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| 03:06 Uhr

Umgehung sorgt erneut für Debatten

Lübben. Heiß her ist es beim Treffen der Bürgerinitiative "Pro Umgehungsstraße B 87" gegangen. Die Umfahrung an sich wurde zwar nicht in Frage gestellt. Heftige Kritik gab es an der Linienführung. Bei der nächsten Arbeitskreis-Sitzung im Juli soll diese weiter verfeinert werden. Ingvil Schirling

Schon an Frank Neumanns Augen konnte man den zunehmenden Zweifel ablesen. Er raunte seinem Sitznachbarn Jürgen Lüth die Frage zu, die in ihm gärte: Er dachte, er sei hier bei einer Sitzung der Bürgerinitiative Pro Umgehungsstraße? Die Betonung lag auf Pro. Moderator Lüth musste schmunzeln. Denn es waren zwar nur rund 15 Einwohner von Lübben und Umgebung zum Treffen gekommen. Doch einige von ihnen äußerten ihre Bedenken umso lauter.

Linienführung in der Kritik

Kern der Kritik ist nach wie vor die Linienführung der geplanten Umgehungsstraße, die künftig Durchreisende und vor allem Schwertransporter an der Stadt vorbeilenken soll. Lüth machte deutlich, dass ihre Befürworter größten Wert darauf legen, Kritiker zu hören und alles herauszuholen, damit andere möglichst wenig belastet werden.

Wie zum Beispiel die Treppendorfer. Ortsvorsteher Stefan Roth sagte: Die geplante Linienführung, abzweigend hinter Neuendorf und im Westbogen um Treppendorf herumführend, lehne man strikt ab. Roth ließ keinen Zweifel daran, dass die Treppendorfer klagen würden.

Das sei nicht gesagt, betonte Lüth mehrfach. Landrat Stephan Loge (SPD) habe sich bereits erfolgreich dafür stark gemacht, die Linie weiter von Treppendorf abzurücken. Diese sei als Korridor von 500 bis 800 Metern Breite zu sehen. Im komplexen Planungsverfahren werde gegenwärtig die Variante zwei auf Herz und Nieren geprüft. Wenn sie sich als undurchführbar erweise, werde möglicherweise auf die von Lübben ursprünglich favorisierte Variante eins zurückgegriffen, die vor Neuendorf abzweigt - und gegen die derzeit ein Naturraumverbund spricht. Oder die Umgehungsstraße komme gar nicht, wovor Lüth dringend warnte: "Wir dürfen uns nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen." Bedenken der Trassenführung dürften nicht den Eindruck erwecken, die ganze Umgehungsstraße werde in Lübben nicht gewünscht.

Dem stellten sich auch Anwohner entgegen. "Wie viele Bürger gibt es, die an der Frankfurter Straße wohnen und seit Jahren den Lärm ertragen müssen", sagte Ingeborg Tensfeldt. "Im Moment ist es ruhig, aber wenn die Lkw durchfahren, vergeht kein Tag, an dem sie nicht von Lärm belästigt werden." Sie führte nicht nur an, dass Menschen darunter leiden. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die B 87 dieser Belastung noch lange standhält", spielte sie auf die Schwertransporter an. Sei verstehe, dass Treppendorf vom Verkehrslärm nicht belastet werden wolle. "Aber verstehen Sie bitte auch die Leute an der B 87", appellierte sie an Stefan Roth.

Martin Wille, Lübbener Einwohner und Landrat a.D., sagte: "Im Interesse der Allgemeinheit, die sehr unter dem Durchgangsverkehr leidet, wäre es wichtig, dafür zu stehen, dass wir die Umgehung wollen."

Änderungen angehen

Roth regte daraufhin an, die Bundes-Gesetzgebung zu überdenken, mit der der Naturschutzraum bei Neuendorf zusammenhängt. Er darf nicht zerschnitten werden, womit die vor dem Lübbener Ortsteil abzweigende Variante vom Tisch war. Eine ideale Zeit, um eine Änderung anzugehen, fand Jens Krause von der IHK, Mitveranstalter des Treffens. "Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Sprechen Sie die Kandidaten an", riet er.

Uwe Zielke interessierte, "wie die Bauausführung im Norden in Bezug auf Hochwasserschutz aussehen könnte. Nicht, dass wir uns da eine Engstelle bauen, vor der ein Hochwasser dann alles wegreißt." Werner Böhme aus Hartmannsdorf, Baufachmann im Ruhestand, kann sich nur vorstellen, "dass es sich da um eine lange Brücke handeln muss".

Zum Thema:
Als wichtigen Partner sehen Frank Neumann und Jürgen Lüth den Arbeitskreis für die Ortsumfahrung. Stadtverwaltung, Bürgerinitiativen, Nabu, Planer und Ministerium sitzen dabei an einem Tisch, um über Knackpunkte miteinander zu reden. Das nächste Treffen ist am 17. Juli, 14 Uhr, im Lübbener Rathaus.