ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:06 Uhr

Was bleibt, sind seine Denkanstöße

Lübben.. „Trojanische Pferde haben es in sich.“ Ein Aphorismus aus der Feder des Journalisten, Schriftstellers und Freundes schöner Künste Bernd Juds, der wie viele seinesgleichen bis heute nichts an Gültigkeit verloren hat.

Juds hatte im zeitigen Frühjahr dieses Jahres mit Spreewälder Schriftstellern und Freunden guter Literatur einen „Lübbener Autorentreff“ ins Leben gerufen, um das schöpferische Wirken zu befördern. Dieses Projekt ist lebendig, aber sein Initiator konnte sich nur kurz daran erfreuen. Juds erlag am 16. April 2004 seiner Krebs-Erkrankung. Ihn auf spezielle Art zu ehren, war Anlass für eine gelungene Hommage für Bernd Juds am Freitag im Neuhaus in Lübben-Steinkirchen.

Pazifistisch und kritisch
Eine Hommage, so wird es immer erwartet, ist ehrwürdig und ernst. So hätte es Bernd Juds nie gewollt. Er, der viele Sprachen aktiv sprach (weil er sie scheinbar spielend von Muttersprachlern bei seinen Reisen lernte), der Geschichte, Jura, Völkerrecht und vieles andere studierte und weitere Erkenntnisse für sich verarbeitete, sah die Welt vielseitig und nicht ohne Probleme, ohne daran zu verzweifeln. Als Pazifist bewahrte er sich den kritischen Blick, ohne aber mit Zielstrebigkeit (die manchmal, wie Freunde sagen, übers Ziel hinaus schoss) Projekte zu befördern, die heute Früchte tragen.

Nichts von Traurigkeit
Der „Lübbener Autorentreff“ mit seinen rührigen Mitgliedern beweist dies. Seine Mitglieder richteten mit jungen Künstlern aus der Kreismusikschule sowie dem Bassisten Miomir Nikolic und dem Pianisten Richard Buchner ein Erinnerungs-Programm für Bernd Juds aus. Künstler, Schriftsteller und kulturell Interessierte füllten den Roten Salon des Herrenhauses so, dass die eigentlichen Stuhlreihen nicht ausreichten.
Nichts von Traurigkeit in dieser Ehrung, wohl aber die gelungene Mischung zwischen den leisen Tönen der Erinnerung und der feinen Ironie, der beharrlichen Aufmerksamkeit, die Bernd Juds eigen war. Er, 1939 in Berlin geboren, volontierte beim „Mannheimer Morgen“ und lernte das journalistische Handwerk von der Pike auf. Er schaffte in der alten Bundesrepublik kleine Wunder, und daran erinnerte Ralph Ronneberger im biografischen Abriss. Juds verglich unter anderem das Liedgut von Wehrmacht, Bundeswehr und Nationaler Volksarmee der DDR - mit dem Ergebnis, dass die Bundeswehr ein überarbeitetes Liederbuch erhielt. Er machte sich als Reiseschriftsteller einen Namen, erinnerte Ronneberger, und ab 1998 wollte Juds in Lübben, der Geburtsstadt seiner Frau, bei der Entwicklung eines kultivierten Tourismus helfen.

Orientieren an seinen Ideen
In der Stadt Paul Gerhardts, Houwalds und Contessas brachte er sich unter anderem im Museumsverein ein, erforschte die Geschichte des Neuhauses zu Zeiten derer von Houwald. Er bündelte manche kulturellen Kräfte und wirkte durch sein Beispiel, indem man sich an ihm rieb und von ihm künstlerisch profitierte.
Ingrid Groschke, Ralph Ronneberger, Corinna Götz, Brigitte König, Erwin-Ernst Ludwig, Ilona Noack und Harald Linstädt lasen eigene Texte, über die sie teilweise mit Juds noch debattierten. Die Autoren hatten Passagen aus Werken von Bernd Juds ausgewählt, mit denen sie seine Gesellschaftskritik zu charakterisieren glauben: „Er sprang besonders gern über den Schatten eines anderen“ , fand Corinna Götz treffend bemerkt. Oder: „Hinter dem Mond entstehen die merkwürdigsten Weltanschauungen“ , wie der überzeugte Pazifist Juds festhielt. Erwin-Ernst Ludwig stellte den Essayisten Juds mit Passagen aus seiner Arbeit über den „malenden Fontane“ Rudolf Hesse vor. Das Publikum erfuhr viel Neues über das Werk eines vielseitigen Menschen, der Lübben Jahre seiner Zeit geschenkt hat und dem es Respekt schuldet.
Ingrid Juds-Varduhn, die Witwe des Geehrten, zeigte sich gerührt und bewegt von diesem Dank des „Lübbener Autorentreffs“ , den Harald Linstädt nun allein als Erster unter Gleichen leiten muss. „Wir hatten mit Juds noch so viel geplant. Uns bleiben seine Ideen und seine Vorhaben, an denen man sich orientieren kann“ , sagte Linstädt der RUNDSCHAU. (-ds)