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| 16:54 Uhr

Straupitz
Volksfest an der Holländerwindmühle

So schwer ist die Arbeit in der Ölmühle. Besucher durften den wuchtigen Holzhammer selbst einmal schwingen. Der Mühlentag hat gestern zahlreiche Leute zur Holländerwindmühle in Straupitz gelock.
So schwer ist die Arbeit in der Ölmühle. Besucher durften den wuchtigen Holzhammer selbst einmal schwingen. Der Mühlentag hat gestern zahlreiche Leute zur Holländerwindmühle in Straupitz gelock. FOTO: Andreas Staindl
Straupitz. Straupitz lockte Pfingstmontag Hunderte Besucher an. Sie wollten am Pfingstmontag die Dreifachmühle voll in Aktion sehen. Die Leinölfee war ein gefragtes Fotomotiv.

Der Mühlentag bleibt ein kultureller Renner – zumindest in Straupitz. Hunderte Besucher sind Pfingstmontag zur Holländerwindmühle gekommen. Überraschend ist das nicht. Die Mühle im Oberspreewalddorf ist schließlich die letzte produzierende Dreifachmühle in Europa. Mahl-, Öl-und Sägemühle befinden sich unter einem Dach. Das ist ein Eldorado für Mühlenliebhaber, aber auch für technisch Interessierte.

„Ich finde es spannend zu sehen, wie eine Windmühle funktioniert“, sagt Friedrich Schultz. „Super, dass hier in Straupitz alte Tradition bewahrt wird.“ Der Berliner war mit einem Bekannten unterwegs: „Wir sind beide technisch interessiert und schauen uns deshalb mehrere Mühlen an.“

Die in Straupitz gehörte sicherlich zu den am stärksten besuchten Mühlen der Region. Kurz nach Veranstaltungsbeginn war das Festgelände schon gut besucht; immer mehr Leute drängten auf den Platz. Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr sorgten für einen reibungslosen Ablauf des Fahrzeugverkehrs. Vor dem Eingang der Windmühle warteten Besucher geduldig. „Wir lassen aus Sicherheitsgründen immer nur eine bestimmte Anzahl an Leuten in die Mühle“, erklärt Gerd Nowak vom Mühlenverein.

Das große Interesse überraschte ihn nicht: „Das ist schon seit Jahren so. Der Mühlentag lockt immer viele Besucher.“ Die sind wegen des attraktiven Rahmenprogramms, aber vor allem wegen der Mühle – einem technischen Denkmal gekommen. Wer dem Rundgangwegweiser in der Windmühle folgte, stieg zuerst die Treppe hinauf in die Kornmühle und später weiter bis hoch zur Mühlenkappe. Überall dort, wo sich etwas bewegt und dreht, wo es rattert und surrt, da bilden sich schnell kleine Menschengruppen. Die Besucher lauschen den Mitgliedern des Mühlenvereins, die ihnen die einzelnen Arbeitsschritte erklärten. Das ist spannend, lehrreich und humorvoll zugleich. „Es macht Spaß, ihnen zuzuhören“, sagt Regina Müller aus dem benachbarten Spree-Neiße-Kreis. „Ich hätte nicht erwartet, dass man technische Abläufe so unterhaltsam rüberbringen kann.“

Das gelingt den Vereinsmitgliedern in allen drei Mühlenbereichen. Von der Kornmühle führte der Weg über die steilen und schmalen Treppen wieder nach unten. Die Öl- und auch die Sägemühle befinden sich auf der unteren Ebene. In der Ölmühle wird noch regelmäßig wie vor über Hundert Jahren Leinöl gepresst. Besucher, vor allem Kinder, durften selbst mit anpacken, etwa den wuchtigen Holzhammer schwingen. Sie konnten aber auch einfach nur zuschauen, wie das „Spreewaldgold“ aus dem Leinsamen gewonnen wird.

Nebenan in der Sägemühle ratterte es gewaltig. Das große Sägeblatt am Horizontalgatter fraß sich Millimeter für Millimeter durch den imposanten Holzstamm. Die mehrere Hundert Jahre alte Stileiche mit einem Durchmesser von fast einem Meter wiegt knapp 2000 Kilogramm. „Wir sägen daraus Bohlen für einen Kunden in Burg“, erklärt Wolfgang Raband. Der ehemalige Physik-Lehrer gehört zu den Vereinsmitgliedern, die den Besuchern die alte Technik näher bringen. Gestern hatten er und die anderen Experten zahlreiche Fragen zu beantworten. Auch Yvonne Schulz war gefragt-als Fotomotiv und als Gesprächspartnerin. Die Leinölfee ist so etwas wie die Botschafterin der Holländerwindmühle. „Ich liebe es, mit Besuchern ins Gespräch zu kommen“, sagt sie. „Viele Leute sind sehr interessiert, von einigen kann aber auch ich noch etwas lernen. Ich finde es spannend, sich etwa über das Leinöl, aber auch das Leimkuchenmehl auszutauschen. Beides ist vielseitig verwendbar und unheimlich lecker.“ Der Mühlentag in Straupitz hatte Volksfestcharakter. Zahlreiche Stände luden zum Schauen und Kaufen ein. Handwerk und Vereine präsentierten sich. Und es durfte zu Live-Musik getanzt werden. Yvonne Schulz wagte das Eröffnungstänzchen. „Bei allem Rahmenprogramm“, sagt sie, „steht unsere Mühle im Mittelpunkt des Mühlentags.“ Die Mischung hat dann für den großen Besucherandrang gesorgt.