Jetzt ist es wieder ruhig auf dem Hof Thormälen in Holstein. „Manchmal ist es uns fast zu ruhig“ , sagt Andrea Michelchen lachend. Die 25-Jährige erinnert sich noch gut an den Trubel des Sommers zuvor. Ein Drehteam sei jeden Tag da gewesen. Das sei „komisch“ gewesen, sagt sie. „Wir haben uns sehr beobachtet gefühlt. Wir sollten ja nicht in die Kamera gucken, sollten so tun, als wären sie und die Leute dahinter gar nicht da.“ Das sei allerdings sehr gewöhnungsbedürftig gewesen.
Anders für die Pferde: „Wir waren erst besorgt, ob das wohl klappt, gerade bei den jungen Pferden, die manchmal sehr scheu sind, und bei der ganzen Kameratechnik“ , sagt An drea Michelchen. Doch die Pferde überwanden ihre Befangenheit offenbar schneller als die Menschen: „Manche haben ihre Nase direkt in die Kamera gehalten“ , erinnert sich die Lübbenerin schmunzelnd. Die Junghengste hätten sich schnell daran gewöhnt, die Technik als etwas empfunden, was dazugehörte, und sich eher gewundert, wenn sie nicht da gewesen sei.
Ein Jahr später ist nun das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit im Fernsehen zu erleben. „Wenn man sich selbst sieht, findet man sich schrecklich“ , sagt die gebürtige Lübbenerin. Selbst betrachte sie ihre Auftritte sicher am kritischsten. „Aber die Leute vom Fernsehen sagen, das ich gut ankomme.“
Angekommen in Holstein ist die in Treppendorf Aufgewachsene schon vor Jahren. „Ich wollte immer Pferdewirtin werden“ , erzählt Andrea Michelchen, „und habe mich zunächst im Brandenburger Umland beworben.“ Schnell sei ihr aber klar geworden, dass sie in ihrem Bereich, dem der Zucht und Haltung einerseits und der Arbeit mit Springpferden andererseits, in Holstein, Hannover oder Oldenburg bessere Chancen hätte. Über eine Fachzeitschrift bewarb sie sich auf eine Praktikumsstelle und wurde dort ins Lehrverhältnis übernommen. Das war im November 1998. Wenige Jahre später kam sie zum Gestüt Thormälen.
Wohlgefühlt in der Fremde hat sie sich nicht gleich. „Es war anfangs schwierig“ , erzählt Andrea Michelchen. Sie war 17 Jahre alt, als sie von zu Hause wegging. Damit, dass sie ,aus dem Osten‘ kam, hätten viele keine Probleme gehabt - sie selbst eingeschlossen -, manche aber doch. „Heute gefällt es mir aber sehr gut hier“ , sagt sie. „Ich habe hier viele Freunde und würde nicht nach Lübben zurückgehen“ , auch wenn es ihr gut gefalle, wenn sie zu Besuch sei: „In Lübben hat sich eine Menge getan.“
Andrea Michelchen arbeitet mittlerweile in verantwortlicher Position, ist die Ansprechpartnerin des Hofs Thormälen und gilt als die rechte Hand von Gestütsleiter Harm Thormälen. Von Januar bis Juli ist sie hauptsächlich „Hebamme“ , überwacht die Fohlengeburten, greift ein, wenn es nötig wird. In ihrem Zimmer, erzählt sie, stehe der Bildschirm der Videokamera, die die werdenden Pferdemütter in den Abfohlboxen beobachtet. „Wenn eine mal etwas länger liegt, gibt die Anlage ein wirklich unangenehmes Piepen von sich“ , erzählt Andrea Michelchen mit einem selbstironischen Unterton von ihrer Nachtarbeit. Da stehe wirklich jeder auf. Auf einen Fehlalarm, weil die hochschwangere Stute einfach mal ein etwas längeres Nickerchen macht, muss sie gefasst sein. Rund 50 Zuchtstuten sind zu betreuen, auch wenn sie nicht alle zum Betrieb gehören. Die ersten Fohlen, denen sie auf dem Hof Thormälen auf die Welt geholfen hat, werden jetzt vier Jahre alt „und haben teilweise schon wieder ein Fohlen bei Fuߓ , erzählt Andrea Michelchen. Einige davon haben neue Besitzer und Aufgaben in der Welt des Springreitens gefunden. „Gerade bei denen, die ich selbst ausgebildet habe, tut es schon manchmal weh, wenn sie gehen“ , gibt sie zu. „Aber wenn ich dann höre oder sehe, dass es ihnen gut geht, dass sie erfolgreich sind, dann bin ich auch zufrieden.“
Gegen Ende der Geburtenzeit verschieben sich die Arbeitsschwerpunkte der Spreewälderin. Die Ernte steht an, gleichzeitig werden die jungen Hengste für die ersten Schauen und die Körung vorbereitet. Es ist harte Arbeit, die Andrea Michelchen Tag für Tag abliefert. „Es muss schon Leidenschaft dabei sein, wenn man diesen Beruf machen will“ , sagt sie. „Wir arbeiten an den Feiertagen, machen oft abends länger“ , zählt sie auf. „In meiner Berufsschulklasse haben viele aufgehört, weil es ihnen zu viel und zu lang und zu anstrengend war.“ Es gehe eben nicht nur ums Reiten, sondern auch um das ganze Management drum herum.
Erholung findet sie bei ihren eigenen beiden Stuten, von denen eine jetzt ebenfalls ein Fohlen bekommen hat. Die Intensität der Arbeit aber verband sie auch mit dem Drehteam. „Wir konnten monatelang beobachten, was die für einen harten Job machen“ , urteilt Andrea Michelchen. Dabei seien sich die Gestütsmitarbeiter und die Filmleute näher gekommen. „Wir sind beinahe Freunde geworden“ , erzählt sie. Sei es am Anfang seltsam gewesen, Tag für Tag von einem Filmteam begleitet zu werden, „war es nach Drehschluss irgendwie komisch, dass es wieder so ruhig wurde.“