ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:20 Uhr

Weltgästeführertag
Großes Interesse am Neuhaus

Etwa 60 interessierte Besucher  sind anlässlich des Weltgästeführertags am Samstag zum Neuhaus im Lübbener Stadtteil Steinkirchen gekommen. Im Mittelpunkt standen dabei diesmal Menschen, die Geschichte schrieben.
Etwa 60 interessierte Besucher sind anlässlich des Weltgästeführertags am Samstag zum Neuhaus im Lübbener Stadtteil Steinkirchen gekommen. Im Mittelpunkt standen dabei diesmal Menschen, die Geschichte schrieben. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. In Lübben-Steinkirchen hörten 60 Besucher Spannendes zum Weltgästeführertag. Von Andreas Staindl

Etwa 60 Interessierte waren während des Weltgästeführertags am Samstagnachmittag im Herrenhaus „Neuhaus“ in Lübben dabei. Eine so große Resonanz gab es in den vergangenen Jahren nicht immer. Das architektonische Kleinod im Stadtteil Steinkirchen hat offenbar seinen Reiz. Geschichte atmet das Objekt ohnehin. Ein guter Anlass, den Weltgästeführertag in diesem Jahr dort durchzuführen.

„Menschen, die Geschichte schrieben“ war das große Thema der diesjährigen Auflage. Ernst Christoph Freiherr von Houwald (1778-1845) gehört zweifellos dazu. Er stand im Mittelpunkt des Weltgästeführertags in Lübben.

Die Gästeführer Gisela Christl, Jutta Küchler und Uwe Neumann haben auf das Leben und Wirken Houwalds aufmerksam gemacht. Der Dichter und Reformer lebte und arbeitete von 1822 bis 1845 im Neuhaus.

Sein Wohnhaus war auch geistiger Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten. Die Schriftsteller Bettina und Achim von Arnim sowie Houwalds Dichterfreund Carl Wilhelm Contessa gehörten dazu. Ernst Christoph Freiherr von Houwald und Contessa pflegten eine besondere Beziehung. Gisela Christl und Jutta Küchler gingen am Samstag darauf ein. Sie erinnerten aber auch an viele weitere Persönlichkeiten, die mit dem Neuhaus in irgendeiner Verbindung standen.

Das Haus selbst wurde 1775 ursprünglich als Alterssitz gebaut und etwa 25 Jahre später umgebaut. 1822 kaufte es Christoph Ernst von Houwald. Er hatte bis dahin in Sellendorf (Unterspreewald) gelebt. Der Dichter und Landessyndikus verwandelte das Neuhaus in einen Treffpunkt der Literatur – einen so genannten „Musenhof“. Carl Wilhelm Contessa half ihm dabei.

Das Herrenhaus in Steinkirchen ist auch heute noch Treffpunkt für Kunst und Kultur. Die Kreismusikschule Dahme-Spreewald beispielsweise nutzt Räume im Objekt, in dem darüber hinaus regelmäßig auch Veranstaltungen stattfinden. Die Gästeführer wünschen sich, dass das Neuhaus auch weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung steht: „Tafelsilber verkauft man nicht“, sagt Gisela Christl.

Sie und ihre beiden Mitstreiter führten die Besucher am Samstag auch in den Garten des Herrenhauses. Die Gästeführer machten dort etwa auf die große Platane aufmerksam, die eine oder andere Anekdote inklusive. Für einen längeren Vortrag im Freien war es dann aber doch zu kalt. Die ersten Besucher drängten schon darauf, ins Warme zu gehen.

Sehenswert ist das Neuhaus auch von innen ohnehin. Der Kuppelsaal ist eindrucksvoll und prägend. Er durchzieht alle Etagen des Hauses und ist von einer Lichtkuppel bedeckt. Zu DDR-Zeiten, als auch Klassenzimmer, Hort und Speisesaal im Objekt untergebracht waren, wurde im Kuppelsaal Sport getrieben, etwa Bodenturnen. Auch an jene Zeit wurde am Samstag erinnert – von Gästeführern und Gästen gleichermaßen.

Inzwischen verfügt das Herrenhaus über einen „Roten Salon“, eine Art kleiner Festsaal für Konzerte und ähnliche Veranstaltungen. Musikalisch ging es auch am Samstag dort zu. Gisela Christ hatte, wie man es von ihr als Spreewald-Christl gewohnt ist, ihr Akkordeon dabei. Mit ihrem Solo-Gesang am Anfang steckte sie offensichtlich die anderen Gäste an. Ein großer, gemischter Chor erklang schließlich, und das ganz spontan. Gemeinsam wurde der Lenz herbeigesungen.

Warm war es den Teilnehmern des Weltgästeführertags ohnehin schon geworden. Dafür hatte auch der heiße Glühwein gesorgt, den die drei Gästeführer spendiert hatten. Die Besucher ihrerseits zeigten sich für die nette Betreuung erkenntlich. Sie spendeten großzügig. 270 Euro landeten in der Sammelbüchse, die Uwe Neumann Lübbens neuem Hauptamtsleiter Michael Hase überreichte. Das Geld ist für die Reinigung der Grabsteine Houwalds an der Kirche in Steinkirchen gedacht, erklärte er.