Von Steven Wiesner, Rüdiger Hofmann und Daniel Preikschat

Es ist etwa zwei Wochen her, dass Peter Rogalla von einem Bekannten die Info bekam. In einem sozialen Netzwerk wurde ein Beitrag diskutiert, der auf mögliche Giftköder in Lübben hingewiesen hat. „Demnach sollen auf der Schlossinsel kleine Würstchen und Bifis ausgelegt worden sein“, sagt der Vorsitzende der Lübbener Stadtverordnetenversammlung. „Den Wahrheitsgehalt kann ich aber nicht bestätigen“, sagt Rogalla, der das Thema im folgenden Hauptausschuss zumindest zur Sprache brachte und um Prüfung des Sachverhaltes bat. Durch die Untersuchungen des Ordnungsamtes konnte das Gerücht allerdings nicht bestätigt werden. „Unserem Ordnungsamt sowie der Polizei liegen keine weiteren Informationen, Beschwerden oder Anzeigen zum Thema Hunde-Köder vor“, teilt Pressesprecherin Dörthe Ziemer mit. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Warnungen aus den Sozialen Medien auf tatsächliche Vorkommnisse schließen lassen.“

Auch die bloße Behauptung aber beunruhigt Peter Rogalla bereits. Er hat selbst einen Rauhaardackel und spürt „natürlich eine persönliche Betroffenheit“. Er sagt: „Die Unbeschwertheit ist irgendwie weg. Das kann ein Gerücht alleine schon auslösen.“

Mit seiner Angst vor der giftigen Gassirunde steht Peter Rogalla stellvertretend für viele weitere Hundebesitzer in der Region. Auch Frank Hönow, der nahe der Schlossinsel wohnt und seit acht Jahren seinen Labradorrüden ausführt, wirkt nachdenklich, als er von den neuerlichen Giftködern hört und erinnert sich sofort an den Tag vor drei Jahren zurück, als sein Vierbeiner beinahe gestorben wäre. „Er wurde damals mit Schneckenkorn vergiftet und hat gerade so überlebt. Das war schon fünf vor sechs für meinen Leo.“

Eine Dame, die nicht mit Namen genannt werden will und gerade ihren Mops über die Schlossinsel begleitet, hat auch von den Gerüchten gehört. „Das ist leider nichts Neues“, sagt sie. „Nicht nur auf der Schlossinsel, auch der Kletterwald ist ein gefährliches Gebiet.“ Sie ist sich sicher, dass auch ihr Hund schon mal einen vergifteten Köder aufgeschleckt hat. „Er war auf einmal ganz apathisch. Das ist das Schlimmste, was es gibt. Der Hund ist ja wie dein eigenes Kind. Und ein Arzt ist auch nicht 24 Stunden lang erreichbar.“ Jede Rettung kam vor zwei Jahren für einen Hund aus ihrer Nachbarschaft zu spät. „Der hat Rasierklingen verschluckt und ist verstorben.“

Wie schnell aus Gerüchten Tatsachen und aus dem Konjunktiv knallharte Realität wird, hat sich im zurückliegenden Oktober auch in Vetschau gezeigt. Dort sind im Bereich Juri-Gagarin-Straße/Pestalozzistraße vier Streunerkatzen an einer betreuten Futterstelle vergiftet worden. Die Stadt hatte dort gemeinsam mit den beiden großen Vermietern Wohn­baugesellschaft Vetschau  (WGV) und Vetschauer Wohnungsgenossenschaft (VWG) sowie einem Tierarzt eine Kastrationsaktion von freilaufenden, ungekennzeichneten Katzen im Stadtgebiet gestartet. Der Täter blieb unbekannt. Noch immer werden von Tierschutzorganisation, Stadt und privaten Bürgern Belohnungen für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des oder der Täter führen.

Der nächste Schock kam im November, als der Labrador-Berner-Sennenhund-Mischling Balu aus Raddusch von einem Spitzdiabolo-Geschoss tödlich verletzt wurde. Es hat zuvor den Bauchraum des Hundes durchquert, nahe der Niere eine Arterie zerfetzt und blieb dann in einer Rippe stecken. Ein Tierarzt versuchte zweieinhalb Stunden, das Leben von Balu zu retten. Vergebens. Auch hier blieb der Täter unbekannt.

„Es berührt einen natürlich, wenn man sowas hört“, sagt Peter Rogalla. „Als Hundefreund hat man das einfach im Hinterkopf und ist mit einem unguten Gefühl unterwegs, vor allem ohne Leine.“

Bislang ist es zum Glück nur ein Gerücht, das über die Lübbener Schlossinsel wabert. „Aber trotzdem will man ja kein Risiko eingehen“, sagt Rogalla. „Ich mache derzeit jedenfalls einen Bogen um die Schlossinsel.“