ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:55 Uhr

Ungewöhnliches Duo musiziert in Schlepzig

Schlepzig. Eine Dame in langem schwarzen Kleid mit rotem Schal auf der Bühne neben ihrem musikalischen Partner am Cello. Schon der Anblick dieses Duos ist nicht alltäglich gewesen. Elke Ulrich und Andreas Lichtschlag haben am Samstag die diesjährige Saison "Klassik und Schlemmen" im Schlepziger Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" eröffnet. -ds

Seit mehr als einem Jahrzehnt laden Anja und Torsten Römer alljährlich Freunde der Salon-Musik in ihren Gasthof. Zunächst wird gediegene Musik genossen, danach wartet der reichlich gedeckte Tisch, um sich über das Kunstereignis auszutauschen. So war es auch am Samstag. Die beiden Berliner Elke Ullrich als Altistin und der Violoncellist Andreas Lichtschlag – er spielt sonst beim Deutschen Symphonieorchester Berlin – hatten ein besonderes Programm für diesen speziellen, fast intimen Konzertrahmen vorbereitet. Sie luden ihre Hörer ein, sich auf die Alt-Meister Alessandro Scarlatti und Domenico Gabrieli einzulassen. Elke Ullrich sang mit ihrem warmen Alt und mit darstellerischer Emotion auf der Bühne Scarlattis drei Lieder von Liebesfreuden und Liebesleid harmonisch und getreu des Meisters Intention fast wie aus einem Guss. Fremdsprachen waren für sie kein Hindernis. Das Italienische beim Scarlatti nicht, auch nicht das Englische, Französische, sogar das Russische im Verlauf des Konzertes. Beide nahmen ihre Hörer mit durch musikalische Stilepochen. Lichtschlag brillierte mit dem "Ricercare" von Domenico Gabrieli als Cello-Solist und brachte dem Publikum eines der kunstvollsten und wohl ältesten Solo-Stücke für seine Instrumentengruppe mit Innerlichkeit und Virtuosität nahe. Zuvor hatten sich beide dem Shakespeare-Zeitgenossen John Dowland mit fünf Liebesliedern genähert. Wie in jener Zeit üblich, forderte der Komponist die starke emotionale Interpretation. Das gelang der Sängerin wie dem Cellisten ohne Sentimentalität, wohl aber anrührend. Spannung im Programm dieser Konzertreihe sind üblich, wissen Kenner. Daran wurde auch beim ersten Konzert der Saison 2005/06 festgehalten. "Modernere Klänge aus dem vorigen Jahrtausend" – so ulkte Andreas Lichtschlag völlig richtig – erklangen. Zunächst war eine Komposition der geborenen Tatarin Sofia Gubaidulina zu hören. Sie lebt jetzt in Hamburg, und ihr 1985 entstandenes Opus "Brief an die Dichterin Rimma Dalos" wurde im Publikum zu einer Mischung von Ratlosigkeit über die Kunstaussage und Bewunderung für die Interpreten. Besonders die Altistin zeigte Stimmgewalt und -sicherheit. Bekannte Weisen wie das "Parlez-Moi d’ Amour" und "La Jalousie" belohnten die Hörer, die sich schließlich doch noch mit freundlichem Beifall eine Zugabe – einen Bob-Dylan-Song – erbaten. Insgesamt fünf Klassik- und vier Jazz-Konzerte wollen die Römers in der Wintersaison im Landgasthof veranstalten. Am 26. November werden in der Reihe "Klassik und Schlemmen" ab 18 Uhr die "Berlin Classic Players" zu Gast sein.