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| 19:47 Uhr

Landtagswahl
Wahlergebnis regt zum Nachdenken an

 Am Sonntag gingen mehr Menschen als vor fünf Jahren zur Landtagswahl.
Am Sonntag gingen mehr Menschen als vor fünf Jahren zur Landtagswahl. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Lübben/Luckau. Im südlichen LDS-Kreis erhielt der AfD-Kandidat die meisten Stimmen. In Teltow-Fläming siegt der SPD-Mann. Insgesamt gingen mehr Menschen zur Wahl als vor fünf Jahren. Von Carmen-Sylva Berg und Katrin Kunipatz

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat im Landkreis 28 die meisten Wählerstimmen erhalten. In den Städten und Gemeinden des südlichen Landkreises Dahme-Spreewald erhielt Direktkandidat Christoph Berndt (AfD) 9930 Stimmen (28,9 Prozent). Er liegt damit klar vor Sascha Philipp (SPD), den 8828 Wähler (25,7 Prozent) gern im Brandenburger Landtag gesehen hätten.

Am Tag danach ist Philipp „ernüchtert“, wie er sagt. Er empfinde es merkwürdig, dass die AfD so viele Stimmen erhalten habe. Verwunderlich sei auch, dass selbst in den einzelnen Orten der Gemeinde Märkische Heide, die er im Verlauf des Wahlkampfes alle besucht habe, so unterschiedlich abgestimmt wurde. Der SPD-Kreistagsabgeordnete erhielt unter anderem in Pretschen, Dollgen und Caminchen 40 Prozent und mehr.

In Alt-Schadow und Hohenbrück-Neu Schadow – anderen Orten der Gemeinde Märkische Heide - stimmten über 40 Prozent der Wähler für Christoph Berndt (AfD). Die mit Abstand höchste Zustimmung bekam Berndt in seinem Wohnort Zützen, in Leeskow und in Neuendorf am See. Über 50 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz beim AfD-Mann.

Der sieht am Tag nach der Wahl die Position seiner Partei gestärkt. In Potsdam will er deshalb vor allem „den Blick der Bürger in die Politik bringen“ und hofft, dass ihm weiterhin Probleme benannt werden. Er selbst hat den Wolf, den Landesentwicklungsplan und die „inakzeptablen Erdgasbohrungen am Schwielochsee“ als solche Probleme ausgemacht. Ideen für Lösungen nennt Berndt im Gespräch mit der RUNDSCHAU jedoch nicht.

Benjamin Raschke, der als Listenkandidat für Bündnis 90/Die Grünen wieder im Landtag sitzen wird, ist da schon gedanklich weiter. „Wir müssen die Erdgas- und Erdölbohrungen objektiv und kritisch begleiten“, sagt er. Es sei aber nur einer der Punkte auf seiner langen Liste. Die klare Spree sowie die personelle und finanzielle Unterstützung für die Internationale Naturausstellung (INA) Lieberoser Heide stehen ebenfalls darauf. Vor allem aber will sich Raschke für die weitere Stärkung der ländlichen Räume einsetzen, Bus- und Bahnverbindungen in die Orte stärken, den Internetausbau voranbringen und keine Schulen schließen. Schon in der vergangenen Legislaturperiode und im Wahlkampf sei dies Thema der Grünen gewesen. „Für mich ist es erschreckend, wie viele Menschen sich gerade im ländlichen Raum für die AfD entschieden haben“, sagt Raschke.

Der Luckauer CDU-Kandidat Olaf Schulze erhielt 5993 Erststimmen (17,5 Prozent). Nur in seinem Wohnort Cahnsdorf erreichte er mit über 40 Prozent die höchste Zustimmung. „Ich hätte die Region gern in Potsdam vertreten“, sagt er am Tag nach der Wahl. Zum Nachdenken rege ihn der klare Sieg der AfD an. Für sich selbst hat Schulze entschieden, noch mehr für die Politik zu tun und im LDS-Kreistag und der Luckauer Stadtverordnetenversammlung ehrenamtlich für die Region zu arbeiten. In seinen Augen sei es jetzt vor allem wichtig, dass das Land in Versorgung und Infrastruktur im ländlichen Raum investiert oder den Kommunen Mittel zur Verfügung stellt, damit diese selbst etwas tun können.

Auch der unterlegene Sascha Philipp (SPD) will weiterhin intensiv im Kreistag mitarbeiten. Er formuliert aber auch eine klaren Auftrag an die künftige Regierung im Land Brandenburg: „Die Menschen erwarten, dass Entscheidungen schnell gefunden und schnell umgesetzt werden“, so Philipp. Vor allem beim Kohleausstieg müsse eine Alternative gefunden und schnellsten aufgebaut werden.

Im Vergleich zur Landtagswahl 2014 war die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 28 deutlich höher. 65,3 Prozent machten 2019 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Vor fünf Jahren waren es nur 53,6 Prozent.

Im Wahlkreis 24 in Teltow-Fläming, zu dem das Amt Dahme gehört, gewann Brandenburgs SPD-Generalsekretär Erik Stohn gegen AfD-Vize-Landeschefin Birgit Bessin das Duell um den direkten Einzug in den Landtag. Birgit Bessin landete mit 24,3 Prozent auf Platz 2, deutlich vor CDU-Kandidat Felix Menzel (13,8 Prozent) und Felix Thier von der Linken (11,4 Prozent). Der Kandidat der Grünen, Klaus-Peter Gust, sammelte sieben Prozent der Stimmen ein.

„Viele wollten verhindern, dass das Land blau eingefärbt wird“, sieht Erik Stohn nach prognostiziertem Kopf-an-Kopf-Rennen einen Grund dafür, dass die SPD im Endspurt noch einmal zulegen konnte. Ausgezahlt hätten sich außerdem der „extreme Kampfgeist“ seines Teams und viele Gespräche mit den Bürgern. „Ich bin in Städten gewesen und in Dörfern, an Bahnhöfen, in Gartensparten, habe bei Chorfesten vorbeigeschaut“, so Erik Stohn. Dabei sei deutlich geworden:  „Bei den Menschen kommt viel zu wenig von dem an, was wir in Potsdam machen.“ Das müsse sich ändern. Die direkten Gespräche mit den Bürgern werden ihm nach der Wahl weiter wichtig sein, so Stohn. Ein Thema, für das er sich in seinem Wahlkreis besonders einsetzen wolle, sind bessere Nahverkehrsanbindungen. Ein Plus-Bus-System zwischen Dahme und Jüterbog nennt Erik Stohn als Beispiel. Bei den Feuerwehren sei das Land ein gutes Stück vorangekommen. Am Herzen liege ihm die Sportförderung. „Wir müssen darauf achten, dass wir die Vereine gut ausstatten.“

AfD-Kandidatin Birgit Bessin war bis Redaktionsschluss dieses Beitrages für ein Statement zu ihrem Abschneiden im Wahlkreis nicht erreichbar.

In der Stadt Dahme, und der Gemeinde Niederer Fläming machte bei den Erst- und Zweitstimmen die SPD das Rennen vor der AfD. In Dahmetal erzielte die CDU mit Platz Zwei hinter den Sozialdemokraten einen Achtungserfolg vor der AfD. In Ihlow war die AfD bei Erst- und Zweitstimmen der Wahlsieger vor der SPD.

Mit 68,8 Prozent verzeichnete Ihlow zugleich die höchste Wahlbeteiligung im Dahmer Land, in der Stadt Dahme ging mit 48,8 Prozent weniger als jeder Zweite an die Urne.

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