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"Waldumwandlung ist existenziell"

Julian Dorsch, Geschäftsführer des Wildparks Johannismühle bei Baruth, liegt im Clinch mit der Forst und dem Landwirtschaftsministerium. Dabei geht es um zwei Themen: um Wölfe und um den Wildpark an sich. Dem eingezäunten Gelände soll der Status als Wald aberkannt werden. Dann müssten die Parkbetreiber zum Ausgleich 20 Hektar Wald neu aufforsten. Dorsch sagt, das ist innerhalb kurzer Zeit nicht leistbar.

Herr Dorsch, wie man hört, soll es Ende Januar zu einem Treffen zwischen Ihnen und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) kommen. Welches Thema wollen Sie als erstes besprechen, die Wölfe oder die Waldumwandlung?
Die Wölfe sind natürlich wichtig, aber die offene Frage der Waldumwandlung ist existenziell für uns. Davon hängt die Zukunft des Wildparks ab.

Ist der Bestand des Wildparks tatsächlich in Gefahr?
Davon gehe ich nicht aus. Es muss nur eine gesetzeskonforme Lösung gefunden werden.

Die Lage scheint aber kompliziert. Der Wildpark hat 1997 eine Genehmigung bekommen, das Gelände einzuzäunen - was bei Wald eigentlich nicht gestattet ist. Die Genehmigung war befristet und ist nun ausgelaufen. Bei der Forst sieht man nur zwei Möglichkeiten: Entweder muss der Zaun weg oder Sie müssen anderswo aufforsten. Wie soll da eine Lösung aussehen?
Man könnte uns eine weitere Frist gewähren und diese an Bedingungen knüpfen, etwa, dass wir in Jahresscheiben aufforsten. Das wäre machbar, aber nur in Größenordnungen von bis zu 10 000 Euro jährlich.

Selbst das ist viel Geld. Wie kann sich ein Wildpark das leisten?
Gar nicht. Der Eigentümer des Parks hat sich bereiterklärt, privat 10 000 Euro jährlich bereitzustellen. Wir könnten das nicht. Alles, was wir erwirtschaften, wird für Futter und Investitionen ausgegeben. Nach 20 Jahren ist vieles sanierungsbedürftig. Und allein das Futter für die Löwen kostet im Monat 800 Euro. Da braucht man in der Hauptsaison 90 Besucher, allein um diese Summe wieder einzuspielen.

Die Kosten für die geforderten Ausgleichsleistungen werden auf eine halbe Million geschätzt. Sie bräuchten 50 Jahre, um das in Scheiben abzuarbeiten. Glauben Sie, dass sich die Forst darauf einlässt?
Diese Zahl ist nicht gesichert. Es gibt viele Unklarheiten. Beispielsweise bekommt man im Moment kaum Flächen für eine Wiederaufforstung. Das liegt unter anderem daran, dass Windenergieanlagen zunehmend in Wäldern geplant werden und die Betreiber auch Ausgleichsflächen brauchen. Das treibt die Preise nach oben. Günstiger wäre es für uns, wenn wir nichts für Grunderwerb bezahlen müssten. Wir haben deshalb schon angefragt, ob wir nicht kreiseigene Flächen aufforsten können.

Und?
Es gäbe wohl die Möglichkeit, in kreiseigenen Wäldern einen Unterbau zu pflanzen. Auch da müssten wir aber noch Partner gewinnen, die uns helfen. Bisher ist auf die Vorschläge bei der Forst allerdings auch noch niemand eingegangen.

Welche anderen Optionen haben Sie?
Wir könnten den Park verkleinern. Dann müssten wir weniger ausgleichen, würden aber auch den Charakter des Parks komplett verändern. Und wir müssten neue Zäune ziehen, auch das kostet viel.

Wenn der Park kein Wald mehr ist, müsste eigentlich die Baumschutzsatzung des Landkreises angewendet werden. Damit müsste dort für jeden Baum, der gefällt wird, mindestens einer wieder aufgeforstet werden.

Das ginge natürlich nicht. Beim Landkreis überlegt man deshalb, die Wildparks grundsätzlich wie Wald zu behandeln, ganz gleich, ob sie offiziell Wald sind oder nicht. Das klingt alles etwas widersinnig.

Spüren Sie in dieser Situation Unterstützung aus der Region?
Definitiv. Wir haben gerade einen Aktionstag veranstaltet, um Unterschriften zu sammeln. Da haben sich ganze Volksscharen auf den Weg zu uns gemacht. Das war sehr beeindruckend.

1300 Unterschriften sind zusammengekommen. Was tun Sie damit?
Wir wollen sie Minister Vogelsänger auf der Grünen Woche übergeben. Ich hoffe, er macht keinen Bogen um unseren Stand (lacht).

Er hat Sie ja immerhin zum Gespräch nach Potsdam eingeladen. Was erhoffen Sie sich von diesem Termin?
Ich weiß es nicht, weil es bisher überhaupt keine Aussagen vom Ministerium gab. Außerdem sind es bis dahin noch zwei Wochen. Am Mittwoch wird es schon im Landtag um unser Problem gehen. Christoph Schulze (BVB/Freie Wähler) hat einen Antrag in unserem Sinne gestellt. Er fordert, dass die Genehmigung für uns unbegrenzt verlängert wird. Wenn der Landtag das beschließt, steht das Gespräch unter anderen Vorzeichen.

Dann können Sie ja doch mit dem Minister über Wölfe sprechen. Sie haben im Gehege schon zwei Damhirsche durch Wolfsangriffe eingebüßt. Wie schützen Sie die Tiere jetzt dagegen?
Das geht kaum. Wir haben sechs Kilometer Zaun. Wenn wir daraus einen Elektrozaun machen wollten, müssten wir rund 15 000 Euro investieren. Wir haben beim Land einen formlosen Förderantrag gestellt, aber bisher gibt es da keine Förderrichtlinie und damit auch kein Geld. Wir rechnen täglich mit weiteren Angriffen. Aber man kann den Wölfen auch gar keinen Vorwurf machen. Sie haben kein sinnloses Massaker angerichtet, sondern sich nur das geholt, was sie zum Überleben brauchen. Eigentlich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie Natur funktioniert.

Das Gespräch mit Julian Dorch führte Oliver Fischer