Freitagmorgen, 8 Uhr: Etwas stimmte nicht. Das war der Pendlerin gleich aufgefallen. Kaum Menschen auf den Berliner Straßen, noch weniger an der U-Bahn-Station, dafür gleich ein Schock: Die U-Bahn fährt nur alle zehn Minuten! Es bleibt  nicht die einzige Sonderbarkeit. Im Zug Richtung Cottbus empfängt sie statt der schicksalsergebenen Stille, die die Pendelnden sonst vereint, aufgeregtes Schwatzen, Kindergeschrei und jugendliches Gegröle (juvenile Erkenntnis des Tages: „Ey, alle Gleise führen irgendwo hin“). An den Berliner Bahnhöfen steigen kurioserweise mehr Menschen ein als aus. Die Zugestiegenen scheinen die Kurven und Huckel der ins Brandenburgische  führenden Strecke noch nicht durch allmorgend- und allabendliches Fahren verinnerlicht zu haben und werden im Gang hin und her und auf die Pendlerin geschleudert. Als ab Ostkreuz die Stullenpakete ausgepackt werden und Wurstgeruch das Abteil durchzieht, dämmert es auch der Pendlerin: Feiertag in Berlin. Da bleibt nur ein Lichtblick: Ab Brand wird es entspannt.