1,7 Prozent und auch der Landkreis liegt nicht wesentlich darüber. Wir haben hier zu wenige Großunternehmen mit eigener Forschungsabteilung. Außerdem exportieren auch die LDS-Firmen weiterhin zu wenig.

Wie kann man den Export in der Region stärken?
Das Land organisiert seit jeher Unternehmerreisen ins Ausland. Die Firmen tragen dabei nur die Reisekosten, die Vorbereitung und die Partnersuche übernimmt das Land. Einzelne Unternehmen gerade hier bei uns im Technologiezentrum sind international gut unterwegs. Aber es können gerne noch mehr werden. Gerade in China brummt der Markt nicht nur in Sachen Luftfahrt.

Ist das politische Klima für Unternehmer nicht sogar wichtiger als die finanzielle Förderung?
Ja, die Landräte und Bürgermeister haben ja das ganze Bau- und Planungsrecht unter sich und können die Ansiedlung eines Unternehmens unheimlich beschleunigen. Firmen schreiben auch gerne mal hundert verschiedene Fördergesellschaften oder Verwaltungen an und schauen, wer sich am schnellsten meldet. Wer da engagiert ist und sich um die Wirtschaft bemüht, der kann eine Firma auch in seine Stadt holen.

Mit Gerhard Janßen

sprach Martin Küper

Zum Thema:
Beim "Forum Mittelstand LDS" geht es am kommenden Donnerstag, 23. April, um die Frage, wie innovative und wachstumsorientierte Firmen an Fördergelder kommen können. Das Forum ist öffentlich und richtet sich an alle interessierten Unternehmer und Geschäftsführer aus der Region. Als Gesprächspartner stehen diesmal kompetente Partner beispielsweise von der Förderbank zur Verfügung.Das "Forum Mittelstand" findet diesmal im Zentrum für Luft und Raumfahrt, Schmiedestraße 2, in Wildau statt. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. si