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| 11:39 Uhr

Wassersport-Revier als Lockmittel

Neidvoll schauen die "Neu-Seeländer" aus dem Raum Leipzig in die Lausitz. Denn die schiffbaren Verbindungen zwischen den ausgekohlten Tagebau-Restlöchern, die im mitteldeutschen Sanierungsgebiet so nicht entstehen, machen das hiesige Seenland für Wassersportler ausgesprochen attraktiv. Das Manko: Menschen müssen bewegt werden. Denn nur mit vielen Gästen aus den Ballungszentren Dresden und Berlin geht die Rechnung auf. Doch in der Bundeshauptstadt ist das Lausitzer Wassersportrevier noch fast unbekannt. Von Kathleen Weser

"Wir müssen ein Revier für den Wassersport entwickeln, an dem auch die Berliner nicht vorbeikommen", erklärt Michael Vetter, der Chef des Erholungsgebietes Senftenberger See (ESS). Auf der Bootsmesse soll deshalb kräftig die Werbetrommel gerührt werden. Mit der länderübergreifenden Strategie, "das Besondere zu wagen", versucht die Internationale Bauausstellung (IBA) "Fürst Pückler-Land" die Seenland-Entwicklung voranzutreiben. "Mit einem äußeren Ring der Aktivitäten und einer inneren Ruhe, die dem Naturerlebnis breiten Raum bietet, versuchen wir, die Gratwanderung zu schaffen", erklärt Volker Mielchen von der IBA. Die Erwartungen in der Lausitz selbst sind hoch. Und die Ungeduld ist groß. Mit mutigen Ideen, mit denen die Akteure oft auch an bürokratische Grenzen stoßen, wird der Versuch unternommen, den See-Sportlern schon die Zwischenlandschaft in dem gigantischen Sanierungsraum als künftiges Wasser-Revier schmackhaft zu machen. Auf das steigende Interesse am Wasserwandern will die Elbe-Elster-Region aufsatteln. Einen "weißen Fleck" auf der Brandenburg-Karte gilt es zu tilgen. Die Verbindung von der Elbe über die Schwarze Elster zum Senftenberger See und damit in die Lausitzer Seenkette hat Andreas Claus, Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück, vor Augen – eine 88 Kilometer lange Route, die den Süden touristisch weiter erschließen und Zugang zu den anderen großen Wasserwanderwegen schaffen könnte. Weite Bereiche des eingedeichten Elsterlaufes sollen wieder geöffnet werden. Erklärtes Ziel ist die Rückkehr zu natürlichen Überflutungsgebieten. Schrittweise wird so bald der Blick auf die schöne Auenlandschaft frei, zeigt sich Claus optimistisch. Mittelständische Unternehmen und die Anrainer-Kommunen des Heimatflüsschens haben sich im Verein Elbe-Elster-Tours gefunden. Auch Lauchhammer und Jessen/Elster denken inzwischen ernsthaft darüber nach, sich mit zu engagieren. Aus dem Programm der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) soll geschöpft werden. Und: "Alle beteiligten Städte und Gemeinden im Elbe-Elster-Kreis haben einen gemeinsamen Förderantrag gestellt, um Ein- und Ausstiege, Wehre, die Bootshäuser an der Elster flott zu machen und ein Leitsystem zu schaffen", erklärt Andreas Claus. "Uns wurden für die nächsten zwei Jahre gute Aussichten auf insgesamt 4,5 Millionen Euro zur Umsetzung signalisiert", ergänzt er. Die Mittel sollen übrigens aus dem Programm "Gemeinschaftsaufgabe Ost" (GA-Förderung) beschafft werden. Dafür ist Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. "Außerdem wurde der Antrag auf Aufnahme der Elster-Verbindung von der Elbe zum Senftenberger See in den Wassersportentwicklungsplan des Landes Brandenburg gestellt " , informiert Andreas Claus. Er bedauert, dass sich die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster in den Prozess bislang nicht aktiv einbringen. Das Engagement bliebe derzeit auf das Wirken der Städte und Gemeinden beschränkt. "Ich bin davon überzeugt, dass von dem verbindenden Wasserwanderweg das Elbe-Elster- und das Lausitzer Seenland gleichermaßen profitieren würden", streckt der Initiator beide Hände aus. Die Pläne konsequent voranzutreiben – dieser Aufgaben stellen sich die lokalen Akteure. Der Versuch, das Interesse an den Angeboten im "Lausitzer Seenland" zu wecken, soll unter anderem Ende November auf der Bootsmesse in Berlin unternommen werden. Es gilt schon jetzt, sich den Reisemarkt zu sichern. Zum Thema Seenland-Messe-Präsenz Mit 5500 Hektar Wasserfläche wird die Lausitzer Seenkette etwa doppelt so groß wie das Müritz-Gebiet, das jetzt vor allem die Berliner Wassersportler anlockt. Nach Angaben der Internationalen Bauausstellung (IBA) "Fürst Pückler-Land" sollen im nächsten Jahr etwa 4000 Hektar schiffbare Wasserfläche geschaffen sein. Sanierungstechnisch bedingt ist aber erst 2009 damit zu rechnen, dass 2700 Hektar funktionsfähig hergestellt sind. Der Sedlitzer und der Ilse-See werden die letzten Gewässer sein, die vollständig geflutet werden. 2015 soll der letzte See seinen Endwasserstand erreichen. Die Berliner Bootsmesse findet vom 24. bis 27. November auf dem Messegelände am Funkturm statt. Mit mehr als 400 Ausstellern und 55 000 Quadratmetern Fläche ist sie eine der größten Wassersportmessen in Deutschland. Auf einer "Fachkonferenz der Entscheider" diskutieren Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden am 25. November die brennenden Fragen aus den Wassertourismus-Regionen. Im Internet unter www.bootberlin.de