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Walker in den Pfaffenbergen bei Lübben aufgespürt

Der Walker ist ein imposanter Käfer. Er ist mit dem Maikäfer verwandt und wird bis zu 3,5 Zentimeter groß.
Der Walker ist ein imposanter Käfer. Er ist mit dem Maikäfer verwandt und wird bis zu 3,5 Zentimeter groß. FOTO: Gpvos/wikipedia.de
Lübben. Überraschende Beobachtungen im Tierreich sind kürzlich in Lübben einer Gruppe von Naturliebhabern gelungen. Unter der Führung von Alexander Hoschke, Ranger im Biosphärenreservat Spreewald, hat die Gruppe die Flora und Fauna in den Pfaffenbergen erkundet. red/bt

"Diese Berge sind wirklich eine nähere Betrachtung wert", sagte Ines Heinrich, eine Teilnehmerin und Naturkennerin.

Eigentlich war die Gruppe nur auf der Suche nach Ameisenlöwen. So werden die Larven der Ameisenjungfer genannt, die ihre Fangtrichter in lockeren Sandboden bauen und mit einem kleinen Trick hervorgelockt werden können. Auf den etwa 65 Meter hohen, nach der letzten Eiszeit aufgeworfenen Dünen sind mehrere Offensandflächen vorhanden, wo man diese Tiere gut beobachten kann. Bei günstiger Witterung findet man hier neben der Blauflügel-Ödlandschrecke auch Italienische Schönschrecken, Keulenschrecken und Sandlaufkäfer.

Auf der Jagd nach diesen Tieren ist die Gruppe auf "Spechtschmieden", in welche Spechte Kiefernzapfen klemmen, um die Samen heraus zu picken, gestoßen. Immer mit den Augen auf dem Boden findet eine Teinehmerin plötzlich die weiß gefleckte Flügeldecke eines großen Käfers, welche auf den ersten Blick an einen verwitterten Maikäfer erinnert.

Erstmal Einstecken und später bestimmen - so die Naturinteressierten der alten Garde. Alexander Hoschke allerdings hat sein Handy gezückt und nach Bildern zum Vergleich gegoogelt. Und da ist er: der Walker.

Der Walker (Polyphylla fullo) ist ein mit dem Maikäfer verwandter, bis zu 3,5 Zentimeter großer und sehr imposanter Käfer. Er gehört zur Familie der Blatthornkäfer und ist insbesondere in der Dämmerung aber auch nachts aktiv. Allerdings kann man ihn fliegend nur von Juni bis August beobachten. Am Tag ruht er auf Kiefernzweigen, von deren Nadeln er sich ernährt. Die bis zu acht Zentimeter langen Larven des Walkers leben drei bis vier Jahre in sandigem Boden und ernähren sich von Wurzeln junger Kiefern und Gräser. Deshalb zählt er in der Forstwirtschaft zu den Schädlingen, obwohl der wirtschaftliche Schaden als sehr gering eingestuft wird.

Inzwischen ist der Walker selten geworden, was auch seiner Lebensweise geschuldet ist. Die Dünen der Pfaffenberge sind ein idealer Lebensraum. Er benötigt für seine Fortpflanzung vorrangig Silbergrasgesellschaften mit sandigem Untergrund, wo er seine Eier nach der Paarung im Juli bis August ablegt.

Verständlicherweise ist der Walker in dieser Zeit besonders angreifbar. Nach dem Fund der ersten zwei Flügeldecken wurde der Ranger neugierig und ging mit einer ehrenamtlichen Naturschützerin in der Dämmerung auf die Suche nach einem lebenden Exemplar.

Nach zwei Stunden Suche, von Mücken umschwärmt, wurde zwar kein lebendes Exemplar gefunden, dafür aber zahlreiche Überreste des Käfers, deren Besitzer vermutlich den zahlreichen Fledermäusen als Nahrung dienten, die so ganz nebenbei beobachtet werden konnten. Aber auch das ist ein Nachweis, dass der Walker in den Bergen des Spreewaldes Einzug gehalten hat und wir wieder um eine Art reicher sind.

Übrigens: Der Name "Walker" wurde schon im 18. Jahrhundert auf diesen Käfer angewandt, da er bei Gefahr durch Reibung des Hinterbeins mit einer Flügelleiste ein zischendes, quiekendes Geräusch erzeugt, welches an das Walken von Leder erinnerte.