ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Vom Käfer bis zum Caravan

Alteno.. Wer am Wochenende durch Luckau fuhr, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren: Die Region ist fest in Wolfsburger Hand. An jeder Ecke stand ein VW, an jeder Tanksäule ein Audi. Die Fahrzeuge aus der Wolfsburger Autoschmiede waren zum VW Blasen angereist. Mehr als 55 000 Besucher zählten die Veranstalter des traditionellen Autotreffens in diesem Jahr. Von Bodo Kochniss

Wer beim VW Blasen auf der Mehrzweckanlage (MZA) bei Alteno teilnimmt, braucht vor allem eins: viel Geduld. In endlosen Reihen quälten sich auch am Wochenende wieder Tausende von Fahrzeugen über das Asphaltoval und die staubigen Wege. Kaum eines der vielen Autos sieht noch so aus wie damals, als es in Wolfsburg die Fabrik verließ. Wilde Lackierungen, blitzende Felgen und natürlich eine deutlich tiefere Straßenlage gehören hier zum normalen Erscheinungsbild.

Jedes Auto ein Unikat
Jährlich trifft sich die europäische Tüftlerelite auf der MZA, um den eigenen Wagen mit der Konkurrenz zu messen. Beim „Show & Shine“ -Wettbewerb geht es dann auch genau darum: Wer hat den schönsten Wagen, die tollsten Extras, die verrückteste Lackierung? Eine Jury betrachtet jedes Detail der 180 teilnehmenden Fahrzeuge und verteilt Lob für besonders ausgefallene Ideen.
König der Tuning-Freunde war Peter Urben aus der Schweiz, der seinem aufgemotzten VW Paasat gleich noch einen Anhänger in der gleichen Form wie das Vorderauto spendierte. 6000 Stunden hat er mit seinen Kumpels an dem 4,2 Tonnen schweren Auto getüftelt. Nun hat er Mühe das lange Gefährt auf die Bühne zu steuern. Auch das Innere des fast schon als Wohnmobil daherkommenden Wagens ist Extra-Klasse. Fünf Bildschirme erlauben es den Insassen gleichzeitig Video und DVD zu gucken, auf der Playstation zu spielen oder Videofilme zu bearbeiten. Als kleine Zugabe verbirgt sich im Kofferraum noch eine Miniaturausgabe der Schweizer Alpen. „Und ich dachte, ich kenne schon alle Bekloppten“ , meint der Moderator des Wettbewerbs schmunzelnd. Doch dieses Gefährt übertrifft selbst die verrücktesten Umbauten auf dem diesjährigen Festival.
Etwas weniger hochglanzpoliert, dafür aber um so rasanter geht es auf der Viertel-Meilen-Strecke zu. Auf der 402,25 Meter langen Asphaltpiste zählt nur Geschwindigkeit. Jeweils zwei Fahrer treten mit ihren Maschinen gegeneinander an und ermitteln so Runde für Runde den schnellsten Volkswagen des Wochenendes.
Wem die quietschenden Reifen und das Aufheulen der Motoren noch nicht Lärm genug sind, der konnte schließlich noch beim „Boombasstic-Sound-Contest“ antreten und mit aufgedrehten Lautsprechern und Bassröhren zeigen, was sein Fahrzeug akustisch so von sich gibt. Ab 140 Dezibel mussten die Fahrer ihre Stereoanlage von außerhalb des Fahrzeugs bedienen. Unvorstellbar, dass sie normalerweise in diesen fahrenden Radaukisten sitzen, während die Bässe wummern. Ein Düsenflugzeug könnte nicht lauter sein.

Viel Arbeit investiert
Doch für Autofreaks klingt der Lärm wie Musik in ihren Ohren. Auch Maik und Anne Päslack haben den weiten Weg von Ludwigslust nach Luckau auf sich genommen, um bei den verschiedenen Wettbewerben teilzunehmen. Bereits zum vierten Mal ist das Pärchen mit seinen beiden Fahrzeugen beim VW Blasen dabei. Auch sie haben viel Zeit und Geld in ihre VWs gesteckt. Maik bastelt schon seit zehn Jahren an seiner Kiste. Mehr als 40 000 Euro hat er in dieser Zeit in den Volkswagen investiert. Nun wartet er gespannt auf das Urteil der Fachjury.
Seinen Namen verdankt das Luckauer VW Blasen übrigens einem legendären Duell zwischen dem VW Käfer und einem Düsenflugzeug. Beim Käfer Blasen traten die beiden ungleichen Rivalen gegeneinander an und der kleine Käfer verlor nur deshalb, weil er vom Ausstoß des Düsenjets abgedrängt wurde. Die Macher des VW Festivals auf der MZA waren von diesem Duell so fasziniert, dass sie den Namen aufgriffen und das VW Blasen ins Leben riefen.