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Wasserschaden im Landeshauptarchiv durch Automatensprengung

Historische Akten, die im Landeshauptarchiv in Lübben aufbewahrt werden, sind durch den Schaden an der Wasserleitung nass geworden. Zum Trocknen wurden sie in einen anderen Raum umgelagert.
Historische Akten, die im Landeshauptarchiv in Lübben aufbewahrt werden, sind durch den Schaden an der Wasserleitung nass geworden. Zum Trocknen wurden sie in einen anderen Raum umgelagert. FOTO: ho
Lübben. Bei der Sprengung eines Geldautomaten im Postbank-Finanzcenter am Lübbener Marktplatz ist eine Wasserleitung beschädigt worden. In den Kellerräumen darunter befindet sich gegenwärtig das Landeshauptarchiv. Durch schnelles Eingreifen wurde größerer Schaden verhindert. Gegenwärtig wird über die Zukunft des Archivs in Lübben diskutiert. Ingrid Hoberg und Andreas Staindl

Es ist ein Schatz, der im Keller unter dem Rathaus und dem Postbank-Finanzcenter am Lübbener Marktplatz liegt - das historische Gedächtnis der Region, eine Außenstelle des Landeshauptarchivs Potsdam. Als durch die Sprengung eines Geldautomaten in der Nacht zum 6. Oktober ein Heizkörper von der Wand gerissen wurde, lief Wasser in den Raum darunter.

Als Mann der Tat kümmerte sich Ulf Herwig, Hausarbeiter im Rathaus, umgehend nach Bekanntwerden darum, den Schaden so klein wie möglich zu halten. Er stellte das Wasser ab und begann mit dem Herausräumen der nassen Akten. 40 Kisten mussten rausgetragen werden, so Rathaussprecherin Hannelore Tarnow. Am Morgen kam Verstärkung mit Ina Liebscher, Sabine Habermann und Vincent Traube. Die durchnässten Akten, darunter solche aus den Jahren 1874, 1890, um 1900 oder der Haushaltsplan der Stadt Spremberg von 1941, wurden aus den feuchten Kartons herausgenommen. Zwischen die nassen Seiten legten die Mitarbeiter Löschpapier. "Die Lübbener haben gut reagiert und gleich für offenes Trocknen gesorgt. Aus Restauratorensicht ist der Schaden begrenzt", sagt Katharina Engelmann, Restauratorin beim Landeshauptarchiv nach dem Vor-Ort-Termin. Ina Liebscher betreut das Verwaltungsarchiv und hat bei Schulungen das nötige Wissen erhalten. Inzwischen sind die Akten trocken gelagert - die Luftfeuchtigkeit wird ständig in den Räumen überwacht.

Beim Lübbener Heimatverein sorgen andere Nachrichten seit einiger Zeit für Unruhe. Das Archiv in Lübben soll Ende des nächsten Jahres in das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam ausgelagert werden. Damit gäbe es keine Möglichkeit mehr, vor Ort in alten Unterlagen und Dokumenten zu recherchieren. Sybille Grunert bedauert das. "Unsere Mitglieder haben das Archiv sehr oft genutzt", sagt die Vorsitzende des Heimatvereins. "Autoren unserer Heimatkalender waren für ihre Beiträge oft im Archiv. Das würde künftig schwierig werden. Für unseren Verein ist die Auslagerung nach Potsdam problematisch."

Die Lübbener Stadtverwaltung kennt die Sorgen des Heimatvereins. "Der Bürgermeister hat schon Gespräche mit Vertretern des Vereins geführt", so Hannelore Tarnow. "Dabei wurde über Möglichkeiten der künftigen Unterbringung des Archivs in Luckau und Potsdam gesprochen." Zudem habe es ein Gespräch mit dem Landrat und dem Leiter des Kreisarchivs Dahme-Spreewald gegeben. Der Bürgermeister werde sich auch mit den Stadtverordneten abstimmen, so Hannelore Tarnow. Erst dann könne gesagt werden, wie es mit dem Archiv weitergeht, ob es die Möglichkeit gibt, auch weiterhin vor Ort zu recherchieren.

In Calau und anderen Orten sei das der Fall, sagt Sybille Grunert. "Dort sind Archive teilweise in Bibliotheken untergebracht." Sie befürchtet: "Wenn das Material nach Potsdam ausgelagert wird, geht das Geschichtsbewusstsein vor allem der jungen Generation weiter zurück."