ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:27 Uhr

Heimatverein
93-jähriger Zeitzeuge gibt Antworten

Jens Gischke, Gerhard Rynkowski und seine Frau beim Vortrag über die Erlebnisse eines U-Boot-Matrosen.
Jens Gischke, Gerhard Rynkowski und seine Frau beim Vortrag über die Erlebnisse eines U-Boot-Matrosen. FOTO: Sybille Grunert
Lübben. Vortrag im Lübbener Heimatverein wurde zur Mahnung an alle Generationen, ein friedliches Miteinander zu wählen.

Ein ehemaliger U-Boot-Matrose hat auf Einladung des Lübbener Heimatvereins kürzlich aus seinem Leben erzählt. Gerhard Rynkowski aus dem Beelitzer Ortsteil Wittbriezen stellte seine Biografie „U313 – Bordgeschichten“ vor. Mehr als 40 Gäste kamen, um seinen Vortrag zu hören, unter anderem aus Finsterwalde, Calau und Luckau, berichtet Sybille Grunert als Vorsitzende des Lübbener Heimatvereins.  Zwei Stunden lang erzählte der ehemalige U-Boot Matrose aus seinem Leben, zum Teil kuriose, zum Teil aber auch erschütternde Anekdoten.

1925 in Luckenwalde geboren, bewarb sich Gerhard Rynkowski als 17-Jähriger bei der Kriegsmarine. Die Ausbildung war für viele „Landeier“ hart. Die U-Boot Schule in Gotenhafen hatte als Unterkunft das Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“, worauf auch einfache Matrosen von Stewards bedient wurden, erzählte er schmunzelnd. Die Tragödie dieses Schiffes ist durch den  Film „Nacht fiel über Gotenhafen“ bekannt.

Das mit 6000 Flüchtlingen, vor allem Frauen und Kindern, überladene Schiff wurde 1945 beschossen und versank. Nur 900 konnten gerettet werden. Eins von vielen Ereignissen des Zweiten Weltkrieges, mit unvorstellbarem Leid auf allen Seiten. Immer wieder schien durch Rynkowskis Vortrag die Mahnung an alle Generationen, ein friedliches Miteinander zu wählen.

Ihm zufolge waren die Matrosen 1942 nicht darüber informiert, dass in einem Monat 40 U-Boote der deutschen Kriegsmarine durch feindliche Angriffe verloren gingen. Die Unkenntnis der Matrosen habe sie lenkbar gemacht. 1943 erfolgte in der Flender Werft von Lübeck der Stapellauf des U-313, Mit ihm kam Matrose Rynkowski im Nordmeer zum Einsatz.

Er führte Tagebuch und schrieb vieles auf, was in keinem Bordbuch zu lesen ist. Der Londoner Rundfunk meldete demnach dreimal mit allen Namen die Versenkung des U313. 1946 war der Befehl der Alliierten, deutsche U-Boote im Skagerrak zu versenken, mit Chemikalien, Batterien und gefüllten Dieseltanks eine katastrophale Umweltverschmutzung. Matrose Rynkowski ging als letzter von Bord. Er hatte Glück, überlebte Gefangenschaft und Krankheit, lernte fleißig, schaffte Abschlüsse in neuen Berufszweigen und gründete eine Familie. Sein vorletzter Tauchgang war 2006 im Alter von 81 Jahren, als er vom Tauchclub Potsdam zu einer Fahrt mit dem U-Boot „Nemo“ eingeladen wurde. Sein letzter soll die Seebestattung im Nordmeer sein.

So bekamen die Zuhörer einige Einblicke in die Ereignisse von damals aus der Sicht eines Matrosen. Der Radensdorfer Jens Gischke hatte den Kontakt geknüpft, informiert Sybille Grunert. Er sammelt maritime Dokumente und besuchte ihn, bekam das Buch und ermöglichte so den Vortrag.