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| 17:14 Uhr

Insektenschutz
Damit Schönwalde weiter brummt

 In kleinen Schritten bewegten sich die Schönwalder Vorschüler über den künftigen Blühstreifen zwischen Verwaltung und Kirche, um die Samen auszubringen.
In kleinen Schritten bewegten sich die Schönwalder Vorschüler über den künftigen Blühstreifen zwischen Verwaltung und Kirche, um die Samen auszubringen. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Schönwalde. Kinder aus Vorschule und Hort säen Blühstreifen für Insektenschutz ein. Das Dorf macht mit - und denkt groß. Von Ingvil Schirling

Insektensterben und Artenvielfalt sind nicht nur in Deutschland und Europa Thema, sondern auch in Lübben und Schönwalde. Eine Petition der BUND-Ortsgruppe Lübben mit dem Ziel, dass die Spreewaldstadt pestizidfreie Kommune werden soll, hat am Montag im Hauptausschuss eine längere Diskussion ausgelöst. Sie zeigte, dass die Stadtverwaltung um Bauamtschef Frank Neumann sich Gedanken über Blühwiesen macht.

Schönwalde im Unterspreewald aber scheint einen Schritt weiter zu sein. Einwohner hatten eine Idee, die am Dienstag mit einer zukunftsträchtigen Aktion einen vorläufigen Höhepunkt fand. „Schönwalde brummt“ heißt das Anliegen, der sich Gemeinde und Agrargenossenschaft angeschlossen haben. Mit dem Einsäen von drei Blühwiesen setzten Hort- und Vorschulkinder ein frühlingshaftes Achtungszeichen.

 Die Samenmischung für die Blühstreifen und -wiesen bestand aus Kleesorten, Sonnenblume, Wicke und Ringelblume.
Die Samenmischung für die Blühstreifen und -wiesen bestand aus Kleesorten, Sonnenblume, Wicke und Ringelblume. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Mit Schwung aus dem Handgelenk

„Du, Bürgermeister, wie soll ich das machen?“, fragte der kleine Liam aus der Vorschulgruppe und schaute abwechselnd in seinen kleinen Eimer mit den Blumensamen drin und auf Roland Gefreiter, der ihm mit einer leichten Bewegung aus dem Handgelenk gerade vorgemacht hatte, wie die Körner auszustreuen sind. In einer Reihe schritt der Gärtnernachwuchs über die vorbereitete Fläche. Gekonnt entwickelte Liam den besagten Schwung aus dem Arm. Zuerst wurden die Samen ausgestreut, dann die Erde von Gemeindearbeitern nachgerecht, anschließend wiederum von den Kindern festgetrampelt und mit einer Handwalze geglättet. Für den Nachmittag des sonnigen und trockenen Apriltages war die Feuerwehr bestellt, um mit einer milden Löschangriff-Variante für genügend Feuchtigkeit im Boden zu sorgen.

„Ich finde das so klasse, dass auch an uns gedacht wird und wir bald einen schönen Ausblick haben“, sagte Amtsdirektor Henri Urchs augenzwinkernd. Zwei der drei Blühstreifen sind direkt neben dem Verwaltungsgebäude angelegt. Die dritte Fläche befindet sich wenige Meter weiter Richtung Waldow an der Bushaltestelle. Und es gibt noch mehr.

Aktiv gegen Insektensterben

Im März hatte sich eine Gruppe von Schönwalder Einwohnern zusammengetan, „um aktiv etwas gegen das Insektensterben und für die Artenvielfalt zu tun“, heißt es. Jörg Fukking und Roma Casley sind die Ideengeber. „Wir wollen für die Insekten, die Blüten besuchen, also für mehr Bestäuber, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co., das Nahrungsangebot vergrößern und ihre Lebensräume verbessern“, erklären sie.

Die Idee kam an und fand immer mehr Freunde. Die Initiative „Schönwalde brummt“ wurde geboren. Der Name ist durchaus doppeldeutig, weil die Gemeinde durch Zuzug wächst. Größter Unterstützer der Blühaktion dürfte die Agrargenossenschaft sein, die Blühwiesen auf rund 1,5 Hektar ansäen will. Zentrale Figur bei der Aktion mit den Vorschul- und Hortkindern war Landwirtschaftsmeister Matthias Eckert – er hatte die Blumensamen organisiert und leitete die Jüngsten beim Säen an. Claudia Weinhold, Erzieherin der Vorschulgruppe, war begeistert, denn der Tag war als Teil des Ferienprogramms auch „pädagogisch wertvoll“.

Wenn in wenigen Wochen anderswo Petitionen beschieden und unterschrieben werden, sind das wichtige Schritte. In Schönwalde aber blüht dann vielleicht schon etwas.

Mehr Infos im Internet auf www.schoenwalde-brummt.de.