| 02:41 Uhr

Unterwegs mit Models, Mist und einer echten Kuh

Das Heu wird eingefahren! Brauchtum und Traditionen sind fester Bestandteil des Kahnkorsos in Lübben. Passend zum Jubiläum haben sich 40 Kähne zum 40. Spreewaldfest beteiligt.
Das Heu wird eingefahren! Brauchtum und Traditionen sind fester Bestandteil des Kahnkorsos in Lübben. Passend zum Jubiläum haben sich 40 Kähne zum 40. Spreewaldfest beteiligt. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. 40 kreativ und liebevoll geschmückte Kähne sind am Sonntagnachmittag an den Zuschauern vorbeigestakt worden. Wer aus nächster Nähe zuschauen wollte, musste sich einen Platz lange vor Beginn des Korsos sichern. Andreas Staindl / asd1

Teilweise dicht an dicht standen die Besucher am Ufer. Einige ließen ihre nackten Füße ins Wasser baumeln. Viele Gäste waren offenbar nicht zum ersten Mal dabei. Sie hatten Regenschirme mitgebracht. Nicht, um sich vor Regen zu schützen, das war nur etwa zehn Minuten am Ende des Korsos nötig, sondern, um die vielen Geschenke und Präsente aufzufangen, die von den vorbeifahrenden Kähnen aus ans Ufer geworfen wurden.

Schwups! Gleich ein ganzer Schwung Bonbon landet im aufgespannten Schirm. Auch kleine Zungenlöser wurden geworfen - sehr zur Freude der Zuschauer. Prost Kahnkorso! Äpfel, Gurken, Werbegeschenke und vieles mehr segelte durch die Luft. Manchmal war die Entfernung zum Ufer zu weit und die Präsente landeten im Wasser. Die Fährleute retteten manches mit ihren langen Rudeln. Der Kahnfährmann Steffen Lehmann etwa zog Blumen aus dem Wasser und überreichte diese per Rudel an Gäste am Ufer. Spreewälder Service halt. Der Kahnkorso war feinste Unterhaltung. Er hatte auch kulinarisch einiges zu bieten. Holunder-Bowle, kühles Bier, Schmalzstullen und andere Leckereien wurden ans Ufer gereicht und umgehend "vernascht". Der Waldower Fastnachtsverein hat tausend originale Waldower Pfannkuchen verteilt. Die Gäste aus dem Unterspreewald bereichern seit Jahren den Kahnkorso ebenso wie der Traditionsverein aus Briesensee (Lieberose-Oberspreewald) und die Waschweiber aus Groß Leuthen (Märkische Heide) beispielsweise. Auch Akteure aus Lübbens Stadt-und Ortsteilen hatten sich einiges einfallen lassen. Die alte Handdruckspitze der Feuerwehr in Lubolz war ein solcher Hingucker. Tradition und Modernes wechselten sich ab. "Geschenke aus aller Welt" war das Motto des diesjährigen Korsos. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Wie sich Vereine, Unternehmen, Verbände und Privatleute schließlich präsentierten, das verlangt höchsten Respekt. "Ich bin begeistert", sagte Jutta Dzielak. Die Moderatorin der Veranstaltung sprach den Zuschauern aus dem Herzen, was unschwer am Beifall zu erkennen war. Sie moderierte den Korso diesmal mit Rocky Tandel. Beide heizten dem Publikum schon vor Beginn der bunten Schau ein. Die Niewitzer Blasmusikanten sind traditionell die Ersten, die sich den Besuchern präsentieren. Als wenig später der Bürgermeisterkahn an den Moderatoren vorbeifuhr, hielt Rocky Tandel dem Stadtoberhaupt eine Urkunde entgegen. Die hatte sich Lars Kolan (SPD) für seine Teilnahme am Spreewaldlauf wenige Stunden zuvor verdient. Klaus Städter vom Duo Lothar & Klaus war von der Bühne auf dem Marktplatz in den Kahn gestiegen, um mit Mitarbeitern den Lübbener Bauhof zu präsentieren. Zahlreiche Teilnehmer des Kahnkorsos waren mehrfach während des Spreewaldfests im Einsatz. So bunt und vielfältig die 40 Kähne auch geschmückt waren, so bodenständig wurde es zum Schluss. Ein Kahn war mit Heu beladen, auf dem nächsten wurde eine echte Kuh transportiert, der dritte Kahn schließlich war voll mit Mist. Anschaulicher kann man das frühere Leben der Bauern in der Lagunenlandschaft kaum darstellen.

Dem Publikum zumindest gefiel es, nur den Mist wollte selbst auf Nachfrage niemand haben - eine Einlage, die für zusätzliche Stimmung sorgte. Die Spreewälder Models und andere weibliche Schönheiten ein paar Kähne zuvor hätte wohl gern so mancher Gast in den Arm genommen. Zuschauer und Akteure fast aller Kähne harmonierten wunderbar - nicht inszeniert, sondern spontan. Und genau das macht den Reiz des Kahnkorsos in Lübben aus.