ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:27 Uhr

Lübben
Was bringt die Zukunft der TKS?

Lübben. Interessenbekundungsverfahren ist beschlossene Sache. Das Ergebnis ist völlig offen. Von Ingvil Schirling

Seit wenigen Tagen ist die Zukunft der Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH Lübben (TKS) ungewisser denn je. Mit großer Mehrheit hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden soll. Dafür sind die Geschäftsfelder in drei Lose aufgeteilt worden. Private Unternehmen können im Rahmen des Verfahrens ihren Hut in den Ring werfen und Interesse für eines oder mehrere Geschäftsfelder bekunden.

Was sich zunächst recht trocken liest, hat ganz praktische Auswirkungen. Eine davon verdeutlichte Martin Mat-
thei namens der Kahnfährleute vor den Stadtverordneten. Das „Flotte Rudel“, seit zehn Jahren ein Verein mit den „lustigen Gurken“, betreibe seit 28 Jahren den Hafen 2 als Pächter.

Dieser wiederum war in dem Verfahren zunächst mit Hafen 1, Parkplatz und TKS-Gebäude in einem Los zusammengefasst. Das aber könnte das „flotte Rudel“ insgesamt kaum stemmen. Martin Mat-
thei fragte daher vor der Entscheidung, „warum man uns als Verein nicht die Chance gibt, weiterhin Pächter zu sein“.

Diese Kritik wurde verstanden. Zunächst Peter Schneider (Die Stadtfraktion), dann Jens Richter (CDU/Grüne) sicherten Flexibilität in Bezug auf dieses Los zu, und so wurde es beschlossen. Interesse kann nun auch nur für die Häfen oder das Gebäude des Touristischen Zentrums bekundet werden.

Schneider nutzte die Gelegenheit, um zu versuchen, „Sorgen und Ängste zu nehmen“. Jens Richter sagte: „Es ist ein Interessenbekundungsverfahren – und da schauen wir. Unser Wunsch ist es, dass Leute, die hier agieren, sich auch mit einbringen können. Es ist nicht so, dass wir die TKS abschaffen werden. Wir werden uns darüber austauschen, und die Türen werden weit offen sein.“

Die Diskussion habe gezeigt, „dass wir das Gespräch mit den Akteuren vor Ort gezielter suchen werden“. Umgekehrt bitte er aber auch um Sachlichkeit.

Indirekt angegriffen worden war Bürgermeister Lars Kolan (SPD). „Man darf unterschiedlicher Auffassung sein“, entgegnete er. „Mich treibt eher die Sorge um eine daraus folgende Ausschreibung.“ Vor diesem Hintergrund sei zu verstehen, warum er sich immer wieder dagegen ausgesprochen habe. Er werde sich den Mehrheiten fügen und das Verfahren organisieren. „Ich habe aber meine Bedenken, dass es so gut ausgeht, dass sich Lübbener um Lübbener Interessen kümmern, und darauf müssen wir aufpassen.“ Zustimmendes Klatschen folgte auf diesen Satz aus den Gästereihen, die mit Mitarbeitern der TKS gut besetzt waren.

Jens Richter sagte daraufhin: „Es geht uns nicht darum, Lübbener oder Touristiker auszuschließen.“ Wenn die TKS effektiver arbeite und die Angebote ungünstig ausfallen würden, „wären wir doch doof, die TKS gehen zu lassen. Wir wollen einfach mal schauen, was links und rechts für Interesse besteht. Ich bin völlig offen dafür und möchte allen die Chance geben, sich einzubringen.“ Zustimmendes Klopfen auf die Tische folgte daraufhin von Seiten der Stadtverordneten.

„Egal, wie es läuft, es wird keine Hängepartie entstehen“, sagte Lars Kolan in Bezug auf die TKS-Mitarbeiter und einen „Plan B“, den die Verwaltung ihm zufolge vorbereitet.

Benjamin Kaiser zweifelte mögliche Synergieeffekte bei der Reintegration der TKS-Mitarbeiter in die Stadtverwaltung an, die bisher anvisiert worden war. „Synergieeffekte drücken sich in Kohle aus“, sagte er und entschuldigte sich gleichzeitig für den Ausdruck. „Ob sich die erzielen lassen, wage ich zu bezweifeln.“

Scharf kritisierte Kaiser eine Pressemitteilung des SPD-Ortsvereins. Darin hatte sich dieser klar gegen eine dem Interessenbekundungsverfahren aus seiner Sicht möglicherweise folgende Privatisierung der TKS ausgesprochen. „Was mit dieser Mitteilung an Erde verbrannt wurde, ist gar nicht zu ermessen“, sagte Kaiser weiter.

Er hätte sich „gewünscht, dass man das Gespräch offen und klar sucht und das nicht in der Öffentlichkeit ein Jahr vor der Kommunalwahl breittritt.“

Dennoch zeigte sich auch Kaiser offen für den Ausgang des Verfahrens. Die Optionen sollen ihm zufolge geprüft werden – auch eine Eingliederung in die Stadtverwaltung.

Mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde das Interessenbekundungsverfahren beschlossen.