ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:02 Uhr

Gurkenernte im Spreewald gestartet
Wenn das Siegel „Regional“ an seine Grenzen kommt

Lübben/Luckau/Lübbenau. Gurkenbauern machen sich große Sorgen um die Wirtschaftlichkeit des wohl bekanntesten Spreewald-Produktes. Doch es gibt Hoffnung.

Die grassierende Trockenheit in diesem Jahr macht Landwirten zu schaffen. Wer auf die Felder schaut, sieht vertrocknenden Mais, kümmernde Sonnenblumen und –sprießende Gurken. Dank Tröpfchenbewässerung ist die Ernte in vollem Gange. Sorgen gibt es allerdings auch um die Zukunft eines der bekanntesten Exportprodukte aus dem Spreewald.

Darauf haben Gurkenanbauer und -verarbeiter kürzlich bei einem Termin am Rande eines 25 Hektar großen Feldes mit Biogurken zwischen Sellendorf und Hohendorf bei Golßen hingewiesen. Eigentlich sollte es die offizielle Eröffnung der Gurkensaison werden, zu der der Spreewaldverein eingeladen hatte. Aufgrund der Witterung läuft die Ernte aber schon seit 28. Mai auch auf diesem Schlag auf Hochtouren. Sechs Gurkenflieger sind im Einsatz.

Gurkenbauern, Verarbeiter und Journalisten trafen sich auf Einladung des Sprewaldvereins zum offiziellen Erntestart an einem großen Schlag zwischen Sellendorf und Hohendorf bei Golßen.
Gurkenbauern, Verarbeiter und Journalisten trafen sich auf Einladung des Sprewaldvereins zum offiziellen Erntestart an einem großen Schlag zwischen Sellendorf und Hohendorf bei Golßen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Stattdessen nutzten Gurkenanbauer und -verarbeiter den Termin mit Journalisten zu einer kritischen Bestandsaufnahme und ernsthaften Warnungen in Richtung Politik in Bezug auf die Gurke im Besonderen, aber auch die Landwirtschaft im Allgemeinen. Kernpunkt war, dass sich das, was angebaut wird, letztlich wirtschaftlich rechnen muss.

Und das steht bei der Gurke immer mehr infrage. Hans-Peter Frehn verdeutlichte das als Geschäftsführer des Biohofes in Schöneiche. Der „sehr harte Übergang“ von Winter zu Sommer und teils unzutreffende Wettervorhersagen habe die Anbauer vor große Probleme gestellt. Zunächst mussten sehr schnell Kräfte organisiert werden, um die Biogurke, die immer zuerst gepflanzt werde, in den Boden zu bringen. Dann, so Frehn, „sorgte das extrem warme Wetter für eine regelrechte Explosion bei den Gurken“. Auf insgesamt 560 Hektar werden im Spreewald dieses Jahr Gurken angebaut. Davon sind etwa zehn Prozent Biogurken, die ausschließlich Hans-Peter Frehn anbaut. Der Ertrag daraus liege etwa bei der Hälfte der konventionell angebauten Gurken. Nach sechs bis acht Wochen, schätzt er, werde die Ernte zu Ende sein – hauptsächlich aufgrund von Schädlingen wie Mehltau und roter Spinne.

Vergleichsweise wenig Ertrag, kurze Erntezeit, die Abhängigkeit vom Wetter und der Vorhersage und von den Arbeitern – all das führt besonders bei den Biogurken zu Rentabilitätsproblemen. Zwar ist der Verbraucher bereit, für Bio mehr zu bezahlen, aber auch nicht in unbegrenzter Höhe. Auch bei den konventionell angebauten Gurken diktiere der Handel den Preis, unterstrichen Anbauer und Verarbeiter weiter. Ihnen dagegen sitzt der Mindestlohn wirtschaftlich im Nacken. Grundsätzlich werde der zwar unterstützt. „Aber im konventionellen Bereich sind wir ganz hart an der Grenze“, sagte Frehn. Günstige Gurken-Konkurrenz kommt zudem aus Vietnam oder Indien. Die Suche nach Arbeitskräften teilt die Landwirtschaft mit der Industrie, wo weniger am Wochenende und meist unter angenehmeren Bedingungen gearbeitet wird.

Auf etwa 225 Hektar Ackerfläche wächst dieses Jahr Spreewälder Öllein.
Auf etwa 225 Hektar Ackerfläche wächst dieses Jahr Spreewälder Öllein. FOTO: Andreas Traube,Luebben / Andreas Traube,Spreewaldverein

„Unser wichtigster Punkt ist die regionale Zusammenarbeit“, entgegnete Melanie Kossatz als Geschäftsführerin des Spreewaldvereins der Klage und sprach die kurzen Wege vom Produzenten zum Verarbeiter ebenso an wie die europaweit geschützte Dachmarke, die in sich eine 100-prozentige Regionalität garantiere. „Es braucht aber ebenso eine entsprechende Preisbereitschaft dafür.“

Ob es diese gibt, blieb offen – und da kommt Regionalität an ihre Grenzen, wie beim Feldbesuch deutlich wurde. Hans-Peter Frehn machte kein Hehl daraus, ernsthaft zu überlegen, sich auf andere Produkte zu konzentrieren. Ob das das Ende der Spreewaldgurke einläutet? Abwarten. „Die Gurke und der Meerrettich sind mit dem Spreewald verbunden und hier nich wegzudenken“, ist sich Melanie Kossatz sicher.

Hoffnung gibt es aber an anderer Stelle. Nach den kritischen Tönen zur Gurke führte der Spreewaldverein bei Leinanbauern und Ölmüllern weiter. Der Öllein blüht zartblau und ist damit ein Hingucker in der Fließlandschaft. Flachs wird im Spreewald schon seit Hunderten von Jahren angebaut. Nun nehme die Entwicklung eine besonders positive Richtung, sagt der Spreewaldverein. Auf etwa 225 Hektar Ackerfläche wächst dieses Jahr Spreewälder Öllein dank der gestiegenen Nachfrage aus hiesigen Ölmühlen nach regionalen Rohstoffen.

Das Landgut Sellendorf baut auf etwa 50 Hektar die Pflanze an. Nur 120 bis 125 Tage braucht sie von Aussaat zur Ernte. Wenn die Blüten verschwunden sind und die Pflanze gelb bis bräunlich wird, rascheln die Samen leise in den Kapseln. Dann wird gedroschen, die Körner werden anschließend gereinigt und in Ölmühlen gepresst. Heraus kommt das „blaue Gold“ des Spreewalds,

dessen gesundheitsfördernde Wirkung als Teil einer qualitativ hochwertigen Ernährung seit Langem bekannt ist.