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| 01:36 Uhr

Wehnsdorfer Kirche soll ein festlicher Raum werden

Projektleiter Volkmar Voigt steht auf der Empore der Wehnsdorfer Kirche und zeigt ein Stück der noch älteren, barocken Holzdecke, die unter dem klassizistischen Deckenputz liegt und im Verborgenen bleibt. Im Hintergrund auf dem Gerüst arbeitet Dirk Zacharias. Er legt Reste der originalen Wandbemalung frei.
Projektleiter Volkmar Voigt steht auf der Empore der Wehnsdorfer Kirche und zeigt ein Stück der noch älteren, barocken Holzdecke, die unter dem klassizistischen Deckenputz liegt und im Verborgenen bleibt. Im Hintergrund auf dem Gerüst arbeitet Dirk Zacharias. Er legt Reste der originalen Wandbemalung frei. FOTO: Tilo Winkler
Das Innere der Wehnsdorfer Kirche ist zurzeit eine Baustelle. Restauratoren arbeiten an den Wänden und der Decke des Gotteshauses. Die unter Denkmalschutz stehende Kirche aus dem 17. Jahrhundert soll Stück für Stück ihre alte Schönheit wiedererlangen. Von Tilo Winkler

Ein CD-Spieler steht neben dem Altar. Zeitungspapier soll die Technik vor zu viel Staub schützen. Aus den Lautsprechern spricht eine Männerstimme mit Passagen aus Erwin Strittmatters „Der Laden“ gegen die Stille in der Kirche von Wehnsdorf an. Ein elektrischer Heizstrahler wiederum versucht, der Kälte etwas entgegenzusetzen. Volkmar Voigt schaut aufs Thermometer und sagt: „Es ist ein Grad wärmer geworden.“ Jetzt beträgt die Temperatur acht Grad Celsius.
In den Händen des 43-Jährigen liegt die Verantwortung für die Sanierung der Wände und der Decke. Gemeinsam mit Dirk Zacharias (39) hat Voigt zunächst an den Stellen, wo Beton-Putz das Mauerwerk bedeckte, die Steine freigelegt. „Damit die Feuchtigkeit entweichen kann“ , erläutert der Fachmann.
Die eigentliche Entfeuchtungs-Aktion liegt bereits ein paar Jahre zurück. Dabei haben die Wehns dorfer selbst Hand angelegt und vom Kirchhof rund ums Außenmauerwerk etwa 200 Kubikmeter Erde abgetragen.
Wahrscheinlich im Frühjahr 2008 soll innen an den jetzt kahlen Stellen „historisch nachgestellter Putz“ aufgebracht werden, sagt Volkmar Voigt. „Er wird nur aus Sand und Sumpfkalk bestehen.“
Besonderes Augenmerk legen die Restauratoren jedoch auf die Farbgebung. Dirk Zacharias steht auf einem Gerüst und löst mit einer feinen Bürste die obere Farbschicht dort, wo darunter spätklassizistische Wandmalerei vermutet wird. Wie die originale Fassung, entstanden um 1850, aussieht, ist in unmittelbarer Nähe der Orgel zu sehen. Dort ist der Zahnfries komplett erhalten. An anderen Stellen wurde das Muster einfach mit blauer Farbe überpinselt, „wahrscheinlich in den 50er-Jahren“ , erläutert Volkmar Voigt. Über der Empore hat die Malerei die Jahrhunderte nicht überstanden. „Irgendwann ist dort einfach neuer Putz aufgetragen worden“ , sagt Voigt.
Komplett erhalten ist dagegen die Decke - und das gleich doppelt. Unter der klassizistischen verbirgt sich sogar noch die barocke. „Eventuell wird künftig ein Stück der älteren Decke als Ausstellungsstück zu sehen sein“ , erzählt der 43-Jährige.
Restauriert werden soll aber die klassizistische. „Die aufgemalten Stuckprofile lösen sich ab, weil der alte Leim in der Farbe an Bindekraft verloren hat“ , so der Fachmann. „Die Decke wird von uns gereinigt, die Farbe gefestigt.“ Defekte Abschnitte werden retuschiert.
Eigentlich müssten nach Abschluss der Arbeiten an den Wänden und der Decke die nächsten Schritte folgen: Auch der Altar und die Empore hätten eine Sanierung nötig, sagt Volkmar Voigt und zeigt auf die seitlichen Ränder des Altars. Dort schimmert an einigen Stellen die originale Vergoldung hervor. „Sobald irgendjemand etwas blaue Farbe übrig hatte, ist sie hier wohl verteilt worden“ , sagt Voigt. Ähnliches gelte für die Leisten der Empore.
Für den Kirchenmaler steht aber fest: Wenn alle Details der Wehnsdorfer Kirche wieder so aussehen wie in der Entstehungszeit, „dann ist das ein sehr festlicher Raum“ .

Zum Thema Kirche trägt Hauptlast
 Die Kirchengemeinde trägt die Hauptlast der Kosten für die Sanierung des Gotteshauses in Wehnsdorf. Sie stellt 24 000 Euro für das insgesamt 37 000 Euro teure Projekt bereit. 8000 Euro steuert die Untere Denkmalschutzbehörde Dahme-Spreewald bei. 5000 Euro kommen aus der Kasse der Gemeinde Heideblick. Bürgermeister Bodo Lott (parteilos) übergab den Zuwendungsbescheid während der vergangenen Sitzung des Hauptausschusses an Brigitte Hoffmann und Eberhard Schadock von der Kirchengemeinde. Die Wehnsdorfer Kirche gehört zum evangelischen Pfarramt Sonnewalde (Elbe-Elster).