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| 10:09 Uhr

Trotz Stallpflicht glückliche Hühner

Luckau/Lübben. Es ist ruhig geworden auf ländlichen Höfen der Region. Seit vergangenem Samstag muss frei laufendes Geflügel weggesperrt werden. So hat es das Ministerium für Verbraucherschutz angewiesen. Mit der Maßnahme soll ein Kontakt zwischen Haus- und möglicherweise infizierten Wildvögeln vermieden werden. Tierhalter des LDS-Kreises haben Verständis für dies Schutzmaßnahme, befürchten aber Legeverluste. Von Andreas Staindl

„Die Stallpflicht verringert das Risiko einer Vogelgrippe“, erklärt Detlef Richter. Der Drahnsdorfer Züchter lässt seine 50 Hühner allerdings nicht im Stall, sondern hat für sie eine Voliere gebaut. „Die ersten Tage waren die Tiere ziemlich unruhig, wollten raus. Sie vermissen ihre Stammplätze zum Scharren und Plätze, an denen sie ihr Gefieder mit trockener Erde pudern können“, erklärt Richter. „Durch die eingeschränkte Bewegung verfetten die Hühner und legen weniger Eier.“ Für Carola Rebotzke wäre das ein großer wirtschaftlicher Schaden. Auf ihrem Bioland-Hof in Hohenbrück hält sie zur Eierproduktion etwa 1500 Hühner in fünf Ställen. „Unseren Tieren geht es gut, sie sind glücklich“, sagt Rebotzke. Dafür hat sie aber einiges getan: „Es gibt Sandbäder, wo die Hühner ihr Gefieder reinigen können, für ihren Bewegungsdrang außerdem Sitzstangen zum Hochfliegen und Stroh zum Scharren. Hühner müssen beschäftigt sein, sonst kommen sie nur auf dumme Gedanken“, erklärt sie. Für ihre Tiere ist das Stallleben nicht neu. „Unter zehn Grad minus im Winter lassen wir sie drin. Deshalb gibt es auch jetzt keine Panik unter unseren Hühnern. Sie fangen wie gewohnt an zu singen, wenn wir fünfmal am Tag die Eier einsammeln.“ Vorbeugender Schutz ist sinnvoll Die Hohenbrückerin hält die Stallpflicht „für sinnvoll. Es ist ein Signal für die Verbraucher, dass wir alles getan haben, um eine Vogelgrippe zu vermeiden. Schließlich wollen auch wir gesunde Tiere“, sagt Rebotzke. Norbert Nowak aus Rosenthal hält die Maßnahme „nur teilweise für gerechtfertigt“, eher „für Panikmache und Abzocke, wenn mal drei Hühner über den Hof rennen. Auf der Straße liegt doch überall Vogeldreck.“ Für seine etwa 25 Zuchttiere hat er einen Auslauf mit Foliendach gebaut. „Die Hühner wollen raus, sitzen sonst nur vor dem Fenster. Außerdem schadet die fehlende Bewegung ihrer Vitalität“, erklärt Nowak. „Die Hautfarbe verblasst, das Gefieder verändert sich negativ.“ Für Züchter eine Horrorvorstellung. Das Gefieder leidet Auch Dietmar Smalla aus Butzen sorgt sich um die Qualität seiner etwa 20 Zwerghühner: „Es geht ihnen zwar gut, sie sind ruhig. Doch ihr Gefieder entwickelt sich ohne großzügigen Auslauf nicht so optimal wie in der freien Natur.“ Smalla ärgert das: „Ende November ist eine Ausstellung, da will ich schöne Tiere präsentieren.“ Damit sich seine Hühner wohl fühlen und trotz Einschränkung gut entwickeln, hat er ein überdachtes Freigehege gebaut: „Wir Menschen wollen ja auch nicht in einer engen Toilette eingesperrt sein.“ Die Stallpflicht findet er „sehr gut. Derzeit überfliegen uns doch zahlreiche Wildgänse. Wer weiß, was die alles fallen lassen – vielleicht auch den Vogelgrippe-Virus?“ Eine Gefahr besteht durchaus. Derzeit sind mehrere zehntausend Zugvögel etwa aus der russischen Region unterwegs nach Deutschland. Sie könnten das gefährliche H5N1-Virus mit bringen. H5N1 ist ein Subtyp des Geflügelpest-Virus, der auch für Menschen gefährlich werden kann: Wenn sich der aggressive Vogelgrippe-Virus mit dem menschlichen Grippe-Virus kreuzt, entsteht ein aggressiver Supervirus. Die Vogelgrippe ist nicht neu, wissen die Züchter. Sie war erstmals 1878 in Italien aufgetaucht und als Seuche durch Europa, Amerika und Asien gezogen. Jetzt ist die Vogelgrippe wieder auf Tour. Sie ist hochansteckend – allerdings nur unter Vögeln. Die Viren der Geflügelpest befinden sich vor allem im Kot der Tiere. Kommen etwa Hühner damit in Kontakt, haben sie keine Chance: Sie werden apathisch, aufgeplustert, fressen und trinken nichts mehr. Die Hühner bekommen Durchfall, atmen schwer. In wenigen Stunden sind sie tot, manche fallen innerhalb weniger Sekunden beim Picken um. Bisher hat der Virus um Deutschland einen Bogen gemacht. Solange die Wildvögel aber noch ziehen, gilt die Stallpflicht für freilaufendes Geflügel, vorerst bis zum 15. Dezember dieses Jahres. Erst dann wird es auf ländlichen Höfen der Region wieder richtig lebhaft.