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Von Königen und Schaufelhänden

Das Lächeln täuscht: Diese aktuelle Arbeit von Malgorzata Suwalski bezieht sich auf die gewinnende Art von Populisten an höchsten Machtpositionen, die blind manipulieren. Manfred Suwalski befreite das gefundene Holzstück von Überflüssigen, ehe die Lübbener Künstlerin ihm ein Gesicht gab. Das königliche Werk wird Teil der Ausstellung im September sein.
Das Lächeln täuscht: Diese aktuelle Arbeit von Malgorzata Suwalski bezieht sich auf die gewinnende Art von Populisten an höchsten Machtpositionen, die blind manipulieren. Manfred Suwalski befreite das gefundene Holzstück von Überflüssigen, ehe die Lübbener Künstlerin ihm ein Gesicht gab. Das königliche Werk wird Teil der Ausstellung im September sein. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. "Die Natur hat ein Kunstwerk versteckt – und wir haben es gefunden!" Die Freude in Malgorzata Suwalskis Ausruf ist unüberhörbar. Ganz gleich, ob dieses Kunstwerk bei Sturm und Regen am Ostseestrand entdeckt wurde. Ingvil Schirling

Oder Schwemmholz in der Spree war. In dem angeschwemmten Stück sieht sie Figuren, Formen, Wesen - und holt sie mit künstlerischen Mitteln ans Tageslicht, so dass sie auch für andere sichtbar werden. Wer sich noch an das Huhn mit Brille erinnert, dass die Lübbenerin aus einem Wurzelstock herausgekitzelt, mit einer gehörigen Prise Humor zum Leben erweckt und beim Tag des offenen Ateliers in der Zimmerei Altkrüger ausgestellt hatte, der darf sich im September auf eine sprunghafte Weiterentwicklung ihres künstlerischen Ausdrucks freuen, der politisch brisante Botschaften einschließt.

Längst ist die Suche nach Treibholz zur gemeinsamen Leidenschaft von Malgorzata und Manfred Suwalski geworden. Das Ehepaar liebt es, selbst unter den widrigen Bedingungen einer Sturmflut auf Schatzsuche zu gehen - innerlich und äußerlich. Manfred Suwalski übernimmt die manchmal schwere Arbeit, die Holzstücke von verfaulten und vermoderten Teilen zu befreien - bis der Kern zu Tage tritt, der die künstlerische Aussage tragen wird. Am Ostseestrand fanden die beiden den Griff eines hölzernen Handlaufs, wahrscheinlich von einem Schiff. "Ich wusste sofort: Es ist ein Mond", sagt Malgorzata Suwalski. Und dieser hängt nun, bläulich schimmernd und mit träumerischem Auge, im Treppenhaus der beiden.

Im Erdgeschoss wartet eine Skulptur darauf, zur anstehenden Exposition ausgeführt zu werden, die Malgorzata Suwalski als gebürtige Polin lange beschäftigt hat. Es ist ein Königs, deutlich erkennbar an der vergoldeten Krone, mit gewinnendem Lächeln - und blinden Augen. Bläulich eingefärbt, scheinen sie alles und nichts zu sehen - eine Beliebigkeit, die unberechenbar wirkt - und in seltsamem Kontrast zur scheinbaren Nahbarkeit der Figur steht. Es ist ein König der Illusionisten, vielleicht sogar der Blender, eine Parabel auf die Populisten dieser Zeit.

Politischer sind die Arbeiten also geworden, aber auch sehr persönlich. Und vielseitig - vor allem bei den Gemälden ist die Vielfalt der Stilrichtungen auffällig. "Ich habe so spät in meinem Leben angefangen, künstlerisch zu arbeiten, dass ich mich jetzt nicht mehr festlegen will", sagt die Autodidaktin augenzwinkernd.

Viele Porträts, auch sehr abstrakte, hängen an den Wänden. Zwei davon symbolisieren gemeinsam mit einer Holzskulptur die Paarbeziehung, in der viel Nähe entsteht - jeder sein Geheimnis aber auch behalten darf. Eines der neuesten Stücke zeigt eine Mutter mit Kind, die Hände, groß wie Schaufeln, schützend um das runde, kaum entfaltete Wesen gelegt. "Die Hände sind so überdimensioniert, weil sie den Weg für das Kind bahnen", gibt die Lübbenerin ihre Gedanken dazu preis.

Sie ist viel in der Region unterwegs, auf Vorträgen, aber auch mit eigenen Präsentationen. Im Lübbenauer Standesamt hängt ein Bild von ihr. Arbeiten sind auch in der Kunstscheune Raddusch zu sehen.

Die zwölfte Aquamediale unter dem Titel "Glaube Liebe Hoffnung", deren 16 Arbeiten noch an den Ufern der Spree in Lübben zu sehen sind, hat sie sehr beeindruckt. Drei der für sie wichtigsten Werke hat sie in einem Bild zusammengefasst - auch das wird bei der Ausstellung am Lübbener Beethovenweg zu sehen sein. Die Laudatio hält Aquamediale-Kurator Harald Larisch.

Beginn der Vernissage in der Vertikale-Galerie des Landratsamts am Lübbener Beethovenweg 14 am 13. September ist um 17 Uhr.