| 02:41 Uhr

Von der Atlantikküste in den Spreewald

Manfred Hönow hält einen Kescher mit jungen Aalen in der Hand. Etwa 30 000 dieser Besatzaale hat der Fischer aus dem Unterspreewald jetzt im Köthener See und im Dahme-Umflutkanal eingesetzt.
Manfred Hönow hält einen Kescher mit jungen Aalen in der Hand. Etwa 30 000 dieser Besatzaale hat der Fischer aus dem Unterspreewald jetzt im Köthener See und im Dahme-Umflutkanal eingesetzt. FOTO: Staindl/asd1
Neu Lübbenau. Der Köthener See und der Dahme-Umflutkanal sind um tausende Aale reicher. Manfred und Gisela Hönow vom Fischereibetrieb Hönow in Neu Lübbenau haben die Fische dort eingesetzt. Andreas Staindl / asd1

Kescher für Kescher, und an verschiedenen Stellen, um einen ausgewogenen Besatz zu erhalten. Viel Arbeit, doch sie lohnt sich. "Wir helfen mit, dass der Aal nicht ausstirbt", sagt Manfred Hönow. "Die Europäische Union fördert das Einsetzen junger Aale und sichert so deren Bestand." Der 73-Jährige ist Fischer aus Leidenschaft. Etwa 25 Jahre lang hat er von der Fischerei im Haupterwerb gelebt. Inzwischen betreibt er eine Räucherei und einen Fischhandel in Neu Lübbenau. Sein Sohn Guido hat den Fischereibetrieb übernommen, jedoch im Nebenerwerb. Das kleine Unternehmen bekam kürzlich einen Container mit jungen Aalen angeliefert.

Die etwa 30 000 Fische stammen von der Atlantikküste, sagt Manfred Hönow. Sie wurden dort als Jungtiere gefangen und in Aquakulturanlagen aufgezogen. Seit ein paar Tagen schwimmen sie im Spreewald. Gefahr droht den schlangenförmigen Tieren dort kaum. Mit etwa 20 Zentimeter Länge sind sie für viele Fressfeinde nicht mehr interessant. Aale selbst finden dem Fischer zufolge ausreichend Nahrung in den Gewässern des Spreewalds. Sie ernähren sich dort von kleineren Lebewesen, später auch von Jungfischen. Fünf bis sechs Jahre dauert es, bis sich der Wanderfisch etwa 500 Gramm angefuttert hat. "Dann hat der Aal die ideale Größe für einen Räucherfisch", sagt Manfred Hönow. Er räuchert die Fische selbst.

Der Fischereibetrieb Hönow hat den Köthener See und den Dahme-Umflutkanal gepachtet. In den beiden Gewässern leben Karpfen, "und neuerdings auch Welse". Der Zander sei der wichtigste Wirtschaftsfisch, berichtet Hönow weiter. "Die Bestände sind inzwischen wieder stabiler als vor ein paar Jahren."

Auch Hecht, Schleie und Barsch beispielsweise fühlen sich in den Pachtgewässern des Fischers im Unterspreewald wohl. Die Fische werden an Privatleute, aber auch an Gaststätten verkauft. Bis die jetzt eingesetzten Aale verspeist werden können, vergeht aber noch einige Zeit. Noch länger (zehn bis 15 Jahre) dauert es, bis sie geschlechtsreif sind.

Zum Ablaichen wandern die Fische von Landesinneren über Flüsse wieder zurück zur Küste. Gut möglich also, dass die jetzt im Spreewald eigesetzten Aale in 15 oder mehr Jahren wieder im Atlantik schwimmen.