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| 15:41 Uhr

Auf den (S)enkel gehen
Trickbetrüger treiben Unwesen in Dahme-Spreewald

Vor allem Senioren werden oft zur Zielscheibe für Trickbetrüger. Im Landkreis gab es erst vergangene Woche zwei neue Fälle.
Vor allem Senioren werden oft zur Zielscheibe für Trickbetrüger. Im Landkreis gab es erst vergangene Woche zwei neue Fälle. FOTO: Andrey Popov - stock.adobe.com / Andrey Popov
Lübben/Cottbus. Auch in Dahme-Spreewald versuchen Trickbetrüger immer wieder, ältere Menschen am Telefon zu überlisten. Laut Polizei ein permanentes Problem. Von Steven Wiesner

Gertrud Weber (Name geändert) ahnt nichts Böses, als am vergangenen Donnerstag ihr Telefon klingelt. Die 79-jährige Rentnerin aus dem Landkreis Dahme-Spreewald hebt den Hörer ab und glaubt am anderen Ende der Leitung ihren Enkel zu sprechen, der sie um einen höheren Geldbetrag bittet. Das Problem: Gertrud Weber spricht gar nicht mit ihrem Enkel – sondern mit einem Trickbetrüger. Die Seniorin bemerkt den Schwindel nicht, macht sich auf zu ihrer Bankfiliale, hebt mehrere tausend Euro ab und erscheint damit beim Übergabeort, den der Anrufer vorgeschlagen hat. Erst als dort niemand erscheint, ruft sie ihren richtigen Enkel an und entgeht gerade so noch einem Verbrechen.

Derartige Fälle treten seit einigen Jahren vermehrt auf, sagt Polizeisprecherin Ines Filohn von der Polizeidirektion Süd in Cottbus. Die Spitzenreiter in der Lausitzer Trickbetrüger-Statistik sind zwar Cottbus und Spree-Neiße mit fast 50 gemeldetn Fällen pro Jahr, auch in Dahme-Spreewald aber werden vor allem Senioren immer wieder zur Zielscheibe für skrupellose Ganoven. 19 Fälle wurden im Jahr 2016 registriert, 18 waren es im vergangenen Jahr. „Dieses Jahr ist es besonders schlimm“, sagt Ines Filohn. „Und es wird immer perfider. Die kriminelle Energie und ihre Kreativität suchen ihresgleichen.“

Manchmal geben sich die Anrufer als Anwälte oder Mitarbeiter von Gewinnspielen aus, am häufigsten aber versuchen sie, den Menschen mit dem Enkeleffekt auf den Senkel zu gehen. Teilweise operieren die Betrüger sogar aus dem Ausland, durchforsten Telefonbücher nach Vornamen, die auf ältere Personen hinweisen und versuchen dann, an Informationen und Geld zu gelangen. Laut Polizeiermittlungen suchen die Banden „nach Namen wie Hilde, Annemarie, Kunigunde oder Erika. Diese etwas älter klingenden Namen oder ein etwa vermerktes Geburtsdatum können ein Hinweis darauf sein, dass hinter diesen Einträgen eine lebensältere, womöglich alleinstehende, leicht zu überrumpelnde Person stehen könnte“. Dann erzählen sie ihr Geldnot-Märchen von Autounfällen oder hohen Arzt- und Anwaltskosten.

Die Polizei arbeitet immer wieder daran, die Betroffenen für die Vorgehensweisen zu sensibilieren. Und sie kämpft nicht allein gegen die Betrüger. Auch Banken und Geldinstitute wissen um die Thematik. „Es kommt gar nicht so selten vor, dass Mitarbeiter von uns solche Verbrechen verhindern“, sagt Cornelia Kuhlmey von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Denn wenn ein Kunde, der normalerweise nicht mehr als 80 Euro abhebt, sein Konto auf einmal um 8000 Euro erleichtert, fällt das auf. „Man merkt auch, wenn der Kunde aufgeregt ist. So können wir manchmal verhindern, dass das Geld an Täter oder Mittelsmänner übergeben wird, die oft sogar am Eingang warten.“ Viele Banken bieten gemeinsam mit der Polizei auch schon Präventionsveranstaltungen für Mitarbeiter und Kunden an.

Trotzdem hat nicht jeder so viel Glück wie Gertrud Weber. „Teilweise entsteht ein immenser finanzieller Schaden“, sagt Ines Filohn. „Manche werden um ihre gesamten Ersparnisse gebracht.“ Bei den 18 Fällen im vergangenen Jahr in Dahme-Spreewald hatten die Trickbetrüger zwar nur einmal Erfolg. Doch allein dieser Fall ist schon einer zu viel.