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| 15:51 Uhr

Spielzeugspende nach Ghana
„Die haben ja gar kein Spielzeug“

Die "Schmetterlinge" der Kita Waldhaus zeigen sich stolz gegenseitig, welches Spielzeug sie für den afrikanischen Kindergarten ausgesucht haben. Foto: Kita Waldhaus
Die "Schmetterlinge" der Kita Waldhaus zeigen sich stolz gegenseitig, welches Spielzeug sie für den afrikanischen Kindergarten ausgesucht haben. Foto: Kita Waldhaus FOTO: Kita Waldhaus Lübben-Treppendorf / Kita Waldhaus
Weil ein ghanaischer Kindergarten kein Spielzeug besaß, spendeten Kinder der Kita Waldhaus ein Teil ihrer Spielsachen.

„Die haben ja gar kein Spielzeug“ – mit diesem Satz fing alles an, als Swetlana Köcher den Kindern ihrer Kitagruppe Schmetterling die Fotos ihrer Afrikareise zeigte. Sie ist Erzieherin in der Kindertagesstätte Waldhaus in Treppendorf und betreut dort die ältesten Kinder, die bald in die Schule gehen. Zusammen mit ihrem Verlobten besuchte sie Ende Dezember 2017 für zwei Wochen Jill, ihre Stieftochter in spe. Die 18-Jährige verbringt ein Freiwilligenjahr in Ghana und arbeitet an der Sygma-Child School in Nsawam, in der Nähe der Hauptstadt Accra. Der Schule ist auch ein Kindergarten angegliedert.

„Ich wusste nicht wie es in Afrika ist und was mich dort erwartet“, gesteht die Lübbenauerin. In Ghana gebe es alles. Wolkenkratzer wie in Frankfurt am Main, aber auch bittere Armut, wie man sie aus TV-Berichten kenne. „Das hat mich ganz schön erschüttert“, sagt die Erzieherin. Es sei dennoch ein sehr spannender Aufenthalt gewesen. Vor Ort kam sie auf die Idee den Kindern ihrer Kita-Gruppe an Hand von Fotos ihre Erlebnisse zu schildern. „Wir wollen den Kindern spielerisch jeden Tag, mit einem kleinen Angebot, Wissen vermitteln“, erklärt Swetlana Köcher. Und so kamen Mahlzeiten, Menschen, Wohnungen und Tiere vor die Kameralinse der Pädagogin. Auch der Kindergarten der Sygma-Child School wurde fotografisch festgehalten. Zurück in Deutschland kam sie aber erst nach Vogelhochzeit und Fasching dazu mit den Kindern kleine Unterrichtsstunden zum Thema Afrika abzuhalten. „Die Kinder waren begeistert und haben mich zu mehr Ideen bewegt. Am Ende ist daraus ein großes Projekt geworden.“ Dabei setzten sie sich mit der afrikanischen Tierwelt, den Menschen und der Kultur auseinander. Die Kinder malten und bastelten, musizierten mit kleinen Buschtrommeln, kleideten sich mit ghanaischen Ketten und spielten ein Ratespiel über afrikanische Tiere. Während der Unterrichtsstunden lernten sie nicht nur die schönen Seiten des schwarzen Kontinents kennen. Die „Schmetterlinge“ merkten von allein, dass die ghanaischen Krippenkinder in ihren Räumen kein Spielzeug hatten. Weder eine Puppe, noch ein Auto. Auch war es dort nicht so bunt wie in den Räumen der Treppendorfer Kita. Von sich aus kamen sie auf die Idee, eigenes Spielzeug von zu Hause mitzubringen und für die Ghanaer zu sammeln.

Wie es der Zufall so wollte, beschloss eine Freundin von Jill nach Afrika zu reisen. Über die Osterfeiertage besuchte Joci sie in der Sygma-Child School. Schnell wurde sie überredet einen Koffer voller Spielsachen mitzunehmen. „Ich habe dann in der Kita einen Aufruf gestartet und mit den Eltern gesprochen“, berichtet Swetlanda Köcher über ihr weiteres Vorgehen. Bei denen kam die Idee sofort gut an. Doch nicht jedes Spielzeug, das mitgebracht wurde, kam infrage. „Die Sachen sollten nicht zu kompliziert sein, nicht batteriebetrieben und nicht zu schwer sein“, so die Auswahlkriterien der Erzieherin. Einige Eltern hätten auch nagelneue Puppen, Autos und Malstifte beigesteuert. Zwei Wochen vor Ostern war dann alles beisammen und die Kinder zeigten sich gegenseitig, welche Spielsachen sie für die Ghanaer ausgesucht hatten. Nachdem Swetlana Köcher die Sachen geprüft und aussortiert hatte landeten sie in Jocis Koffer. „Die hatte ein bisschen Bedenken wegen dem Zoll“, erinnert sich die Lübbenauerin. Bis zu 22 Kilo Gepäck durfte sie mitführen. Knapp die Hälfte davon war Spielzeug. Eigentlich dürfe man nur Dinge mitführen, die man auch selber nutze, erklärte ihr Joci. Nach einem kurzen Studium der Einfuhrbestimmung waren jedoch fast alle Zweifel beseitigt. Fast, denn in Ghana sei Korruption weit verbreitet, sagt Swetland Köcher. Doch Joci konnte ohne Probleme den Zoll in Accra passieren. Erleichtert schickte sie daraufhin eine Nachricht an Swetlana Köcher und berichtete von dem Erfolg.

Nach Ostern hat Jill dann Fotos geschickt, wie die Kinder in Afrika den Spielzeugkoffer öffnen, berichtet die Erzieherin. Ausdrucke davon brachte sie zu den „Schmetterlingen“. Die haben sich über alle Maße gefreut ihre Spielsachen auf den Fotos wiederzuerkennen, sagt die Lübbenauerin. „Nur Magdalena war traurig“, erinnert sie sich. Das Mädchen hatte Bilderbücher für die Kinder ausgesucht, die leider auf den Fotos nirgends zu erkennen waren. Doch Swetlana Köcher konnte sie erfolgreich trösten und ihr versichern, dass auch diese angekommen seien. Mit Fotos hatte sich die Sygma-Child School bei den Treppendorfer Kindern bedankt. „Wir waren uns erst nicht sicher, ob das überhaupt gerne gesehen ist, wenn wir der Schule etwas schicken“, sagt die Erzieherin. Nach Absprache mit der ghanaischen Erzieherin Gloria wurde das Angebot aber gerne angenommen.