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| 19:45 Uhr

Gesundheit
Weg geebnet für medizinisches Versorgungszentrum in Lübben

Lübben. Wirtschaftlicher Betätigung des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus in Lübben zugestimmt. Von Ingvil Schirling

Einstimmig hat der Hauptausschuss der Lübbener Stadtverordnetenversammlung in dieser Woche der wirtschaftlichen Betätigung des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums auf Grund und Boden der Spreewaldstadt zugestimmt – und damit den Weg geebnet für die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums. Das Carl-Thiem-Klinikum will über seine CTK-Poliklinik GmbH die beiden Lübbener Praxen für HNO beziehungsweise Gynäkologie und Geburtshilfe als medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben (die LR berichtete).

„Die Kommunalverfassung macht es erforderlich, dass wir dem zustimmen“, erklärte Bürgermeister Lars Kolan (SPD), „weil wir für die Daseinsvorsorge im Bereich Gesundheit und Soziales zuständig sind“. Geprüft werden müsse noch, ob eventuell auch der Kreistag Dahme-Spreewald zustimmen muss, sagte er weiter. Die Kommunalaufsicht habe in dieser Frage das Innenministerium angerufen, das noch nicht geantwortet habe. Kolan selbst zeigte sich sicher, dass die Stadt zuständig sei. In jedem Fall liege bei einer Zustimmung die Legitimation von dieser dann vor, und der beabsichtigte Start am 1. Juli würde ihrerseits nicht gefährdet.

Thomas Weidemanns (Wir von Hier) eröffnete die folgende Diskussion im Hauptausschuss mit einem Bericht von einem Treffen, das er aus beruflichen Gründen kürzlich besucht habe. Weidemanns ist Geschäftsführer einer Hygienewäscherei in Lübben. Das Treffen habe unter anderem gezeigt, dass medizinische Versorgungszentren immer häufiger würden und weit verbreitet seien. Mit der Gründung eines MVZs, um die beiden Praxen zu erhalten, hätte er persönlich kein Problem.

Benjamin Kaiser (CDU/Grüne) sah das etwas komplizierter. „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, bekannte er. „Wir haben lange gekämpft und können sehr glücklich sein, dass nun ein MVZ entsteht.“ Im Grunde sei es auch „wurscht, ob es das CTK macht oder das Klinikum Dahme-Spreewald“, das sich ebenfalls um die Betreibung beworben hatte, aber nicht zum Zuge kam. Doch „für uns als Landkreis, als Klinikum und großes Haus mit mehr als 900 Mitarbeitern ist es sehr schade, dass wir uns nicht durchsetzen konnten. Ich hoffe – und weiß, dass es im Hintergrund Gespräche gibt, um doch noch eine Lösung zu finden, das MVZ am Klinikum anzubinden.“ Er könne es sich am Klinikum besser und sinnvoller vorstellen, „beispielsweise mal schnell einen Fach- oder Assistenzarzt rüberzuschicken. Ich hoffe, dass es dem Landrat gelingt, eine Änderung herbeizuführen.“

Dem Landkreis Dahme-Spreewald gehören 51 Prozent des Klinikums Dahme-Spreewald. Daher ist das Interesse groß, das MVZ in dessen Hände zu legen. Um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen, war das Thema vergangene Woche im Bildungsausschuss von der Tagesordnung genommen worden. Das hatte die Stadtverwaltung im Finanzausschuss auf Nachfrage von Kaiser bestätigt.

Bürgermeister Lars Kolan erinnerte aber auch daran, dass „wir nur die Zaungäste in einem Verfahren sind und das Ergebnis in die Wege zu leiten haben. Da sind andere Spieler am Tisch gewesen, und wir haben das zur Kenntnis zu nehmen.“ Damit spielte er darauf an, dass der Abschluss zwischen den bisherigen Praxisinhabern und der Cottbuser CTK-Poliklinik auf einer privatrechtlichen Einigung beruht, wie die Kassenärztliche Vereinigung auf LR-Nachfrage bestätigt hatte.

Peter Rogalla (Die Linke) sprach sich für die Zustimmung zur Vorlage aus, „weil davon das Signal ausgeht, dass die medizinische Versorgung zum 1. Juli nahtlos gesichert ist. Da stehen wir in Verantwortung gegenüber den Einwohnern unserer Stadt. Alles andere sind für mich völlige Nebenkriegsschauplätze. Und darüber hinaus“, ging Rogalla auf aktuelle Gerüchte ein, „bin ich sehr sicher, dass die wirtschaftliche Existenz des Klinikums in keiner Weise in Gefahr ist“.

Das Carl-Thiem-Klinikum schließt auf LR-Nachfrage wiederum nicht aus, dass es eine Kooperation geben könnte – abhängig davon, wie diese konkret aussehe.