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| 02:48 Uhr

Vor 20 Jahren fuhr der letzte Zug

So sah der Südbahnhof in Lübben um das Jahr 1936 aus. Bis zum Jahr 2004 gab es in dem Gebäude eine Speisegaststätte.
So sah der Südbahnhof in Lübben um das Jahr 1936 aus. Bis zum Jahr 2004 gab es in dem Gebäude eine Speisegaststätte. FOTO: Sammlung Zimmer
Lübben. 20 Jahre sind seit am heutigen Mittwoch vergangen, als am 27. Mai 1995 der Zugverkehr zwischen Lübben und Beeskow eingestellt wurde. Dieser Anlass ist einen Blick zurück in die Geschichte dieses Streckenabschnitts der Niederlausitzer Eisenbahn (NLE) wert. Bernd Blume

Bereits ab Oktober 1897 rollte die Bahn aus Richtung Luckau nur bis zum Lübbener Südbahnhof. Dieser war mit seinem Empfangsgebäude und dem Anschlussgleis an die Staatsbahn gerade fertiggestellt worden. Ab März 1898 wurde bis zur weiteren Station, dem Nordbahnhof, weiter gefahren, um den Fußweg zum Umsteigen in die Staatsbahn zu verkürzen. Auch der Nordbahnhof war mit Fahrkartenausgabe, Warte- und Schankraum, sowie mit Toiletten ausgestattet.

Die Weiterführung der Gleise zum Bahnhof Groß Leuthen-Gröditsch und nach Beeskow verzögerte sich wegen der aufwendigen Überbrückung von Staatsbahn und Reichsstraße (an der Schranke der heutigen B 115) und weil das Überwinden der Spree bewältigt werden musste. Insbesondere die aufwendige Ausführung der 267 Meter langen "Roten Brücke" zwischen Hartmannsdorf und der Flur Wiesenau über die Spree verzögerte sich. Denn das Sommerhochwasser 1901 spülte den im Bau befindlichen Strompfeiler hinweg.

Trotzdem wurde schon im Oktober dieses Bauwerk komplett fertiggestellt. Die massiv gemauerten 18 Stützpfeiler belassen wegen ihrer Abstände ausreichend Raum zum Ableiten von Hochwasser aus der Flussniederung. Das hat bis heute funktioniert.

Milch-Kurswagen nach Berlin

Im November 1901 wurde der fahrplanmäßige Zugbetrieb nach Beeskow aufgenommen. Das Geschäft der NLE mit Personenbeförderung und Gütertransport für Holz, Bau- und Brennmaterial schwankte zwischen sattem Gewinn und roten Zahlen. In den 20er Jahren verkehrte täglich ein Milch-Kurswagen zwischen der Groß Leuthener Molkerei und Berlin via Anschluss an die Staatsbahn.

Ab 1936 wurde das Geschäft durch Rüstungsaufträge erweitert. Am Anschlussgleis bei Krugau wurden zehn Gleise mit einer Gesamtlänge von circa 14 Kilometer für eine Munitionsfabrik gebaut. Auch eine Panzerfabrik beziehungsweise Zulieferung war im Gespräch. Für das jetzige Gelände des heutigen Bundeswehr-Standortes Krugau wird bis dato dieses Anschlussgleis vorgehalten.

Munitionsfertigung wurde zusätzlich im Wald bei Börnichen-Schlepzig bis in die DDR-Zeit hinein betrieben. Für das jetzige Spreewerk an dieser Stelle wird bis heute ebenfalls ein Anschlussgleis vorgehalten.

Ende April 1945 musste wegen der Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg der Bahnbetrieb eingestellt werden. Da die NLE im Krieg zusätzlich zu einer wichtigen Umleitungsstrecke für militärische Ausrüstungen geworden war, wurden ihre Brücken gesprengt und der Südbahnhof in Lübben ging in Flammen auf.

Zu Fuß über die Rote Brücke

Nach Wiederherstellung des Kreuzungsbauwerkes an der B 115 nahm die Reparatur der Roten Brücke noch längere Zeit in Anspruch, vier Bögen waren zerstört. Ende Mai 1945 wurde vorerst die Personenbeförderung wieder aufgenommen. Eine provisorische Holzbrücke überspannte die zerstörten Bögen, von beiden Seiten pendelte jeweils ein Zug ein, die Passagiere wechselten zu Fuß via Holzbrücke die Seiten. Ab November 1948 fuhr die Bahn wieder über die Brücke.

Erst nach Instandsetzung der Spreebrücke bei Briescht im Oktober 1951 konnte der Durchgangsverkehr nach Beeskow wieder aufgenommen werden. Die Stationsbezeichnungen im Landkreis lauteten: Lübben-Süd, Lübben Hp, Hartmannsdorf, Börnichen-Schlepzig, Krugau, Groß Leuthen-Gröditsch, Bückchen und Wittmannsdorf. Für die bis dorthin 23 Bahnkilometer wurde die Fahrzeit von einer Stunde und drei Minuten benötigt. Von Wittmannsdorf waren es 18 Kilometer bis nach Beeskow.

Schwerer Unfall

Im August 1964 ereignete sich ein Frontalzusammenstoß bei Krugau. Dieser Unfall forderte einen Toten, fünf Schwer- und acht Leichtverletzte.

Trotz stark rückläufiger Transport- und Beförderungsleistungen wurden 1974/75 Brücken und Gleisanlagen umfassend saniert, weil dieser Verkehrsachse im Kalten Krieg eine strategische Bedeutung zugemessen wurde.

Als 1995 das endgültige Aus kam, folgte ein Jahr später auch Richtung Luckau die Stilllegung. Der Südbahnhof bewahrte noch bis zu seinem Brand im Oktober 2004 seine Funktion als bescheidene Speisegaststätte. Später erfolgte der völlige Abriss, der Nordbahnhof kann in seinem Verfall besichtigt werden.

Bis auf zwei oder drei Versuche, touristische Wochenendausflüge per Bahn auch im Zusammenhang mit der Landesgartenschau in Luckau im Jahr 2000 zu installieren, wurden die Gleise nicht mehr benutzt. Die Gleisanlagen von der noch nutzbaren Verbindungsmöglichkeit zur Deutschen Bahn bis zu den Anschlussgleisen für den Bundeswehr-Standort Krugau und zum Spreewerk sind erhalten, ansonsten sind sie demontiert.

So trägt die Rote Brücke nur noch dazu bei, das mögliche Aktivieren zweier Anschlussgleise vorzuhalten. Davon wurde in den vergangenen 20 Jahren kein Gebrauch gemacht.