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Was Grundschüler lieben

Zur Eröffnung haben die Schüler das "Glaubensbekenntnis" zum Thema Liebe von Elli Michler vorgetragen.
Zur Eröffnung haben die Schüler das "Glaubensbekenntnis" zum Thema Liebe von Elli Michler vorgetragen. FOTO: dfh
Lübben/Luckau. Kinder aus Lübben und Luckau haben in den vergangenen Wochen gemalt, was sie lieben. Heraus kamen teils tiefgründige Zeichnungen – von deutschen und Flüchtlings-Kindern. Daniel Friedrich / dfh

Die Zimmerwände auf dem Bild von Negin leuchten in einem hellen Gelbton, durch die Fenster sind Bäume zu erkennen. Den roten Boden zieren mehrere Herzen, und durch sechs Türen scheint man in weitere Räume zu gelangen. "Traumzimmer" hat das junge Mädchen aus Afghanistan das Bild genannt, das nun in der "Vertikalen Galerie" im Lübbener Landratsamt aushängt. Aber ist das Traumzimmer überhaupt ein Raum? Oder ist es vielmehr ein symbolischer Ort, von dem aus es in alle Richtungen geht?

"Ob dieser Ort in Deutschland oder Afghanistan ist, hat Negin uns nicht verraten. Es bleibt geheimnisvoll, was sie uns damit sagen will", berichtet Karen Ascher. Die Lübbener Künstlerin hat Negin und 20 weitere Kinder bei dem Projekt "Was wir lieben" begleitet. Für das integrative Kinderprojekt im Rahmen der Aquamediale sollten Schüler der ersten bis fünften Klasse das zu Papier bringen, was ihnen am Herzen liegt. "Wir haben die Ideen nur insoweit eingeschränkt, dass es keine Personen sein sollten. Sonst hätten alle Kinder wahrscheinlich ihre Mamas gemalt", erklärt Karen Ascher lachend.

So sind es denn ganz andere Lieblinge geworden, die die Grundschüler mit Pinsel und einem großen Klecks Deckmalfarbe dargestellt haben: Blondine etwa, das Pferd auf dem Mia einst reiten gelernt hatte und das dann wegen einer Krankheit eingeschläfert werden musste. "Jetzt reite ich immer noch. Doch Blondine ist für mich das besonderste Pferd der Welt", kommentiert Mia ihr Bild.

Ole, der in den Hort der 1. Lübbener Grundschule geht, ist Tierfan und möchte Zoodirektor werden. Deshalb hat er einen Tierpark-Plan angefertigt, auf dem die Gehege von Eisbär, Rotbüffel und Co. eingezeichnet sind. "Die Zoos in Wien und Magdeburg sind die besten", sagt der blonde Junge, "wobei die in Leipzig und Dresden auch nicht schlecht sind."

"Kunst hat eine ähnlich integrative Wirkung wie Sport. Die Kinder haben keine Berührungsängste, kommen ins Gespräch und helfen sich gegenseitig", zeigt sich Karen Ascher von dem Projekt überzeugt. Zudem würden sie Gedanken, die ihnen im Kopf herumschwirren, einfach herauslassen können. Najman aus Afghanistan zum Beispiel hat ein Haus im Grünen gemalt. "Der Herr heilt alle Kranken", hat er darüber auf arabisch geschrieben und findet: "Eigentlich ist es hier gar nicht so anders als zu Hause. Nur die gute Pizza fehlt mir."

Zum Thema:
Das Kinder-Kunstprojekt wurde vom Brandenburgischen Kultusministerium aus dem Förderprogramm "Kulturprojekte zur Integration und Partizipation von Geflüchteten" unterstützt. Die 24 Bilder der Schüler sind noch bis Anfang September im Lübbener Landratsamt im Beethovenweg zu besichtigen.