„Man nennt es Eingebung“, „hervorragende Symbiose“, „die Funken sprühten“ – am Dienstagmorgen bei der offiziellen Übergabe neuer Räume im Haus der GWG an die Volkssolidarität Bürgerhilfe Lübben blieb definitiv kein Zweifel daran, dass die inzwischen zehnjährige Liebesbeziehung zwischen der Genossenschaftlichen Wohngemeinschaft und dem Wohlfahrtsverband in der Spreewaldstadt wächst und gedeiht. Mit Stempel und Unterschrift wurde das jüngste „Kind“ der beiden Partner aus der Taufe gehoben: ein weiterer Standort mit kostenfreier Sozialberatung für alle, die ihr Leben verbessern, Einsamkeit vermeiden und Notsituationen klären wollen.

Kostenfreie Sozialberatung

Und das ist auch notwendig. Nicole Jaegers als technische Vorstandsfrau skizzierte die ernsten Hintergründe der fruchtbaren Zusammenarbeit: „Die Probleme nehmen zu. Unsere Mieter werden älter und viele sind einsam. Viele junge Leute sind von ihren komplexen Lebensaufgaben mit Familie, Kindern, Arbeit und mehr überfordert.“ Ein Grund, sich „die Kernkompetenz dafür ins Haus zu holen“. Neun Räume bezieht die Volkssolidarität an der Gubener Straße 6, unter anderem, um auch dort kostenfreie Sozialberatungen anzubieten.

Carola Ahlert als treibende Kraft

Begonnen hatte all das 2008/2009, erinnerte Jaegers Vorstandskollege Jürgen Busch, und zwar mit einem Gespräch mit der damaligen Stadtverordneten Martina Eisenhammer (Die Linke). Die Probleme waren bereits sichtbar. Die GWG konnte sie deutlich erkennen und wollte etwas dagegen tun. Die Stadtpolitikerin brachte eine Landespolitikerin zum nächsten Treffen mit, und beim dritten wiederum nahm sich Carola Ahlert der Sache an – bis heute eine der treibenden Kräfte der Kooperation, die 2010 daraus entstand. „Sie hatte viele Ideen“, erinnert sich Jürgen Busch. „Die Funken sprühten.“

Begegnungsstätte und Senioren-Wohngemeinschaft

Das erste „Kind“ der jungen Partnerschaft war sozusagen die Eröffnung der Begegnungsstätte an der Geschwister-Scholl-Straße in Lübben. Seit 2012 wird dort eine kostenfreie Sozialberatung durch die gemeinnützige GmbH der Volkssolidarität Bürgerhilfe angeboten, ihr Tochterunternehmen. 2013 folgte das zweite „Kind“ mit der Eröffnung der Senioren-Wohngemeinschaft an der Kleist-Straße in Lübben. Zwei Etagen des Neubaus baute die GWG damals so aus, dass auf jeder Etage je acht barrierefreie, altersgerechte Apartments entstanden, in denen hilfebedürftige Senioren mit Unterstützung durch einen Pflegedienst und Ehrenamtliche gemeinsam leben. Noch im selben Jahr wurde die Kleist-Stube als Treffpunkt für Mieter und Mitglieder eröffnet, ein weiterer Standort für die kostenfreie Sozialberatung.

Eine „hervorragende Symbiose“

Doch der Standort an der Schollstraße mit dem einen, neun Quadratmeter großen Büro wurde zu klein. Parallel dazu musste eine Firma ihre Räume in der Gubener Straße 6 aufgeben, die die GWG nun passend vermitteln konnte.

„Uns war immer klar: Was hier reinkommt, muss zu uns passen“, so Jürgen Busch. Und somit zieht der Kooperationspartner Volkssolidarität nach zehnjähriger „Beziehung“ quasi bei der GWG fest ein. „Das wird eine hervorragende Symbiose“, ist sich Nicole Jaegers sicher.

Mit dabei ist der Fachbereich der Ambulanten Hilfen zur Erziehung, für den die Volkssolidarität Bürgerhilfe anerkannter Träger ist und für den in Lübben seit 25 Jahren Ilka Gelhaar-Heider arbeitet. Carola Ahlert nutzte den feierlichen Auftakt, um verdienten Mitarbeiterinnen herzlich und ganz offiziell zu danken. Neben der Lübbenerin würdigte sie zwei weitere Mitarbeiterinnen für ihr Engagement.

Die „glückliche Fügung“, so nannte Carola Ahlert den Einzug an der Gubener Straße, ist „eine enorme Verbesserung für uns alle“. Willkommen sind ausdrücklich nicht nur die Mieter der rund 1350 Wohneinheiten der GWG und die Mitglieder der Volkssolidarität, sondern alle, die in ihrem Leben ein wenig Unterstützung gebrauchen können.