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Tropical Islands legt Erweiterungs-Pläne vor

Krausnick. Die Erweiterung von Tropical Islands nimmt konkrete Formen an. Die Arbeiten für den neuen Wasserpark haben begonnen. Der Masterplan zeigt Details des millionenschweren Ausbau-Vorhabens für den Tropenpark. Ingvil Schirling

Rot unterlegt sind die Ferienhaus- und Campingplatzanlagen, die es bereits gibt. Gelb sind die geplanten Bereiche - und sie sind um ein Vielfaches größer. Im gesamten nördlichen Teil der fast 620 Hektar großen Fläche rund um die größte freitragende Halle der Welt erstrecken sich in runden, organischen Formen die künftigen Ferienhausparks. Auch südlich der Halle, angrenzend an die bestehenden mobilen Häuser (neudeutsch: "mobile homes"), kommen Erweiterungsflächen hinzu. Dahinter steckt ein verändertes Konzept: "Ziel ist es, Tropical Islands als Urlaubsresort mit 9000 Betten auszubauen", sagt Architekt und Stadtplaner Jürgen Grothe, Geschäftsführer von CL Map. Die Gäste sollen künftig drei bis vier Tage auf dem Gelände übernachten. Die Planer gehen davon aus, dass sie einen Tag in der Halle verbringen, an einem weiteren Ausflüge per Fahrrad, Kahn, Paddelboot oder Kanu in die Umgebung machen, einen dritten mit der Besichtigung von Berlin oder Dresden verbringen und eine vierten Tag auf dem Gelände.

"Wir haben eine hohe Nachfrage", sagt Pressesprecherin Janet Schulz. "Ostern und in den Ferien waren wir komplett ausgebucht. Wir möchten uns als Urlaubsresort entwickeln, dafür viele Freizeitmöglichkeiten schaffen und natürlich auch in die Region blicken."

Die neuen Pläne sehen eine geschickte Verbindung zwischen künstlicher Tropenwelt unterm Hallendach, einzigartiger Brandenburger Natur und der Fließlandschaft des Spreewaldes vor. Die natürliche Sukzession auf dem ehemaligen Militärgelände ist dabei mehr denn je in den Vordergrund gerückt. Sie soll im künftigen Herzstück des Geländes, dem Offenland, erleb- und erfahrbar gemacht werden. Eine sehr umfangreiche naturschutzfachliche Betrachtung habe ergeben, so Planer Grothe weiter, dass diese offenen Wiesen im Zentrum des Geländes das wertvollste und prägende Element seien. Zahlreiche sehr seltene und Rote-Liste-Arten seien bei Zählungen entdeckt worden, darunter der Ziegenmelker, eine Schwalbenart.

"Offenland", "Wiesenforum", "naturbelassener Bereich" und "naturnahes Wohnen Heidekamp" sind wichtige Ankerpunkte des Masterplans. Dazu sollen eine Halle mit Freizeit- und Spielangeboten geschaffen werden, ein Outdoor-Sportplatz, ein Kletterpark, ein Streichelzoo, ein Fahrradverleih, Aussichtspunkte, Spielplätze, Minigolf und die Möglichkeit zum Bogenschießen.

Für ein zweites Herzstück, die Wasserlandschaft außerhalb der Halle mit Schwimmbad, Sauna und künstlichem Wildwasserfluss, der auch im Winter erwärmt sein wird, hat die Bauvorbereitung begonnen. Mit der Fertigstellung wird in Richtung Herbst/Winter gerechnet.

Zu den notwendigen Ausgleichmaßnahmen gehört der Abriss der ehemaligen Kaserne und weiterer alter Militärgebäude. Perspektivisch sollen dort weitere Outdoor- und Freizeitangebote entstehen. Die ehemalige Landebahn im künftigen Offenland soll größtenteils zurückgebaut werden. Ein Rest könnte als Skaterbahn ("funway") Bestand haben.

Zwei große Hotels vervollständigen die aktuellen Pläne. Eines davon ist als Fünf-Sterne-Kongresszentrum vorgesehen und soll nördlich der Halle entstehen, das andere als Motel namens "Spreewald-Zentrum" südlich davon. Der Masterplan sieht weiterhin eine Tankstelle mit Servicestation kurz hinter der Brücke am Eingang des Geländes vor. Radler könnten über einen möglichen Tunnel direkt zum Bahnhof Brand kommen.

Zum finanziellen Umfang der Gesamtinvestitionen gibt es mittlerweile unterschiedliche Zahlen. Landrat Stephan Loge (SPD) bezifferte diese im Juli 2014 bei seiner Erstinformation an den Kreistag Dahme-Spreewald mit rund 60 Millionen Euro. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos) sprach kürzlich von 40 bis 50 Millionen Euro. Planer Jürgen Grothe zufolge ist der Gesamtumfang derzeit kaum zu beziffern. Die Planungen erstrecken sich über einen Zeitraum von elf Jahren bis 2026.

Was bis dahin wie und in welchem konkreten finanziellen Umfang realisiert wird, ist derzeit schwer zu sagen. Möglich ist durchaus, dass die 60-Millionen-Investition sich noch steigert.

Die Gemeindevertretung Krausnick/Groß Wasserburg, die bei derartigen Großvorhaben auf ihrer Gemarkung beteiligt werden muss, hat unterdessen mit einstimmigen Beschlüssen die Weichen für die Umsetzung gestellt. Ende März geschah Vergleichbares in der Gemeinde Halbe, auf deren Gemarkung ebenfalls ein Teil von Tropical Islands liegt. Bürgermeister Gerhard Buschick bekannte sich zu Tropical: "Wir begleiten das nun schon seit zehn Jahren und haben alle gesehen, welche Auswirkungen auf die Region es hat", sagte er. Was an Ausgleichmaßnahmen vorgesehen sei, sei außerdem nicht zu unterschätzen. "Wir standen von Anfang an dahinter. Wenn wir 25, 30 Jahre zurückdenken, erinnern wir uns, dass wir damals gar nicht wussten, wie wir uns noch die Ohren zuhalten sollten", spielte er auf den ehemaligen Militärflugplatz mit teils traumatischen Auswirkungen auf Krausnick und Groß Wasserburg an. "Heute locken der große Bekanntheitsgrad und die besondere Kombination mit dem Spreewald Gäste in die Region, die bleiben."

Sorge bereitete den Beteiligten, dass der Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg gerichtlich gekippt ist. Das hat in der Region massive Auswirkungen. Geht es nach der Gemeinde, sollen die Planungen für Tropical auf keinen Fall darunter leiden. "Sollte aus diesem Grund das Raumordnungsverfahren ins Stocken geraten", kündigte Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) an, "werden wir stattdessen Bebauungspläne schaffen. Die Entwicklung von Tropical Islands wird dadurch nicht abreißen. Es ist wichtig, dass wir das sagen und dass die Beteiligten das auch wissen."

Zum Thema:
Parallel zu den derzeitigen Planungen an Tropical Islands wird an zwei Studien gearbeitet. Del Chin, eine Mitarbeiterin des Planungsunternehmens CL Map, hat sich mit optimaler Energieeffizienz in den Feriendörfern auseinandergesetzt. Gleichzeitig läuft auch eine Studie über die Sanierung des Doms, der Tropical-Islands-Halle selbst. Ursprünglich als größte freitragende Halle der Welt für die Produktion von Schwerlast-Transportluftschiffen (Cargo Lifter) gebaut, "ist es ein Bauwerk, dass durch seine Größe und Höhe auch Wartung und Pflege braucht", sagt Jürgen Grothe von CL Map. Ihm zufolge steht einiges an Sanierung an und die Studie soll zeigen, wie Mittel dafür sinnvoll eingesetzt werden können.