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„Unsere Stadt ist reich an Geschichte“

Die Glocken des Uhrturmes im Lübbener Schloss ließ Stadtführerin Marga Morgenstern zum Abschluss der Sommertour-Führung erklingen.
Die Glocken des Uhrturmes im Lübbener Schloss ließ Stadtführerin Marga Morgenstern zum Abschluss der Sommertour-Führung erklingen. FOTO: Foto: A. Staindl
Lübben.. Wer bisher glaubte, Lübben ganz gut zu kennen, wurde gestern überrascht. Es gab eine Fülle neuer, vor allem historischer Erkenntnisse. Die RUNDSCHAU hatte zur Sommertour eingeladen und Marga Morgenstern für eine Stadtführung gewonnen. Foto: A. Staindl

Allerdings nutzten nur sieben Gäste die Chance.
Zu Beginn der Führung, am Paul-Gerhardt-Denkmal, waren es noch ein paar Leute mehr. Doch denen hatte Marga Morgenstern, die eigens ihre „freundliche Sonntagstracht“ angelegt hatte, offensichtlich so viel Lust auf die Kirche gemacht, dass sie ins kühle Gotteshaus entschwanden.

Beginn mit Paul Gerhardt
Die Stadtführerin erzählte von Paul Gerhardt, „dem wohl bekanntesten Lübbener“ , und erwähnte, dass er in der Kirche beigesetzt ist. Sie nannte Daten und Fakten, verwies auf die Kanone auf dem Sockel und darauf, dass das Denkmal zum 300. Geburtstag der Persönlichkeit errichtet wurde. Inzwischen rüstet man sich in Lübben zum 400. Geburtstag Paul Gerhardts im Jahre 2007. Vieles muss dafür noch vorbereitet und geklärt werden.
Vom Denkmal aus lenkte Marga Morgenstern die Blicke der Gäste auf den Marktplatz, erzählte von dessen geplanter Veränderung und davon, dass das Rathaus seit ein paar Jahren wie früher wieder am Marktplatz steht.
Schließlich machte Marga Morgenstern noch kurz auf den Duft der Linden am Gotteshaus aufmerksam. „Die Linden sind ein Schatz und ein Genuss, wie sie duften“ , schwärmte sie.
Dann ging es in Richtung Hauptstraße. Die Stadtführerin nutzte die Gelegenheit, um auf den einstigen Knüppeldamm und das frühere Sumpfgebiet im Zentrum der Stadt zu verweisen, ebenso wie auf die älteste Apotheke der Niederlausitz, „wenn sie noch da wäre“ , schränkte Marga Morgenstern bedauernd ein.
Beim Blick nach rechts wurde die Dresdener Bank sichtbar, „früher Schwietzke“ , warf Sommertour-Gast Jürgen Dreyer spontan ein. Zu DDR-Zeiten sei in dem Gebäude Likör, die Kroatz beere zum Beispiel, hergestellt worden. In direkter Nachbarschaft lädt der „Goldene Löwe“ ein. Die Besitzer hätten oft gewechselt, doch der Name sei geblieben. „Hier soll selbst Fontane einst gespeist haben“ , machte Marga Morgenstern neugierig.

Menschen sind das Wichtigste
Den kleinen Ausflug in die Geschichte verband sie mit einem Hinweis auf die Nachhaltigkeit der Begegnung mit Menschen: „Sie sind überall das Wichtigste.“
Von hier aus wendete sich die Gruppe nach links und wanderte in Richtung Gubener Vorstadt, „entlang der alten Handelsstraße“ , erklärte die Führerin. Wenige Meter weiter, an der Ecke des Geschäftes Braun, gab es den nächsten Stopp. Die Gäste wurden auf die Veränderung der Grundstücke hingewiesen, besonders auf deren weit höhere Auslastung als früher.
Marga Morgenstern würzte Geschichtliches auf ihrer Führung gern mit kleinen Episoden von Lübbener Originalen und zitierte dabei auch Persönlichkeiten. An der Reutergasse ging sie nicht so einfach vorbei. „Mit Otto Reutter“ , so sagte sie, „hat die Bezeichnung nichts zu tun“ . Der Name sei vielmehr aus der früheren Reitergasse entstanden.
Im Ehrenhof am Landratsamt brachte sie die Stände ins Spiel und erzählte von der ehemals bedeutenden Rolle Lübbens in der Niederlausitz. Sie brillierte mit historischen Fakten und Daten, war sattelfest in geschichtlichen Zusammenhängen und würzte ihre Worte häufig mit treffenden Pointen.
Die Gaststätte „Bubak“ wurde eigentlich rechts liegen gelassen, von Marga Morgenstern aber dennoch in die Führung einbezogen. „Bubak ist der schwarze Mann“ , erklärte sie. „Das weiß doch jedes Kind.“
Vor dem Schloss kommt die Stadtführerin in ihrer Tracht nicht so einfach am Spalier der wartenden Hochzeitsgäste vorbei. Da Braut und Bräutigam noch auf sich warten lassen, klicken die zahlreichen Kameras halt für Marga Morgenstern. Die blühte im Wappensaal so richtig auf und geriet fast ins Schwärmen.
Geschichtliches zu den einzelnen Wappen sprudelte nur so aus ihr heraus; oft mit Bezug zur aktuellen Politik. Sie führte durch die Jahrhunderte, fast so, als sei sie selbst dabei gewesen, und blieb keine Antwort schuldig. Nur eines wüsste sie selbst gern: Wann genau in den 50er Jahren die marode Decke im Wappensaal saniert worden sei. Für die Stadtführerin ist der Wappensaal „wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Viele Gäste“ , sagte sie, „denken bei Lübben meist nur an Gurken und Folklore. Dabei ist unsere Stadt auch reich an Geschichte“ .
Da es diese im Wappensaal praktisch zum Anfassen gibt, verbrachte die Gruppe hier den größten Teil der gestrigen Sommertour. Noch schnell ein geistiger Abstecher nach Burglehn, ein kurzer Schwenk in die Slawenzeit und zur Kirche in Steinkirchen.

Abschied auf der Schlossinsel
Vor dem Blick in das Hochzeitszimmer im Schloss ließ die Stadtführerin die Glocken des Uhrturmes erklingen, Geschichtliches inklusive. Vorbei ging es dann am Schlossrestaurant in Richtung Schlossinsel. Mit einem Gedicht verabschiedete Marga Morgenstern die kleine Gruppe.
„Wieder einiges dazu gelernt“ , gestand Jürgen Dreyer. „Ich war schon oft bei Führungen in Lübben dabei. Bei Marga Morgenstern erfährt man garantiert immer was Neues. Die Teilnahme hat sich auch diesmal gelohnt.“