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| 16:43 Uhr

Interview: Manfred Meehs (Waldschule Börnichen)
"Kinder müssen an die frische Luft"

Ausflug in die Natur: Waldschulleiter Manfred Meehs (r.) führt eine Kindergruppe durch den Wald.
Ausflug in die Natur: Waldschulleiter Manfred Meehs (r.) führt eine Kindergruppe durch den Wald. FOTO: LR / Ingrid Hoberg
Lübben. Der Waldschulleiter erklärt, warum es richtig ist, die Einrichtung in Börnichen zu erhalten. Von Steven Wiesner

An diesem Mittwoch tagt der Umweltausschuss des Landesparlaments in Potsdam. Sollte nichts Überraschendes passieren, dann wird das Ministerium dabei den Erhalt der Waldschulpädagogik bestätigen, der vor ein paar Wochen noch in Gefahr war – und damit auch die Waldschule „Zum Specht“ bei Lübben. Bis jetzt haben immer andere darüber gesprochen. Jetzt redet Manfred Meehs (61). Der Mann, der die Waldschule seit 2001 leitet.

Herr Meehs, wie erleichtert waren Sie, als Ministerpräsident Dietmar Woidke unlängst den Erhalt der Waldschulen in Brandenburg angekündigt hat?

Meehs Wir waren sehr erleichtert. Die formale Entscheidung fällt zwar erst im Dezember, aber es sieht wohl doch ganz gut aus. Wenn Herr Woidke so etwas verkündet, kann er ja eigentlich nicht mehr zurückrudern.

Warum ist es die richtige Entscheidung, die Schulen zu behalten?

Meehs Weil immer weniger Grundkenntnisse vorhanden sind. Ich hatte neulich eine 8. Klasse zu Gast, da wussten die meisten nicht mal, wie ein Baum entsteht und was passiert, wenn ich eine Eichel in den Boden pflanze. Es ist einfach wichtig, Kinder und Erwachsene diesbezüglich zu bilden und sie für die Natur und Tiere zu sensibilisieren. Wir schulen die Feinmotorik bei Bastelarbeiten und fördern die Lust, sich im Freien zu bewegen. Die Kinder müssen raus an die frische Luft, den Wald und seine Tiere entdecken, anstatt vor dem Fernseher und dem Laptop zu sitzen. Sie müssen wissen, wie man sich im Wald verhält, warum der Wald wichtig ist für den Menschen und was passiert, wenn es ihn nicht mehr geben würde.

Der Lantagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) hat in der Diskussion immer wieder angemerkt, dass man eigentlich nicht für den Erhalt, sondern für die Erweiterung der Waldpädagogik hätte streiten müssen. Wäre die Nachfrage dafür tatsächlich gegeben?

Meehs Auf jeden Fall. Ich muss ständig Termine absagen, weil wir den Bedarf zu zweit nicht abdecken können. Für das nächste Jahr habe ich schon weit über 100 Termine in meinem Kalender stehen. Zu uns kommen Kitas, Schulen, Förderschulen für beeinträchtigte Menschen, Gruppen aus Tagespflegen, und auch Kliniken nutzen unser Angebot. Insofern pflichte ich Herrn Raschke bei: Ein Ausbau der Strukturen würde sicher nicht schaden.

Es hat sich aber nicht nur Herr Raschke eingesetzt. Es gab auch viele andere wie die Lübbener Künstlerin Karen Ascher, die schon eine Unterschriftensammlung vorbereitet hatte. Wie viel Kraft hat diese Anteilnahme gegeben?

Meehs Das war sehr wichtig, und wir sind sehr dankbar dafür. Schon vor drei Jahren, als es um meinen Arbeitsplatz ging in der Waldschule, haben sich viele für mich eingesetzt und Protestbriefe nach Potsdam geschickt. Das ist schon ein tolles Zeichen. Manchmal muss man sich einfach wehren.

Wie ist es nun um die Zukunft der Waldschule bestellt? Denn allzu lange werden Sie den Besuchern ja trotzdem nicht erhalten bleiben.

Meehs Das stimmt. Am 1. April 2019 gehe ich in Rente. Aber meine Mitarbeiterin Karin Noack, die schon seit vier Jahren hier ist, wird die Leitung erstmal übernehmen. Und es ist auch geplant, meine Stelle nachzubesetzen. Ein Nachfolger muss dafür allerdings noch gefunden werden.

Mit Manfred Meehs
sprach Steven Wiesner