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| 10:52 Uhr

Waldschule Börnichen
Happy End mit Beigeschmack

Die Waldschule „Zum Specht“ in Börnichen wird wohl auch weiterhin geöffnete Tore haben.
Die Waldschule „Zum Specht“ in Börnichen wird wohl auch weiterhin geöffnete Tore haben. FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben/Potsdam. Die Waldschule in Börnichen bleibt nun wohl doch erhalten. Es ist das gute Ende einer „verrückten Debatte“ — aber irgendwie auch nur ein halber Sieg für die Hüter der Waldpädagogik. Von Steven Wiesner

„Wenn die Schule einmal dicht ist, ist sie dicht.“ Mit dieser Warnung hatte Benjamin Raschke unlängst darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, sich für den Erhalt der Waldschule „Zum Specht“ in Börnichen einzusetzen. Da die Landesregierung vorsah, elf von insgesamt 14 Schulen in der Brandenburger Waldpädagogik zu schließen, machte sich der Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecher der Grünen ernsthafte Gedanken um die Zukunft der Lübbener Bildungseinrichtung. Auch die Waldschulen in Peitz und Baruth wären von der Sparmaßnahme betroffen gewesen. Nun aber gibt es Entwarnung. Denn Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat höchstpersönlich die Abkehr von der Waldschulen-Reduzierung verkündet. „Ich bin sehr glücklich, dass es gelungen ist, die Stellen zu sichern. Wir brauchen diese Einrichtungen für die Umweltbildung“, sagte Woidke der Zeitung „Neues Deutschland“.

Für Benjamin Raschke „eine gute Nachricht, auch wenn wir es definitiv erst am 5. September wissen werden“. Dann kommt der Umweltausschuss des Landesparlaments in Potsdam zusammen, um über den Sachverhalt zu befinden. Im Dezember wird dann final das Personalbedarfskonzept für 2020 beschlossen.

Für selbiges wollte die Politik ursprünglich Geld und Stellen einsparen – nicht zuletzt in den Waldschulen. Man war offenbar der Meinung, dass die Arbeit, die aktuell 35 Menschen machen, künftig auch von vier Angestellten bewerkstelligt werden könnte. Doch mit den Aussagen von Woidke rudert die Regierung nun zurück und beteuert die Bedeutung der Waldschulen und ihrer Mitarbeiter. Raschke freut sich darüber und sagt: „Vielleicht hatten sie nicht auf dem Schirm, wie wichtig das Thema ist.“

Auch Karen Ascher ist erleichtert. Die Künstlerin aus Lübben vom „Atelier Franzka + Ascher“ ist eine Befürworterin der Waldpädagogik und war schon drauf und dran, eine Unterschriften-Aktion für den Erhalt der Schule zu starten. „Mein Sohn besucht seit dem Kindergartenalter die Waldschule, und die Rückmeldung war immer mehr als positiv“, sagt sie. Die Arbeit von Waldschulenleiter Manfred Meehs könne man gar nicht hoch genug bewerten, so Karen Ascher. „Die kümmern sich ganz herzlich um die Kinder und bringen ihnen die Natur näher. Die Kinder sind doch sonst kaum noch draußen und genießen das richtig. Es ist wichtig, dass unsere Kinder dort gebildet werden. Es gibt schließlich nicht viele pädagogische Angebote in Lübben außerhalb der normalen Schule.“

Auf Unterschriftenfang muss sie nun zwar nicht mehr gehen, und auch Benjamin Raschke kann seine Energie wieder auf andere Projekte verwenden. Dennoch fühlt sich das alles nur wie ein halber Sieg an für die Hüter der Waldpädagogik. „Es war natürlich eine verrückte Debatte und hat irgendwie auch einen bitteren Beigeschmack, denn eigentlich hätten wir ja vielmehr über eine Erhöhung der Waldschulen sprechen müssen, anstatt den Status quo zu verteidigen“, sagt Raschke. Das allerdings wird zumindest in den kommenden zwei Jahren nicht mehr passieren.