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| 17:11 Uhr

Vortrag in Niewitz
Von der Sprache der Bienen und anderen Phänomenen

 Die Welt der Bienen ist spannend und ihre Arbeit außerordentlich wichtig für die Existenz der Menschheit.
Die Welt der Bienen ist spannend und ihre Arbeit außerordentlich wichtig für die Existenz der Menschheit. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Lübben. Jörg Fischer, Vorsitzender des Tierschutzvereins Lübben und Umgebung, sprach über die Welt der Bienen. Von Andreas Staindl

Bienen sind außergewöhnliche Lebewesen. Sie können sich strategisch geschickt in der Natur orientieren, sich quasi eine Landkarte mühelos einprägen. Und sie verfügen über eine innere Uhr, können zudem selbst feinste Gerüche unterscheiden. Was Bienen sonst noch so phänomenal macht, das hat Jörg Fischer während eines Vortrags in Lübben verraten.

Der Tierschutzverein Lübben und Umgebung hatte den Hobby-Imker aus Niewitz (Unterspreewald) eingeladen. „Interessante Vorträge bereichern unser Vereinsleben“, sagte Anke Brauer zu Beginn der Veranstaltung. Die Vereinschefin hatte da wohl schon geahnt, dass Jörg Fischer den Gästen spannende Details und Fakten über Bienen näherbringen wird. Sie sollte Recht behalten. Jörg Fischer ist selbst als leidenschaftlicher Imker noch ein bisschen spezieller. Er kennt sich nicht nur hervorragend mit dem Leben und Wirken der emsigen Tiere aus, sondern hat sich ihnen auch wissenschaftlich genähert.

Gibt es eine Bienensprache? Und wenn ja, wie verständigen sich die Tiere? Die Antwort ist verblüffend. Bienen verfügen über ein Kommunikationssystem. Erfolgreiche Sammelbienen können so Informationen über Entfernung, Richtung und Ergiebigkeit einer Futterquelle an andere Sammlerinnen weitergeben. Das machen die Bienen mit Tänzen. Tanzlaute und Ausschläge des Körpers stehen im Verhältnis zur Entfernung.

Jörg Fischer gelingt es, selbst komplexe Zusammenhänge verständlich rüberzubringen. Der Niewitzer erklärt nicht nur, sondern zeigt auch entsprechende Fotos und Abbildungen dazu. Dass ihn die außergewöhnlichen Insekten faszinieren, das spürt man. Er zieht einen bildlichen Vergleich: „Bienen haben einen kleinen Computer im Kopf.“ Ihre Reizverarbeitung etwa liegt um das Zehnfache höher als bei Menschen und doppelt so hoch wie bei Hunden. „Deshalb ist es auch so schwer, Insekten mit der Hand zu fangen“, sagt Jörg Fischer.

Er hat sich nicht nur mit Bienen, sondern auch intensiv mit Honig auseinandergesetzt. Wie wird das süße, vom Menschen genutzte Lebensmittel produziert? Und wie erfolgt die Kontrolle der Qualität? Woran erkenne ich guten Honig? Der Imker aus dem Unterspreewald gab den Gästen des Vortrags einige brauchbare Tipps an die Hand. Flüssiger Honig wie etwa in Honig­spendern, ist ihm zufolge wärmebehandelt und damit weniger gut, weil wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen: „Naturbelassener Honig wird fest, und das ist gut so.“

Jörg Fischer ist schon so lange Imker, dass er Veränderungen der Lebensbedingungen für die Bienen längst wahrgenommen hat: „Bienen leiden vor allem unter Stress.“ Dass sie weniger werden, ist für ihn nicht mit nur einer Antwort zu erklären: „Der Schwund der Bienen und anderer Insekten ist ein gigantisches wissenschaftliches Puzzle.“ Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat beeinträchtigt ihm zufolge „erheblich das Navigationssystem der Bienen. Es macht auch sonst großen Schaden in der Natur.“ In Berlin etwa werden Bienen inzwischen alternativ auf Balkonen und Dächern gehalten.

Hartmut Wedekind aus Lübben-Neuendorf wollte von Jörg Fischer wissen, was dieser davon hält. „Das ist eine sehr gute Entwicklung. Erstaunlich ist, dass Honig aus Berlin am wenigsten belastet ist.“ Ein großes Problem sieht der Niewitzer jedoch in der Landwirtschaft mit immer größeren Ackerflächen und weniger Blühstreifen: „Das ist eine ganz schlimme Entwicklung.“

 Blumen für Jörg Fischer (r.): Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Lübben und Umgebung, Anke Brauer (i.), dankt dem Hobby-Imker aus Niewitz für seinen interessanten Vortrag.
Blumen für Jörg Fischer (r.): Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Lübben und Umgebung, Anke Brauer (i.), dankt dem Hobby-Imker aus Niewitz für seinen interessanten Vortrag. FOTO: Andreas Staindl