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| 02:43 Uhr

Vom Exlex-Musiker bis auf den Jakobsweg

Freesdorfer Impressionen: So schön ist der Winter auf dem Land.
Freesdorfer Impressionen: So schön ist der Winter auf dem Land. FOTO: Gerd Paegert
Freesdorf. Im beschaulichen Freesdorf bei Luckau liegt eine Schmiede des Humors. Gerd Paegert, bekannt für seine Cartoons und Gemälde mit hintergründigem Witz, hat in dem Dörfchen sein Zuhause und sein Atelier. Doch das Multitalent pflegt dort auch seine anderen künstlerischen Leidenschaften. Ingrid Hoberg

Wer im Wetzlarer Raum mit seinem Auto schon mal von einem mobilen Blitzer erwischt wurde, hat auf dem Beifahrersitz des Fahrzeugs vielleicht einen Mann mit einem Skizzenbuch erkannt. Das war dann Gerd Paegert - der Freesdorfer arbeitet seit zwei Jahren für German Radar, einem Dienstleister zur Verkehrsüberwachung. "Ich fahre den Radarwagen und kümmere mich um die Technik. Ein Mitarbeiter der jeweiligen Kommune ist für die Messungen zuständig", erklärt er. So habe er bei den Einsätzen genug Zeit, auch mal zum Zeichenstift zu greifen.

Und so verbindet er den Broterwerb mit seinen künstlerischen Ambitionen, die mit dem Zeichnen von Cartoons längst nicht ausgeschöpft sind. "Verrückt in Öl" hieß seine jüngste Ausstellung in der Horizontale-Galerie im Lübbener Landratsamt. Rund 40 Bilder hatte er dort präsentiert - in diesem Jahr wird er in Solms bei Wetzlar im Rathaus und in Weilburg an der Lahn in der Sparkassen-Galerie seine Ölbilder zeigen. "Als Titel habe ich ,Aufbau West' gewählt - ein bisschen, um zu provozieren und Interesse zu wecken", sagt er, wie meist mit einem Augenzwinkern.

Auch sein Saxofon hat Gerd Paegert oft im Gepäck, wenn er unterwegs ist. Das spielt er nicht bei den Verkehrskontrollen - zuzutrauen wäre es ihm allerdings! "Abends in der Pension habe ich ja Zeit", sagt er und kann all seine Talente pflegen. Denn wer ihn nicht als Zeichner und Maler kennt, erinnert sich vielleicht noch an Konzerte mit der Band, die Mitte der 1970er Jahre in Fürstlich Drehna gegründet wurde. Was sich hinter dem Namen "Exlex" (vogelfrei, geächtet, recht- und gesetzlos) verbirgt, war wohl den Genehmigungsbehörden nicht klar, denn die Amateurmusiker erhielten die Zulassung für die Oberstufe. 1998 ging es dann weiter mit Boogie, Blues & Blattsalat, ab 2003 bis 2014 gab es das Duo mit Friedemann "Frieda" Schulz, bekannt auch von "Engerling".

Bei "Exlex" hat Gerd Paegert E-Gitarre gespielt. "Gelernt habe ich das als Autodidakt - ohne Internet! Heute für junge Leute einfach unvorstellbar", sagt er. Dabei war es das Klavier, auf dem er als Schüler sechs Jahre lang Unterricht hatte. Im Nachhinein muss er seiner Mutter dafür dankbar sein, dass sie das gefordert und gefördert hat, denn Spaß gemacht habe ihm das oft gar nicht. Daraus hat er für sich den Schluss gezogen, dass Musikunterricht anders sein muss - was er dann ab 2000 selbst fast zehn Jahre lang als Klavier- und Keyboardlehrer in Zossen und in Luckau praktizierte.

Und dann brach sich sein zeichnerisches Talent Bahn. "Ich habe als Kind alles bekritzelt", erinnert er sich. Doch mehr wurde daraus erst ab 2010/11, als er begann, mit Pastellstiften Cartoons zu zeichnen. "Ich bin ein Beobachter, schaue mir Lebenssituationen an, die andere übersehen", sagt er. "Die Kürze ist das Wichtigste." So entstanden Zeichnungen wie die "B(G)urka" und die "Knullen".

Inzwischen ist es die Ölmalerei, für die er sich begeistert. "Das ist die Königsklasse", sagt Gerd Paegert, in die er sich wie schon so oft als Autodidakt eingearbeitet hat. Zurzeit sei er in der "schwarzen Phase", immer aber mit hintergründigem Humor. Und seine Neugier hat er nicht verloren - deshalb will er in diesem Jahr ab 1. Mai den Jakobsweg gehen. Deshalb ist er diesmal nicht bei den "Offenen Ateliers" dabei - dafür wird es einen Blog geben, auf dem sein Pilgerweg zu verfolgen ist.

Gerd Paegert sitzt immer der Schalk im Nacken – auch wenn er in seinem Atelier in Freesdorf ernste Themen bearbeitet. So ist seine untergehende Sonne eckig – wie die Höcker der "Wüstenschiffe".
Gerd Paegert sitzt immer der Schalk im Nacken – auch wenn er in seinem Atelier in Freesdorf ernste Themen bearbeitet. So ist seine untergehende Sonne eckig – wie die Höcker der "Wüstenschiffe". FOTO: I. Hoberg