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| 02:52 Uhr

Volle erste Klassen sorgen in Lübben für Ärger

Lübben/Luckau. 28 Kinder pro Klasse – das ist zu viel, finden Eltern von Lübbener Erstklässlern. Deshalb wenden sie sich mit einer Initiative an das Bildungsministerium in Potsdam. Unterdessen legt das Schulamt neue Zahlen vor und stellt zusätzliche Stunden in Aussicht. I. Schirling/R. Hofmann

Geschlossen unterschrieben die Eltern der beiden künftigen ersten Klassen an der 2. Grundschule Listen, mit denen sie ihren Unmut über die vollen Klassen ausdrücken. "28 Schülerinnen und Schüler pro Klasse sind zu viel. Da ist kaum noch differenzierter und individueller Unterricht möglich", sagt Sylke Klemt, Mutter einer Tochter, die dort eingeschult wird. Das sei weder für die Erstklässler noch für die Lehrer gut.

Gerade in den ersten Klassen bräuchten die Kinder Zuspruch und die volle Aufmerksamkeit. "Bei dieser Klassenstärke stößt man auch an die Grenzen der Lehrer." Die Mutter vermutet in erster Linie finanzielle Einspargründe bei größeren Klassen. "Es wird weniger Geld da sein, um die Lehrer zu bezahlen. Wir sind wütend, dass auf Kosten unserer Kinder an Personal gespart wird", so Sylke Klemt.

Wie viele weitere Eltern befürchtet auch Ilja Melcher, dass die Kinder an beiden Grundschulen "sechs Jahre lang unter der hohen Klassenstärke leiden müssen". Er war davon ausgegangen, dass das Thema am Mittwoch veröffentlicht würde. Aufgrund aktueller Zahlen vom Schulamt wurde es einen Tag verschoben.

Tatsächlich korrigiert Schulrätin Marlies Rabes die Klassenstärken geringfügig nach unten. An der 2. Grundschule werden nun 55 Kinder in zwei Klassen mit 27 und 28 Schülern eingeschult. An der Jahn-Grundschule werden es 53 Kinder sein in Klassenstärken von 26 und 27. Da es dort ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt, wären auch 25 und 28 Kinder in den Klassen möglich.

Schulrätin Rabes hatte den Fragenkatalog der Eltern am gestrigen Mittwoch vorliegen. Sie stellt zudem eine zusätzliche Kollegin an der 2. Grundschule in Aussicht. Diese würde zunächst mit zehn Wochenstunden eingesetzt. "Damit könnten die ersten Klassen jeweils zusätzliche fünf Teilungsstunden erhalten", sagt sie. Ihnen stehe außerdem aufgrund der Klassenstärke eine weitere Stunde zu.

Die Schulrätin betont zwar einerseits, dass die zulässige Obergrenze von 28 Schülern eingehalten wird. Sie weiß andererseits aber auch: "Die Gesamtsituation ist nicht zufriedenstellend. Dass die Vertretungsreserve zu klein ist, ist ein generelles Problem."

Auch Bildungsministerin Martina Münch (SPD) hat sich zu dem Thema geäußert. Kleinere Klassen wären erstrebenswert, sagte sie. Die Schulämter müssten aber auch auf die Zuteilung der Lehrerstellen achten - und seien angehalten, möglichst so zu planen, dass die Lehrerstellen optimal genutzt werden.

Die Lübbener Eltern warten unterdessen gespannt auf die Antworten zum Fragenkatalog. Darüber hinaus würden sie gern mit Schulamt und Ministerium vor Ort sprechen - im Sinne einer optimalen Bildung für ihre Kinder.

Zum Thema:
Aufgrund erster Zahlen vom Einwohnermeldeamt habe das Staatliche Schulamt mit drei ersten Klassen an der 2. Grundschule geplant, bestätigt Marlies Rabes. Doch 16 Kinder seien an Schulen in freier Trägerschaft gegangen. So kam die Reduzierung auf zwei Klassen zustande. Die künftigen Erstklässler sind im Klassenstufen-Vergleich ein besonders starker Jahrgang.