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Tschernobyl-Kinder sagen ihren Gasteltern Danke

Mit einem Programm bedankten sich die Tschernobyl-Kinder bei ihren Gasteltern.
Mit einem Programm bedankten sich die Tschernobyl-Kinder bei ihren Gasteltern. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Klein Leuthen. Gasteltern bekommen in Klein Leuthen ein anspruchsvolles Programm geboten. Heute müssen die kleinen Gäste wieder abreisen. Andreas Staindl / asd1

Dreieinhalb Wochen sind schon wieder um. Am heutigen Montag reisen die Kinder aus Tschernobyl zurück nach Weißrussland. Sie nehmen zahlreiche schöne Erinnerungen mit nach Hause. Mit einem Programm hat sich der Nachwuchs am Freitagnachmittag bei den Gasteltern dafür bedankt. Gesang - in deutscher und russischer Sprache, Tanz und Akrobatik - es war eines der attraktivsten Dankeschön-Programme der vergangenen Jahre, war man sich einig.

"Die Kinder haben das richtig gut gemacht", sagt Brigida Melzer. Ohnehin blickt die Vorsitzende des Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl e.V. zufrieden auf den dreieinhalbwöchigen Erholungsaufenthalt der Mädchen und Jungen zurück: "Es hat alles super geklappt, auch mit den neuen Gasteltern. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich so viele Menschen für die Tschernobyl-Kinder engagieren und unsere Arbeit unterstützen."

Seit mehr als 20 Jahren lädt der Kinderhilfsverein Nachwuchs aus der strahlengeschädigten Region in Weißrussland in den Spreewald ein. Wichtigstes Ziel ist es, ihre Gesundheit zu stabilisieren. "Das gesunde Essen, die saubere Luft und die vielen tollen Erlebnisse sorgen dafür, dass die Kinder ein halbes Jahr lang vom Erholungsaufenthalt in Deutschland zehren", erklärt Galina Pronko, Betreuerin der weißrussischen Gäste. Ihr zufolge ist der Nachwuchs sonst oft erkältet. "Doch nach dem Aufenthalt im Spreewald sind sie deutlich stabiler und viel weniger krank."

Genau darum geht es dem Lübbener Kinderhilfsverein, wie Brigida Melzer sagt. Ute Koch weiß sehr gut, wie gut der Erholungsaufenthalt den Kindern bekommt und engagiert sich deshalb im Verein. Die Berlinerin nimmt die Geschwister Violetta (13) und Timofej Gramiko (14) schon seit einigen Jahren bei sich auf. Sie sagt: "Sie sind mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen." Viloetta kam in diesem Jahr mit einer Brille nach Deutschland. Gut sehen konnte sie damit nicht. "Der Optiker in Lübben hat festgestellt, dass sie viel stärkere Gläser braucht, und diese dann auch bereitgestellt. Jetzt hat Violetta die Brille, die sie benötigt."

Ute Koch hält das ganze Jahr den Kontakt zu den Geschwistern. Sie hat diese auch schon in Weißrussland besucht. "Die Kinder leben bei ihrer Oma", erzählt die Gastmutter. "Ihre Eltern sind beide schon verstorben." Viele der Tschernobyl-Kinder bauen eine enge Bindung zu ihren Gasteltern auf. Olesia Dutowa hat während des Abschlussfests ein T-Shirt mit der Aufschrift "Ich will zu Oma und Opa" getragen. Damit meint die Neunjährige ihre Gasteltern Ute und Detlef Moritz aus Lübben. Die Geborgenheit in Familien ist für den Nachwuchs aus Tschernobyl ganz wichtig. "Viele der Kinder haben keine Mutter mehr oder schon beide Eltern verloren", erzählt Galina Pronko. "Sie leben bei den Großeltern, im Heim oder bei Pflegefamilien."

Ihr Schicksal sieht man den Mädchen und Jungen oft an. "Doch die vielen schönen Aktivitäten hier während des Aufenthalts bringen sie auf andere Gedanken und zaubern ihnen ein Lächeln ins Gesicht", hat die Gastmutter Karla Mauer aus Wildau festgestellt. "Aus stillen und traurigen Kindern werden plötzlich fröhliche Menschen. Das mitzuerleben, ist ein sehr schönes Gefühl."

Und die jungen Gäste selbst? "Sie würden am liebsten noch länger hier bleiben", sagt Galina Pronko. "Die Zeit hier im Spreewald ging viel zu schnell vorbei." Für die kleine Sofiya waren es sehr hilfreiche Wochen. Das sechsjährige Mädchen ist schwer krank und wurde im Reha-Zentrum in Lübben-Ost betreut. "Sie hat große Fortschritte gemacht", erzählt Brigida Melzer. "Wir haben schon eine Zusage für weitere Behandlungen im nächsten Jahr."