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| 18:57 Uhr

Wildnisstiftung
Die Wunder der Natur gleich um die Ecke

Romeo Buder von der Oberförsterei Lieberose leitete die Wanderung auf den Wegen durch das naturnahe Wildnisgebiet zwischen Bergsee und Ugringsee.
Romeo Buder von der Oberförsterei Lieberose leitete die Wanderung auf den Wegen durch das naturnahe Wildnisgebiet zwischen Bergsee und Ugringsee. FOTO: LR / Ingrid Hoberg
Butzen/Lieberose. Wanderer gehen mit Förster Romeo Buder auf Entdeckungstour auf dem Wildnispfad der Stiftung Lieberose am Bergsee Butzen. Von Ingrid Hoberg

Der Stadtmensch sieht gern den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und so ist es gut, dass die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die Wildnisstiftung, auf ihren Flächen thematische Führungen anbietet. In Zusammenarbeit mit der Oberförsterei Lieberose, dem Nabu, Wolfsexperten, Historikern, Ornithologen, Pilzsachverständigen und anderen Fachleuten gibt es das ganze Jahr über  Wanderungen, die die Vielfalt der heimischen Natur zeigen.

Romeo Buder von der Oberförsterei Lieberose hat am Pfingstmontag gemeinsam mit Andreas Schulze von der Stiftung rund 30 Interessierte um sich geschart, die vom Parkplatz Bergsee aus zu einer Wildnispfad-Erkundung aufgebrochen sind. Rund neun Kilometer werden sie am Ende zurückgelegt haben – eine erlebnisreiche Strecke voller Wunder der Natur. Das erste Wunder ist die Landschaft, die von der letzten Eiszeit geprägt wurde. Wer nur auf der Landstraße von Straupitz nach Lieberose unterwegs ist, wird die Hügel, Täler und Seen nie entdecken.

Zur Rast lädt eine Bank am Ugringsee ein. Förster und Stiftungsmitarbeiter ärgern sich hier immer wieder über Müll, der einfach hinterlassen wird.
Zur Rast lädt eine Bank am Ugringsee ein. Förster und Stiftungsmitarbeiter ärgern sich hier immer wieder über Müll, der einfach hinterlassen wird. FOTO: LR / Ingrid Hoberg

Doch die Wanderer dringen gleich ein in eine Natur, die zu dieser Jahreszeit und an diesem Tag alle Register zieht, um Stadt- und Landmenschen zu begeistern. Der Maiwuchs an den Kiefern leuchtet in der Frühlingssonne, die frischen Triebe an Buchen und Eichen stehen in nichts nach. Die weißen Blüten der Robinien verleiten den einen oder anderen sogar, von den Bäumen zu naschen.

Infotafeln stehen am Wildnispfad und geben Auskunft über die Waldentwicklung durch Naturverjüngung und den Wildbestand.
Infotafeln stehen am Wildnispfad und geben Auskunft über die Waldentwicklung durch Naturverjüngung und den Wildbestand. FOTO: LR / Ingrid Hoberg

Am Bergsee gibt es gleich eine Kuriosität zu entdecken. Zwei Eichen, die sich zu einem Paar verbunden haben. Vorbei geht es an dem Hinweisschild „Altes Camp“. Romeo Buder erklärt, dass „eine drei bis vier Hektar große Fläche früher von den Grafen von Houwald für die Forstpflanzenzucht genutzt wurde“.  Das Saatgut aus eigenen Beständen wurde bevorzugt, es war an den Standort angepasst und kostengünstiger.

Forstliche Wanderung auf dem Wildnispfad Bergsee bei Butzen.
Forstliche Wanderung auf dem Wildnispfad Bergsee bei Butzen. FOTO: LR / Ingrid Hoberg

Der Weg führt weiter in die Lehmberge. Förster Buder weist bei einem kurzen Halt auf die unterschiedlichen Baumarten hin. An diesem Standort wachsen nicht nur die bekannten Kiefern. „Die Altvorderen hatten auch schon die Idee, dass sich Mischwaldgesellschaften entwickeln können – allein mithilfe der Natur“, sagt er. Ein besonders fleißiger Helfer ist dabei der Eichelhäher, der die Eicheln im Boden versteckt. Das funktioniert damals wie heute. „Doch die Kiefer gehört zu unserem Standort dazu“, betont er. Seit zehn Jahren wachsen dort auch Buchen, und Eichen schaffen es sogar, im Äsungsbereich des Wildes hochzukommen.

Forstliche Wanderung auf dem Wildnispfad Bergsee bei Butzen mit Romeo Buder von der Oberförsterei Lieberose.
Forstliche Wanderung auf dem Wildnispfad Bergsee bei Butzen mit Romeo Buder von der Oberförsterei Lieberose. FOTO: LR / Ingrid Hoberg

Über den Spargelweg und die Cottbuser Landstraße, eine alte Poststraße, geht es weiter in Richtung Ugringsee. „Es handelt sich um einen Klarwassersee, in einer Abflussrinne der Eiszeit gelegen“, sagt Romeo Buder. Rund 60 Meter tief soll der See sein. Allerdings gebe es mit allen Gewässern in der Endmoräne ein Problem: Die Wasserhöhe geht zurück. Ob es Auswirkungen des Kohleabbaus im Süden oder Schwankungen im Schichtwasser sind, konnte noch nicht geklärt werden. Diese Schwankungen seien auch schon von früheren Generationen beobachtet worden.

Wer mit offenen Augen unterwegs ist, kann manchen Fund machen.
Wer mit offenen Augen unterwegs ist, kann manchen Fund machen. FOTO: LR / Ingrid Hoberg

Es geht weiter, doch dann ein Stopp. Wolfslosung liegt mitten auf dem Weg. Wie aus dem Bilderbuch – Jenny Eisenschmidt von der Stiftung kann genau ablesen, wovon sich der Wolf ernährt. Sie hat schon viele solcher Spuren auf den Stiftungsflächen gefunden und statistisch erfasst. Der Wolf ist ein effektiver Jäger, und er verwertet außer Innereien alles von seiner Beute. So sind nicht nur Knochen, auch Haare des Tiers in der Losung zu finden. Allerdings ist der Fund mehrere Tage alt und für die Wanderer kein Wolf zu sichten.

„An der Hölle“  vorbei, geht es weiter zu Rampe VI. An diesem Punkt weiß Romeo Buder Interessantes aus der Historie der Spreewaldbahn zu berichten. Das ist schon wieder eine Geschichte für sich, von denen der Förster viele parat hat.

Jenny Eisenschmidt verweist auf das Wegegebot im Naturschutzgebiet und die verschiedenen Führungen, die von der Stiftung angeboten werden. „Allein können die Besucher gar nicht so viel wahrnehmen“, sagt sie.Die nächste Wanderung der Wildnisstiftung findet am Samstag, 2. Juni, statt und ist eine Moorexkursion. Isabell Hiekel vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (LUGV) führt die Teilnehmer in die geheimnisvolle Welt der Moore ein. Treff ist um 10 Uhr wieder am Parkplatz Wildnispfad/Bergsee. Es wird empfohlen, wasserunempfindliche Schuhe oder Gummistiefel mitzubringen. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 033671 32788 oder per E-Mail: eisenschmidt@stiftung-nlb.de.

Weitere Infos zur Wildnisstiftung auf der Internetseite:

Weitere Fotos von der Wanderung am Pfingstmontag gibt es unter: