Gelb und Blau leuchtet es aus dem Grün hervor. „Das ist Hain-Wachtelweizen“, erklärt Rolf-Dieter Beese. Er arbeitet seit fast drei Jahrzehnten bei der Naturwacht Brandenburg und kennt den Schlepziger Buchenhain sehr gut.
Die Naturwacht betreut hier einen Naturlehrpfad, der jederzeit auch ohne Führung begangen werden kann.

Bei Wind fehlen die blutsaugende Mücken

Ein Schild am Zerniasfließ weist dem Wanderer die Richtung. Das Auto kann man zuvor auf dem Parkplatz an der Straße von Schlepzig nach Krausnick abstellen. Der Weg selbst ist schmal, aber auch mit sommerlichen Sandalen gut zu begehen.
Natürlich muss man auf Wurzeln achten und zumindest am Anfang auch mal über einen umgefallenen Baum klettern. Erwähnen sollte man auch die Mücken, die im Spreewald einfach zum Inventar gehören. Aber an windigen Tagen sind die Blutsauger nicht so zahlreich unterwegs.

Uralten Weg von Schlepzig nach Krausnick

Erste Station ist der Vogelbeobachtungsturm. 24 Stufen sind es bis zur Plattform und von dort überblickt man den Wussegk. „Die Feuchtwiese erhält ihr Wasser von der Quaasspree und ist Brutplatz für Kiebitze, Kraniche und Wildgänse“, erläutert Beese.
Weiter führt der Naturlehrpfad über den Archedamm. Er wurde angelegt als die Menschen im 14. Jahrhundert den Spreewald besiedelten und war lange die einzige Verbindung zwischen Schlepzig und Krausnick. Beese weist auf die alten Eichen und Ulmen hin, die den Weg säumen. Immer wieder öffnet sich das grüne Dickicht und gibt den Blick auf Teiche und alte Spreearme frei.
An einer Stelle sprudelt das Wasser wie ein Bach unter einer Brücke entlang. „Diese naturnahe Fischtreppe ist mein Lieblingsplatz“, erzählt der Naturwächter. „Sie verbindet Schiwanstrom und Quaasspree.“
Weiter geht es zu den Erlenrabatten. In Reihen und leicht erhöht an Wassergräben stehen hohe Erlen dicht beieinander. Sie gehören neben Weide und Esche zu den typischen Bäumen im Spreewald, die mit dem feuchten Boden zurechtkommen.
Entsprechend den Standortbedingungen verändert sich das Erscheinungsbild des Waldes. Hinter der Schiwanschleuse prägen Erlen, Eschen und Stieleichen das Bild. Am Boden wachsen Storchenschnabel, Maiglöckchen und im Frühjahr Buschwindröschen.
Doch nicht nur über Pflanzen auch über die Wehranlage und die Stauhaltung im Spreewald informieren die Tafeln entlang des Weges.

Gedämpfte Schritte und Vogelgezwitscher

Weiter geht es hinter der Straße. Hier beginnt der eigentliche Buchenhain. Rotbuchen, Hainbuchen und Eichen säumen jetzt den Weg. Die beiden mit rund 450 Jahren ältesten Eichen hielten vor einigen Jahren dem Sturm nicht mehr stand. Immer noch eindrucksvoll ragen die Stämme in die Höhe. Auch ohne Krone sind sie wichtiger Bestandteil des Waldes. Käfer und Würmer leben jetzt im Holz.
Offensichtlich schmecken die den Wildschweinen, die zwischen den Wurzeln gewühlt haben. Eine dicke Laubschicht und die Schalen unzähliger Bucheckern dämpfen die Schritte. Vögel zwitschern. Die Hitze des Sommers ist kaum noch zu spüren.

Buchenhain seit über 100 Jahren geschützt

Unter Schutz steht dieses Waldgebiet seit 1907. „Man wollte damals vor allem verhindern, dass jeder ungehindert Holz aus dem Wald entnimmt“, erklärt Rolf-Dieter Beese. 1960 wurde das 280 Hektar große Gebiet mit dem Buchenhain zum Naturschutzgebiet erklärt.
Bis heute gibt es in dem Bereich auch ein Totalreservat, in dem der Wald sich selbst überlassen bleibt. Andere Bereiche betreut der Mensch. Große oder erkrankte Bäume werden gefällt, um den natürlichen Aufwuchs junger Bäume zu gewährleisten. Einige Markierungen sind bereits wieder gesetzt.
Den heutigen Naturlehrpfad erarbeitete der Lehrer Wolfgang Rettschlag mit der damaligen Touristenstation in Schlepzig. Grundlage war eine Belegarbeit des Ehepaars Feist über das Naturschutzgebiet von 1967. Die ersten Schilder malte Heinz Pflanz.
Bei der Neubeschilderung Anfang der 1990er-Jahre wurden sie reproduziert und zieren so weiterhin den Weg. Zusätzlich zeichnete der Schlepziger Grafiker Achim Nocka weitere Schilder, die vor allem Erläuterungen zu den Pflanzen liefern.

Unerwartete Nachbarschaft – Bizarre Buchen und Kiefern

Für eine Rast bietet sich Mollenhauers Hütte an. Hier tritt auch der Puhlstrom, dessen Wehr der Wanderer zuvor passierte, wieder in Erscheinung. Libellen fliegen über den Teichrosen und im Wasser lassen sich Döbel entdecken.
Wer den Blick schweifen lässt, dem fällt eine mächtige Kiefer auf. Nicht weit entfernt steht eine Buche mit seltsamen Wülsten am Stamm. Wer eine Gruppe noch seltsamer wachsender Buchen sehen will, wählt den direkten Weg zum Forsthaus.
„Das ist unser Bizarrwald“, sagt Beese. Jeder Baum hat einen geraden Stamm und einen zweiten, der rechtwinklig zur Seite wächst, bevor er auch nach oben strebt.

Zum Abschied Wiesen mit prächtigen Eichen

Und doch lohnt sich auch der Blick auf die andere Seite des Weges. Kiefern, Lärchen und einige Fichten bilden dort einen lichten Wald.
Am Forsthaus endet der knapp zweistündige Spaziergang über die rund vier Kilometer lange Strecke. Wer länger in den Wald eintauchen möchte, kann von Mollenhauers Hütte geradeaus bis zu Stellmachers Ablage und zum Forsthaus laufen. Der Rückweg führt in beiden Fällen entlang der Straße zum Parkplatz. Prächtige einzeln stehende Eichen ziehen noch einmal den Blick auf sich. Auch sie sind Beispiele der vielfältigen Landschaft im Spreewald.

Nur in diesem Jahr: Virtuelle LR-Sommertour


In diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie vieles anders. Um niemanden einer Gefahr auszusetzen, gibt es deshalb keine LR-Sommertour mit Gästen. Stattdessen erwartet die Leser jede Woche eine Anleitung, mit der sich jeder selbst auf den Weg machen kann.

Den Auftakt bildet eine kleine Wanderung durch den Schlepziger Buchenhain. Die Tour ist etwa vier Kilometer lang und kann bis zu Stellmachers Ablage um 1,5 Kilometer verlängert werden. Unterwegs durchstreift der Wanderer verschiedene Waldgesellschaften, trifft immer wieder auf Wasser und erlebt unzählige Varianten der Farbe Grün.

Die Naturwacht im Biosphärenreservat Spreewald betreut diesen Naturlehrpfad. Das Team erneuert wenn nötig die Tafeln und Schilder. Auf Anfrage (Telefon: 035472 5230) sind Führungen für Gruppen möglich. Regulär startet die nächste Führung im Buchenhain am 11. August. Ein geführte Paddelboottour der Naturwacht findet am 19. August statt. Bis zum 12. August müssen sich Interessierte angemeldet haben.