Von Katrin Kunipatz

Für Gesprächsstoff sorgen in Lübben derzeit Waldflächen im Stadtgebiet. Frank Selbitz (Pro Lübben) umreißt das Problem bei der jüngsten Fraktionssitzung in Steinkirchen. Die Untere Forstbehörde wende das Landeswaldgesetz strikt an, so Selbitz. Demnach würden zusammenhängende Flächen, die sich oft im hinteren Teil privater Grundstücke befinden und mit Bäumen bewachsen sind, als Wald eingeordnet. Meist würde erst durch die Zusammenfassung aneinandergrenzender Grundstücke die Mindestgröße von 2000 Quadratmetern für ein Waldgebiet erreicht.

„Es kommt zu einer entschädigungslosen Umwandlung von Bauland in Wald“, sagt Selbitz. Dies habe nicht nur für Privateigentümer Konsequenzen, sondern auch für die Stadt Lübben, der so Bauplätze verloren gingen. Seine Fraktion sieht die kommunale Selbstverwaltung in Gefahr, wenn das Land bestimmt, wann Bauflächen zu Wald werden. Pro Lübben will deshalb mit einer Petition, die idealerweise von den anderen Fraktionen und der Stadt unterstützt wird, erreichen, dass die Definition für Waldflächen verändert wird und kleine innerstädtische Gebiete nicht mehr darunter fallen.

Die Lübbener Bauverwaltung sei erst durch betroffene Bürger auf das Problem aufmerksam geworden, erklärt Henry Beyer von der Stadtplanung bei der Fraktionssitzung von Pro Lübben. Es handle sich um Einzelfälle, teilt Stadtsprecherin Dörthe Ziemer auf Nachfrage mit. Sie verweist auf die Untere Forstbehörde in Luckau, die für die Einschätzung verantwortlich sei. Für Lübben habe es in der jüngeren Vergangenheit keine neuen Einstufungen geben, so Ziemer.

Dies bestätigt Burkhard Nass, Leiter der Oberförster in Luckau. Er und seine Mitarbeiter der Unteren Forstbehörde sind vereinfacht gesagt für den Schutz des Waldes und die Durchsetzung des Waldgesetzes verantwortlich. Die Beurteilung des Waldcharakters einer Fläche sei immer eine Einzelfallentscheidung. „Es wird nicht am Schreibtisch entschieden, sondern vor Ort“, sagt Nass. Unerheblich sei dabei, was über die Fläche im Grundbuch oder im Flächennutzungsplan ausgesagt werde. Entscheidend seien Kriterien, die im Waldgesetz und dem Erlass von 2005 festgelegt wurden.

Im konkreten Fall, auf den sich Frank Selbitz und die Fraktion Pro Lübben beziehen, ist der als Wald definierte Grundstücksteil im Flächennutzungsplan der Stadt als Bauland ausgewiesen. Dies sei kein Widerspruch, klärt Burkhard Nass auf. Will der Eigentümer dort bauen, kann er dies tun. Bei der Unteren Forstbehörde muss er jedoch einen Antrag auf Waldumnutzung stellen. Dem werde mit Blick auf den Flächennutzungsplan stattgegeben, so Nass. Aber der Eigentümer müsse entsprechende Ersatzmaßnahmen leisten. Über die Details stimmen sich Forst- und Naturschutzbehörde mit dem Eigentümer ab, der selbst Vorschläge machen kann. „Es geht um den Erhalt des Waldes, der wertvoll ist“, begründet Burkhard Nass.

Anlass für die Schreiben der Unteren Forstbehörde war ein Zaun, den zwei Grundstückseigentümer um ihren Wald aufgestellt hatten und dessen Rückbau die Forstbehörde fordert. „Grundsätzlich muss Wald zum Zweck der Erholung für jeden frei zugänglich sein“, erklärt Nass. Es gäbe nur eine Ausnahme, wenn die Zäune eher als der Wald da waren, dann gilt für den Zaun Bestandsschutz.