Von Ingvil Schirling

Es gab Momente, da hätte sich vielleicht gar niemand groß gewundert, wenn ein von Houwald, ein Chamisso oder die Geschwister von Arnim zum Fest gekommen wären. Mit Hut und Gehstock, wachem Blick und ihrer Liebe zu Kunst und Kultur wären sie am Wochenende in und um das Lübbener Neuhaus, in dem sie zu ihrer Zeit Gastgeber und Gäste waren, vermutlich gar nicht weiter aufgefallen. Nur, dass die einladenden Kunst- und Kulturkennerinnen von heute, die Veranstalterinnen Anna Barbara Kastelewitz und Johanna Krumin, vermutlich begeistert die Gelegenheit genutzt hätten, mit ihnen über das Wesen der Kunst zu philosophieren.

Kultur zum Anfassen und Staunen

Dem kamen die beiden Tage mit ihrem vielfältigen Angebot in den Herrenhaus-Räumen mit seinem Landschloss-Flair schon ziemlich nahe. Zum Anfassen sollte es sein, zum Staunen, zum Austauschen, inspiriert und inspirierend, vor allem aber: genussvoll. Da waren die Erdbeeren, eingetaucht im Schokobrunnen, nur noch das Tüpfelchen auf dem I. Musik von Künstlern, die international bekannt, Lehrbeauftragte und Preisträgerinnen sind, stand in einer Auswahl mit Fingerspitzengefühl auf dem Programm: Da sang Johanna Krumin ein russisches Sehnsuchtslied nach Landschaft (Nje poi krassavitsa prim nje, Text von Alexander Puschkin, Musik von Sergei Rachmaninov) voller Innbrunst, da ließ Anna Barbara Kastelewitz den Ungarischen Tanz Nr. 1 wiegen und wogen, da spielte Markus Zugehör Felix Mendelssohns-Bartholdys „Lied ohne Worte“ ... ohne Worte.

Weiße Kugel auf schwarzem Samt

Im Oktogon, dem zentralen Raum des Hauses, lag eine weiße Kugel auf schwarzem Samt: Der Melodymat der Künstlerin Johanna Smiatek. Bewegte man ihn mit der Hand, gab er Klänge von sich, die von Ferne zu kommen schienen – und in die Weite des Hauses entschwanden. Das Ensemble Lux:NM schien mit neuer Musik in mehreren Räumen in einer Klangkommunikation vertieft, die experimentell anmutete, Fragen stellte, Antworten offen ließ.

Es fällt leicht, sich vorzustellen, wie Houwald und Co, die Bewohner von einst, fasziniert zugehört hätten. Sich ausgetauscht, diskutiert, vielleicht Antworten gefunden hätten. Den Nachmittag genossen hätten. Genügend Raum dafür war – nicht nur, weil bei diesem üppigen Programm durchaus mehr Gäste ins Neuhaus gepasst hätten, sondern auch, weil das Salonkonzept perfekt zur einzigartigen Atmosphäre des Gemäuers passt.