280 Einwohner leben in Pretschen. Ein kleines, beschauliches Dorf im Unterspreewald. Und doch macht der Ort von sich reden. Pretschen gewann 2013 die Silbermedaille im Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

Die Anerkennung gab es auch deshalb, weil es 100 Arbeitsplätze im Ort gibt. "Ein Novum in unserer Gegend", wie Sascha Philipp sagt. Der Geschäftsführer der Landgut Pretschen GmbH & Co. KG ist selbst einer dieser Arbeitgeber. Er nutzte das Sommerkonzert, um den Gästen den kleinen Ortsteil, aber vor allem seinen Betrieb vorzustellen. Das familiengeführte landwirtschaftliche Unternehmen betreibt ökologischen Landbau. Etwa 800 Hektar Land werden bewirtschaftet. Zudem gehören 650 Rinder zum Betrieb.

Einen Teil davon bekamen die Gäste am Sonntag zu sehen. Sie durften in den Kuhstall und in das Gewächshaus mit den Tomaten. Gleich nebenan - ebenfalls im Gewächshaus - liefen die Proben für das spätere Sommerkonzert.

Die Besucher nutzten bis dahin das Begleitprogramm. Neben der Führung durch das Landgut gab es weitere Angebote. Wer wollte, konnte eine Kahnfahrt machen. Allerdings nicht von Pretschen aus, sondern von Schlepzig. Mit einem Bus wurden die rund 20 Teilnehmer in das Spreewalddorf gefahren. Die Organisatoren hatten mit mehr Kahngästen gerechnet. Ähnlich viele entschieden sich für eine Kremserfahrt. Die Führung durch das Landgut haben etwa 30 Leute mitgemacht. "Man weiß im Vorfeld nie für welches Angebot sich die Gäste entscheiden", sagt Mary-Ann Schubert vom Veranstalter der Sommerkonzerte.

Auch das Gurkenseminar mit der Spreewald-Christl war diesmal längst nicht so gut besucht wie im vergangenen Jahr. Damals waren aber auch etwa 250 Besucher mehr zum Sommerkonzert in den Spreewaldort gekommen. Doch auch diesmal, bei weniger Gästen, hatte die Dorfgemeinschaft unter Führung des Vereins "Mroscina" reichlich zu tun. Zahlreiche Kuchen wurden extra für den Konzerttag gebacken. Die Kaffeetafel auf dem Gutshof ist einer der kulinarischen Höhepunkte des Begleitprogramms. "Wir wollen den Gästen einen möglichst attraktiven Rahmen bieten", sagt Ilka Paulick vom Verein "Mroscina". Und die Veranstalter der Sommerkonzerte greifen gern auf Akteure vor Ort zurück, wie Mary-Ann Schubert sagt. Etwa auf Sascha Philipp. Er erzählte den Teilnehmern des Rundgangs am Sonntag, dass er ökologischen Landbau nicht betreibt, um gesunde Nahrung herzustellen, sondern um mit der Natur in Einklang zu sein. Seine Produkte verkauft er ausschließlich in Bio-Fachläden, auch im eigenen Hofladen.

Das Landgut in Pretschen ist dem Geschäftsführer zufolge Deutschlands größter Produzent von Chicoree. Seine Bio-Tomaten reifen in einem Gewächshaus, das 2011 für viereinhalb Millionen Euro errichtet wurde, wie er weiter erzählt. Ein Teil davon wurde jetzt erneut als Konzertstätte genutzt. Die "Young Voices Brandenburg" präsentierten dort einige der schönsten Kompositionen aus tausend Jahren europäischer Musikgeschichte. Zu hören waren etwa Werke von Hildegard von Bingen, Johann Sebastian Bach, Adele oder Coldplay.