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| 01:09 Uhr

Wenig Tore, aber eines der besten Auswärtsspiele

Handball.. Es war eine taktische Meisterleistung einer diszipliniert aufspielenden TSG-Sieben, die über weite Strecken in der sehenswerten und spannenden Begegnung den Rangsdorfer Gastgeber klar beherrschte. Schon zehn Minuten vor Abpfiff eines sicheren Schiedsrichterduos feierten die mitgereisten Fans beim 18:13 den Lübbener Erfolg. Damit kommt es im nächsten Heimspiel am 12. Februar zum Spitzenspiel gegen den Tabellenführer SGH Neuruppin im „Blauen Wunder“ . Von Frank Selbitz

Wer verliert, ist aus dem Meisterschaftsrennen - das war schon vor der Partie klar. Knisternde Spannung lag in der Rangsdorfer Halle, die fest in Lübbener (Fan)Hand war. Nervosität herrschte in der ersten Viertelstunde auf dem Parkett. Die Fehlerquote war auf beiden Seiten entsprechend hoch.

Es ging um viel
Die TSG versuchte, ihr flüssiges Kombinationsspiel aufzuziehen, traf jedoch auf eine konsequente Rangs dorfer Deckung. Allerdings nutzten die Lübbener ihre Konterchancen besser, wenn auch nicht effektiv und führten in der 17.(!) Spielminute mit 3:1. In den zwölf torlosen Minuten zuvor wäre fast der Fairness-Gedanke abhanden gekommen. Rau ging es zwischen den Teams zu. Doch die Unparteiischen hatten das Geschehen fest im Griff und unterbanden jegliche Hektik im Ansatz.
Lübbens Coach Sylvio Schelletter hatte seine Sieben taktisch meisterlich eingestellt, was vor allem den gefährlichen Rangsdorfer Rückraum (Christian Nowack und Andreas Wäsche) zur Bedeutungslosigkeit verurteilte. Dennoch konnten die Lübbener nicht mit drei Toren in Führung gehen. Vom Siebenmeterpunkt und von den Außen scheiterten sie zunächst an einem ausgezeichneten Rangsdorfer Keeper Daniel Neumann.
4:2 nach 20 Spielminuten: Es ging um viel. Rangsdorf stand mit dem Rücken zur Wand - seit dem 0:1 in der zweiten Spielminute war dem Gastgeber kein Treffer mehr gelungen. Es folgte die Umstellung ihres Spielsystems. Ingolf Burisch wurde in Manndeckung genommen und die Deckung völlig geöffnet - mit Erfolg. Die Randberliner verkürzten auf 4:5. Sylvio Schelletter reagierte und brachte mit Robert Schwengber und Peer Schelletter mehr Gefahr aus dem Rückraum. Vor allem Schwengber behielt im Rangsdorfer Hexenkessel die Nerven und erzielte die Tore zur Pausenführung von 7:5.
Rangsdorf versuchte zu Beginn der zweiten Halbzeit, mit zwei Kreisläufern zu punkten, doch Nils Peter Czaja im Lübbener Tor war in Höchstform und bewahrte die Lübbener vor einem größeren Rückstand. In Überzahl waren die Gasgeber in Führung gegangen.
Kurzzeitig wirkten die Lübbener in der Abwehr unkonzentriert und vergaben die Chancen im Angriff überhastet. Sylvio Schelletter ließ das Personalkarussell rotieren, was sich zwar auf die Feinabstimmung auswirkte, doch der Gegner konnte sich nicht auf das Lübbener Spiel einstellen. Die TSG hatte den Spielfaden verloren, war nicht mehr Herr auf dem Parkett, nur die Tore von Ingo Kropke hielten die Sieben im Spiel. Lauthals forderte der Trainer, wieder zu agieren.
Beim 12:13 nach 45 Spielminuten warf Kenny Hübner mit fünf von sechs Treffern in Folge und mit toller Unterstützung seiner Mitspieler die TSG fast im Alleingang auf die Siegerstraße.

Ein wahrer Spielrausch
Marcel Linge, in die Rolle des Spielgestalters geschlüpft, hatte seine emotionale Erregung abgelegt und fädelte die Angriffszüge geschickt ein. In einem wahren Spielrausch enteilten die Spreewälder bis zur 50. Minute auf 18:13. Rangsdorf löste die Manndeckung gegen Ingolf Burisch auf, doch die Lübbener blieben mit Toren von Mirko Wolschke und Ingo Kropke auf Erfolgskurs. „Wir haben hart gearbeitet, das wird nicht mehr verspielt“ , brüllte Lübbens Keeper fünf Minuten vor Schluss bei einer fünf-Tore-Führung und zog den Rangsdorfern mit tollen Paraden den letzten Nerv.
Diese spielten Alles oder Nichts. Doch die TSG-Sieben war taktisch disziplinierter. Ingolf Burisch und Kenny Hübner krönten mit zwei herrlichen Toren den Sieg in einem der besten Lübbener Auswärtsspiele.
Die TSG spielte mit Nils Peter Czaja und Steven Elstermann im Tor, Ingo Kropke (6 Tore), Uwe Rautenberg (1 Siebenmetertor), Ingolf Burisch (5), Mirko Wolschke (1), Matthias Dümke, Robert Schwengber (3), Kenny Hübner (6), Matthias Heße, Peer Schelletter und Marcel Linge (2). Schiedsrichter: Bernd Woite und Dieter Witzcak (Massen). Siebenmeter: Lübben 2, davon 1 verwandelt; Rangsdorf 2, beide verwandelt. Zeitstrafen: Lübben 4, Rangsdorf 6.

Info zum Thema Stimmen zum Spiel
Joachim Orbanz (TSG-Präsident): „Es war das schönste Geschenk zu meinem heutigen Geburtstag. Ich habe extra den Urlaub abgebrochen, weil ich so etwas ahnte. Eine taktisch disziplinierte Meisterleistung.“
Sylvio Schelletter (TSG-Trainer): „Die Schiedsrichter haben eine gute Leistung geboten. Sie haben die Schnittstellen des Spiels sofort entschärft. Mit einer äußerst stabilen Deckung und einer ausgezeichneten Torwartleistung (nur 19 Gegentore bei einer Mannschaft, die sonst 30 und mehr Tore im Spiel wirft) haben wir uns den Erfolg verdient. Mit den Toren von Kenny Hübner und Ingo Kropke kam in der zweiten Halbzeit unser Angriff auf Touren. Als Mannschaft haben wir eine Superleistung geboten, wobei klar war, dass es keinen Schönheitspreis gibt.“
Kenny Hübner (TSG-Außen): „Der Trainer hat mir zur Pause gesagt: „Mach die Augen auf, wenn du wirfst“ , und dann habe ich getroffen.“
Rene Grützmacher (Rangsdorfer Kreisläufer): „Lübben hat verdient gewonnen, weil wir unsere normale Angriffsleistung nicht abgerufen haben. Bei zwei sehr guten Abwehrreihen und ausgezeichneten Torhütern hat der bessere Angriff das Spiel entschieden.“