Obwohl die Sprösslinge mitunter einen Tagesablauf gründlich auf den Kopf stellen, sind sie zweifelsohne die Lichtblicke und Hoffnungsanker in den Familien und in unserer Gesellschaft. Was aber, wenn sich Verhaltensstörungen zeigen„ Wenn Konzentrationsschwierigkeiten, Schulprobleme oder gar Aggressivität den Alltag bestimmen“ Kinder in Resignation verfallen, mit Isolation und Ablehnung konfrontiert werden?

Über Aufmerksamkeitsdefizite
Einige dieser Fragen sind in der Evangelischen Erziehungs- und Lebensberatungsstelle Lübbenau beantwortet worden. Diplom-Sozialarbeiterin und Leiterin der Beratungsstelle Petra Boschan sowie die Diplom -Psychologin und Familientherapeutin Dorothee Lahusen hatten zu dem Themen abend eingeladen. Der sollte insbesondere Familien ansprechen, in denen Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (ADS) leben.
Drei bis vier Prozent aller Kinder zeigen Symptome im Sinne einer ADS, die geprägt wird von einem Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Faktoren, sagen Experten. Kommt der Erkrankung (eine erblich bedingte Störung des Gehirnstoffwechsels) eine Hyperaktivität (häufige Bewegungsunruhe) hinzu, sprechen Mediziner von einer ADHS. „Ich freue mich besonders, dass auch Pädagogen zu Gast sind“ , sagt Petra Boschan. Die Zusammenarbeit mit den Kindereinrichtungen und Schulen sei unverzichtbar, da die Behandlung stets vielfältig erfolgen soll. „Hinter dem Verhalten der Kinder verbirgt sich ja kein böser Wille“ , betont Petra Boschan. „Wichtig sind strukturierte Tagesabläufe und feste Regelungen, hektische und plötzliche Änderungen sollten vermieden werden“ , so die Diplom-Sozialarbeiterin mit Zusatzqualifikationen in Familientherapie, Erziehungsberatung, Ehe-, Familien- und Lebensberatung.
„Die Kinder sollten nicht nur für das Ergebnis, sondern auch für die Anstrengungen gelobt werden“ , erläutert Dorothee Lahusen. „Zu Hause wie auch an den Schulen soll für ausreichende Bewegungssequenzen gesorgt werden“ , fügt sie hinzu. Da könnten die betroffenen Schüler zum Beispiel die Tafel abwischen oder Arbeitsmaterialien aus dem Lehrerzimmer holen. Dass diese Schüler oft sehr anstrengend sind, ist ein offenes Geheimnis.
„Ich wünschte mir mitunter eine intensivere Zusammenarbeit mit den Eltern“ , erklärt eine der anwesenden Pädagoginnen. „Mütter und Väter sollten unbedingt die Elternsprechstunden wahrnehmen, damit wir Lehrer intensiver auf die Belange dieser Schülerinnen und Schüler eingehen können“ , sagt sie.
ADS- und ADHS-Betroffene zeichnen sich aber auch häufig durch eine offenere Wahrnehmung aus. Sie haben einen besonderen Blick für Details und überraschen oftmals mit außerordentlicher Kreativität und Befähigung. Durch die Betonung dieser Stärken haben sie gute Aussichten, später ein „normales“ Leben zu führen. Ein Gästepaar bestätigt: „Unser Kind hat eine besondere Begabung für den Gesang“ , berichten die Eheleute. Ferner sucht das Elternpaar an diesem Abend das Gespräch mit anderen Teilnehmern, um über Erfahrungen zu diskutieren.

Gespräche werden fortgesetzt
Das Team der Evangelischen Erziehungs- und Lebensberatungsstelle in Lübbenau möchte die Gesprächsrunden zu diesem Thema fortsetzen. Ebenso die kostenlose Beratung bei anderen Sorgen und Problemen mit Kindern, Erziehungsfragen, Lebenskrisen sowie bei Familien- und Partnerschaftskonflikten.
Die evangelische Beratungsstelle in Lübbenau befindet sich in Trägerschaft des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Lübben und wird gefördert durch das Jugendamt des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Zu erreichen ist die Beratungsstelle unter Telefon: 03542/8117 oder 8118. Kontakt auch per E-Mail unter der Adresse: beratungsstelle.luebbenau@t-online.de.