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| 02:45 Uhr

Urwälder in der Lieberoser Heide

Das Interesse am 2. Tag der Lieberoser Heide war groß. Es gab mehrere Fachvorträge in der "Darre" in Lieberose.
Das Interesse am 2. Tag der Lieberoser Heide war groß. Es gab mehrere Fachvorträge in der "Darre" in Lieberose. FOTO: Staindl/asd1
Lieberose. Der 2. Tag der Lieberoser Heide war gut besucht. Zahlreiche Gäste zog es in die "Darre" in Lieberose (Lieberose-Oberspreewald). Während einer Vortragsreihe wurde auf die besondere Landschaft aufmerksam gemacht. Andreas Staindl / asd1

Die Lieberoser Heide hat eine besondere Bedeutung für das natürliche Erbe unseres Landes. Sie gehört zu den großräumigen Landschaften Mitteleuropas. Jenny Eisenschmidt, Liegenschaftsbeauftragte der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg in Lieberose, und Andreas Meißner, Geschäftsführer der Stiftung, informierten über die Zukunft der Wildnisentwicklungsflächen auf den Lieberoser Stiftungsflächen. Die Zukunft dieser Flächen ist ein Traum. Und der sieht vor, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der Urwald von morgen entsteht. "Das ist ein spannender Prozess, der Veränderungen mit sich bringt", sagt Jenny Eisenschmidt. "Wo früher hunderte Panzer gerollt sind, werden unsere Enkel echte Urwälder erleben können." Auf einst militärisch genutzten Flächen entsteht Wildnis. Die Natur wird sich selbst überlassen. "Wir wollen nicht eingreifen, sondern Sukzession zulassen", erklärt die Liegenschaftsbeauftragte.

Die Stiftungsflächen in der Lieberoser Heide sind schon heute Lebensraum für viele und seltene Arten, etwa den Raufußkauz, den Seeadler und den Fischotter. Seit 2009 leben Jenny Eisenschmidt zufolge auch Wölfe auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Das Areal ist mit Munition belastet. "Und das ist für uns ein ständiges Problem", sagt Andreas Meißner. "Wir können zwar die Wanderwege, aber nicht alle Flächen beräumen." Deshalb sollen ihm zufolge künftig Schilder im gesamten Gebiet aufgestellt werden, die auf die Gefahren durch Munition hinweisen: "Es gibt ein klares Betretungsverbot. Wir wollen allerdings neue Wanderwege anlegen. Das ist jedoch ein Spagat zwischen gesetzlichen Anforderungen, der Gefahr durch Munition und dem Wunsch, Natur für Besucher erlebbar machen." Zudem werde mit Schildern darauf hingewiesen, dass Wildkameras installiert sind. Wer sich also abseits der offiziellen Wege bewegt, muss damit rechnen, von der Kamera im Bild festgehalten zu werden.

Die Munition führt zu mehr Bränden wie Meißner sagt: "Wir lassen diese jedoch zu, weil sie neuen Lebensraum schaffen, etwa für Insektenvielfalt sorgen." Es gebe Insekten, die seien auf Brandbäume spezialisiert.

Vandalismus ist ein weiteres, großes Problem für die Stiftung, wie der Geschäftsführer sagt: "Natürlich ist es ohne Zaun ein großes Wagnis, doch die Menschen sollen die Wildnis erleben dürfen." Er appelliert an die Wachsamkeit der Bürger vor Ort: "Sie müssen genau hinschauen, wie mit den Flächen umgegangen wird." Die Stiftungsflächen bieten mit ihrem biologischen und genetischen Reichtum eine hervorragende Möglichkeit, Wildnis zu entwickeln. Die landschaftliche Vielfalt ist enorm. Sie reicht von Heiden und Pionierwäldern bis hin zu Sanddünen, Mooren, Klarwasserseen und naturnahen Wäldern. Die Stiftung macht die Schönheit ihrer Wildnisgebiete mit Wanderwegen und Naturerlebnisangeboten erfahrbar. Interessierte können allein oder mit Mitarbeitern der Stiftung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz unterwegs sein.

"Man kann hier ewig weit laufen, ohne einem Menschen zu begegnen", sagt Jenny Eisenschmidt. Im Rahmen der Internationalen Naturausstellung arbeitet die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg daran, die Lieberoser Heide überregional anzubinden, etwa an den Spreewald. "Das geht aber nur mit regionalen Partnern", wie Andreas Meißner sagt. Isabell Hiekel, Vorsitzende des Fördervereins Nationalpark Lieberoser Heide, erwartet, dass die Stiftungsflächen "langfristig ein stabiles System mit Dynamik werden".

Zum Thema:
Die Bundesregierung hat sich mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel gesetzt, dass zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands bis 2020 Wildnis werden. Truppenübungsplätze und Bergbaufolgelandschaften etwa bieten Potenzial für die Wildnisentwicklung. Bisher sind jedoch erst 0,6 Prozent bundesweit umgesetzt, wie Andreas Meißner sagt. Im Land Brandenburg seien 1,9 Prozent der Flächen als Wildnisflächen gesichert. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg hat insgesamt 12 800 Hektar Fläche, davon derzeit 77 Prozent Wildnisentwicklungsflächen.