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| 02:32 Uhr

Wehrneubau verursacht weite Wege

Mit einem Bauzaun fest verschlossen ist der Übergang für Fußgänger und Radfahrer am Wehr Hartmannsdorf. Sie müssen weite Umwege über Lübben oder Schlepzig in Kauf nehmen, wenn sie die Spree überqueren wollen.
Mit einem Bauzaun fest verschlossen ist der Übergang für Fußgänger und Radfahrer am Wehr Hartmannsdorf. Sie müssen weite Umwege über Lübben oder Schlepzig in Kauf nehmen, wenn sie die Spree überqueren wollen. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Eine millionenschwere Zusage hat der Wasser- und Bodenverband nördlicher Spreewald am Montag vom Landesamt für Umwelt erhalten. Damit ist die Finanzierung des Wehrneubaus bei Hartmannsdorf gesichert. Seit März ist es allerdings für Fußgänger und Radfahrer gesperrt – und das wird für Jahre so bleiben. Ingvil Schirling

Mit einer schweren Eisenkette und einem Schloss ist der Bauzaun am Wehr Hartmannsdorf festgezurrt. Er versperrt den Zugang zum Bedien steg, der jahrzehntelang Fußgängern und Radfahrern die Querung ermöglichte. Anfang März wurde er mit der Begründung der nicht mehr gewährleisteten Verkehrssicherheit gesperrt. Gleich am Ortsausgang von Hartmannsdorf und noch einmal auf dem Weg zum Wehr weist ein Schild daraufhin, dass der Spreeübergang an dieser Stelle nicht mehr möglich ist - und das wird voraussichtlich so bleiben, bis das neue Wehr in - wenn alles gut läuft - drei Jahren fertig ist.

Das Problem: Die Alternativen sind kilometerweit entfernt. Radfahrer und Wanderer müssen zurück nach Lübben oder über Schlepzig, eventuell Bundes- und Landesstraßen nehmen. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist oder spät dran, um sein Quartier zu erreichen, ist dann wohl nicht mehr in Urlaubsstimmung.

Die Sperrung - und fehlende Ausschilderung der Alternativroute - kritisierte bereits mehrfach Thomas Kaiser (Wir für Lübben). Auf seine Anregung hin stellte BVB/Freie-Wähler-Landtagsabgeordneter Péter Vida eine kleine Anfrage an die Landesregierung. Das Ministerium von Jörg Vogelsänger (SPD) antwortete kurz und knapp, dass es für ein Provisorium während der Bauzeit, Behelfsmaßnahmen oder Umleitungen nicht zuständig sei.

Ansprechpartner vor Ort ist der Wasser- und Bodenverband Nördlicher Spreewald als eine Landesbehörde. Geschäftsführer Jörg Wiesner konkretisiert auf LR-Nachfrage zunächst die Zeitschiene des Neubaus. Mit der Finanzzusage am Montag werden nun die Ausschreibungsunterlagen gemeinsam mit dem Planungsbüro abgestimmt, um das Projekt im Wert von zehn bis zwölf Millionen voraussichtlich ab der 28. Kalenderwoche europaweit ausschreiben zu können.

Werden alle Fristen eingehalten, läuft alles glatt und erhebt niemand irgendwo Einspruch, könnten die bauvorbereitenden Arbeiten - Zuwegung, danach die Kahnrolle - im Oktober beginnen. Dies war ursprünglich für das Frühjahr, später für August anvisiert worden.

Eine Behelfslösung an Ort und Stelle ist bisher nirgendwo im Gespräch. Doch dass der Neubau einen Fußweg beinhaltet, ist sicher. Dazu gibt es eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen Stadtverwaltung Lübben und Wasser- und Bodenverband. Wichtig war das, damit die Wehrpfeiler direkt als Gründung dafür mit genutzt werden können - und nicht kostspielig extra gebaut werden müssen. Der Steg wird auf einer Auskranzung aufliegen. Nutzbar ist er auch für Radfahrer, die dafür aber absteigen müssen.

Doch das wird frühestens in gut drei Jahren Wirklichkeit. Wer andere Brückenbauprojekte kennt, beispielsweise die Pionierbrücke in Alt Zauche, weiß, dass es derartige Vorhaben und europaweite Ausschreibungen in sich haben. Deshalb schlägt Thomas Kaiser eine Alternative vor: Könnte die ehemalige Eisenbahnbrücke der früheren, jetzt stillgelegten Strecke in Richtung Krugau als Ersatz-Spreequerung für Fußgänger und Radfahrer ertüchtigt werden? Diese Idee müsste nun in der Lübbener Stadtverwaltung geprüft werden.

Die stellt mit 93 000 Euro Eigenmitteln den künftigen Fußgängerüberweg am neuen Wehr sicher. Mit 189 400 Euro fördert die ILB den Steg. Der Entschluss, Geld in die Hand zu nehmen, erfolgte "aufgrund der Bedeutsamkeit der Querungsmöglichkeit der Spree am Hartmannsdorfer Wehr", teilt eine Sprecherin mit.

Zum Thema:
Seit März 2014 ist klar: Das Hartmannsdorfer Wehr wird abgerissen und komplett neu gebaut, mit vier Feldern, Kahnschleuse und Fischaufstieg. Um den Fußweg musste von Anfang an gekämpft werden, weil sich das Land als nur für das Wasserbauwerk zuständig betrachtet. Die gemeinsame Lösung mit dem Wasser- und Bodenverband wurde erst nach langem Ringen unter Dach und Fach gebracht.